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Ostprignitz-Ruppin Wenn die Seele krank wird
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wenn die Seele krank wird
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00:18 15.05.2016
Der Kinosaal war am Mittwoch gut besucht. Der Dokumentarfilm „Wenn die Realität auf einmal anders wird“, regte viele Besucher zum Nachdenken an. Quelle: Christian Bark
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Wittstock

Dass ihre Veranstaltung so gut von den Wittstockern angenommen wurde, davon waren Kristin Köppen und Katrin Ulmer am Mittwoch freudig überrascht. Die beiden Sozialpädagogen hatten gemeinsam mit weiteren Mitarbeitern der psychosozialen Kontakt- und Beratungsstelle der Arbeiterwohlfahrt (Awo) zur jährlich stattfindenden Aktion Mensch geladen – Und zwar nicht nur in ihre Räumlichkeiten am Markt, sondern zuvor ins Kino Astoria.

Passend zum diesjährigen Motte der Aktion „Barrieren im Kopf überwinden“, bekamen die Teilnehmer den Dokumentarfilm „Wenn die Realität auf einmal anders wird“ zu sehen.„Der Streifen setzt sich mit der psychischen Erkrankung Schizophrenie auseinander“, erklärte Kristin Köppen den Inhalt des im Medienprojekt Wuppertal entstandenen Films. „Wir hatten kurzzeitig schon überlegt, ob wir den Kinosaal wechseln, weil so ein Andrang herrschte“, beschrieb Katrin Ulmer die großartige Resonanz auf das Angebot. An die 90 Menschen sollen der Awo-Mitarbeiterin zufolge den Film aufmerksam verfolgt haben. Darunter junge Leute einer Berufsschulklasse aber auch Senioren und Mitglieder der Awo-Selbsthilfegruppen gegen Depressionen.

Kristin Köppen und Katrin Ulmer luden zum Anschlussgespräch in die Awo-Räume am Markt. Quelle: Christian Bark

So stellte auch die 75-jährige Erika Müller aus Wittstock fest: „Es braucht häufig einen schlimmen Anlass, um so psychisch angeschlagen zu sein, dass man plötzlich Stimmen im Kopf hört.“ Damit verwies sie auf das Beispiel einer Frau im Film, die nach familiären Problemen von zuhause ausgerissen, in Frankreich von einem Busfahrer mitgenommen und dann von diesem vergewaltigt worden war. Auch in ihrem Bekanntenkreis habe sie jemand, der unter Schizophrenie leide, wie Müller berichtete.. „Darum wollte ich mehr über diese Krankheit erfahren“, begründete die Rentnerin ihre Teilnahme. Dabei hätte sie auch gelernt, dass Menschen auch mit solch einer Krankheit zufrieden leben können.

Unterstützend hierbei wirken auch Medikamente, über deren Dosierung die Wittstockerin Sybille Hinz bislang nur wenig wusste, wie sie sagte. Da sie selbstunter Depressionen leide, habe sie der Film zu dieser psychischen Erkrankung besonders interessiert. „Im Grunde war es im Kinosaal wie in einer großen Selbsthilfegruppe, in der die Betroffenen auf der Leinwand genauso frei wie in einer kleinen Runde gesprochen haben“, beschrieb die 59-Jährige die Atmosphäre im Astoria.

Bei Kaffee und Kuchen setzten sich die Teilnehmer mit dem Film und dem Thema in Gesprächen auseinander. Quelle: Christian Bark

„Uns war es wichtig, mit dem Film auf eine Krankheit hinzuweisen, die man so erstmal nicht sieht“, erklärte Ulmen im MAZ-Gespräch. Auch die im Anschluss an die Vorführung stattgefundenen Gespräche hätten gezeigt, wie viel Unwissen, gleichzeitig aber Interesse an dieser Krankheit vorhanden sei. In diesem Zusammenhang bedankte sich Ulmer bei allen fleißigen Helfern der Awo für ihre Unterstützung. Viel Lob gab es auch für die Kooperation mit dem Kino Astoria. „Die Zusammenarbeit mit dem Kino werden wir bestimmt wiederholen“, blickten Kristin Köppen und Katrin Ulmer in die Zukunft.

Von Christian Bark

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