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Wenn ein Wasserfall ohne Wasser auskommen muss

Kümmernitzer Wasserfall bei Breddin Wenn ein Wasserfall ohne Wasser auskommen muss

Der Kümmernitzer Wasserfall bei Breddin gilt als der höchste seiner Art in ganz Norddeutschland. Momentan macht das beliebte Ausflugsziel aber wenig her: Da fällt kein Wasser. Trockenheit und vielleicht auch der Biber haben dem Fall den Nachschub abgeschnitten.

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Das Königsfließ ist versiegt: Ohne Wasser ist der Fall nur eine Betonrinne mit einem leeren Becken am Ende.

Quelle: Alexander Beckmann

Breddin/Kümmernitz. Wie Säulen stehen die Buchenstämme. Durchs Laubdach dringt kaum Licht. Es ist schattig, kühl und bemerkenswert hügelig. Nicht umsonst wird das Fleckchen „Breddiner Schweiz“ genannt. Es gilt als beliebtes Ausflugsziel. Wegweiser in dem von der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt durchschnittenen Siedlungsgebiet Kümmernitz / Breddin-Abbau versprechen sogar einen Wasserfall.

Wo bleibt eigentlich das Rauschen?

Der Ortsfremde tut sich beim Aufspüren dieser Sehenswürdigkeit allerdings schwer. Der Wald ist dicht. Sollte so ein Wasserfall nicht rauschen? Da rauscht nur der Wind in den Blättern.

Doch neben einer Informationstafel tut sich eine Lücke im Bewuchs auf. Das könnte eine Art Trampelpfad sein Am Ende überrascht ein tiefe Senke – nicht riesengroß, aber für die Gegend doch ein ungewohnter Anblick. Laubbäume beschatten das wild-romantisch anmutende Areal. Nur ein Betonbauwerk sticht ein bisschen aus der Idylle heraus.

Der Wegweiser erinnert momentan an bessere Zeiten – als es noch Wasser gab

Der Wegweiser erinnert momentan an bessere Zeiten – als es noch Wasser gab.

Quelle: Alexander Beckmann

Das muss er sein, der Wasserfall. Angeblich der höchste Norddeutschlands. Sechs bis sieben Meter wird die steile Rinne von oben bis unten wohl messen.

Das war’s dann aber auch. Der Beton ist trocken. Ganz unten in der Senke geben schwarzer Modder und ein paar Wasserlachen einen Hinweis darauf, dass hier eventuell wirklich mal Wasser geflossen sein könnte.

Oberhalb des Tals sieht es ganz ähnlich aus: Normalerweise ist dieser Bereich wohl von Teichen geprägt, die den Wasserfall speisen. Doch auch hier ist Wasser Mangelware. Man müsste schon pumpen, damit es den Weg bis zur Fallrinne überhaupt schafft.

Nur eine Pfütze verdunstet am Wehr des Wasserfalls vor sich hin

Nur eine Pfütze verdunstet am Wehr des Wasserfalls vor sich hin.

Quelle: Alexander Beckmann

Der Kümmernitzer Wasserfall existiert momentan nicht.

Gespeist wird er normalerweise vom südlichen Königsfließ. Es markiert über Kilometer die Landesgrenze und entwässert den gesamten Bereich zwischen Breddin, Damelack, Bendelin, Görike, Granzow bis hin nach Berlitt und Rehfeld.

Nur dass es aktuell offenbar nicht viel zu entwässern gibt. Der Sommer war trocken. Aus dem Bach ist ein Rinnsal geworden, das stellenweise – wie am Kümmernitzer Wasserfall – sogar ganz versiegt.

„Wenn wieder mehr Niederschlag fällt, dann fließt da auch wieder was“, verspricht Gernot Elftmann vom Wasser- und Bodenverband „Dosse-Jäglitz“ in Neustadt. Wann es so weit sein wird, vermag er natürlich nicht zu sagen.

Nicht genug Wasser - Biber haben Lösung

Außerdem hat Gernot Elftmann noch einen weiteren konkreten Verdacht, was das Wasserfallversagen angeht: „Die Biber ist weiter oben am Königsfließ zugange.“ Menschliche und tierische Wasserbewirtschafter kommen sich seit Jahren in zunehmendem Maße ins Gehege. Der Biber ist auf Wasser angewiesen. Und wenn nicht von allein genug angeflossen kommt, dann staut er das wenige eben mit seinen Bauten an, bis es passt. „Wenn der da oben zumacht, dann kommt unten nichts mehr an“, sagt der Mann vom Wasser- und Bodenverband. „Wir können nicht jede Woche zweimal nachgucken, ob der Biber wieder was gebaut hat.“

Zudem kann Gernot Elftmann auch menschliche Störer des Wasserflusses nicht ganz ausschließen. Immer wieder komme es vor, dass Staubauwerke mutwillig oder versehentlich verstellt werden. So etwas könne einen kleinen Bach wie das Königsfließ ganz schnell mal vom Nachschub abschneiden und sei außerdem für den Verband nur sehr schwer zu beherrschen.

Der aktuelle Spätsommer soll ja doch noch ein bisschen anhalten. Er lädt zu Ausflügen ein. Ausgerechnet den Kümmernitzer Wasserfall sollte man sich jetzt für so etwas aber nicht zum Ziel setzen. Das gibt eine Enttäuschung. Aber die Breddiner Schweiz drumherum lohnt den Besuch durchaus.

Und irgendwann wird das Wasser ja hoffentlich wieder rauschen. Schade nur: Der höchste Wasserfall Norddeutschlands eignet sich offenbar am ehesten für Besuche mit Regenschirm.

Von Alexander Beckmann

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