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Wer kann Gentzrode noch retten?

Denkmalschutz Wer kann Gentzrode noch retten?

Die Stadt Neuruppin, der Kreis Ostprignitz-Ruppin und die Eigentümer wollen das historische Gut Gentzrode bei Neuruppin vor dem völligen Verfall bewahren. Die einzigartige Gutsanlage im maurische Stil gilt als Denkmal von deutschlandweiter Bedeutung. Für seine Rettung muss ein Konzept her – eines, das sich auch für Investoren lohnt.

Gentzrode 52.9784882 12.7955099
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Seit mehr als 20 Jahren steht das alte Herrenhaus von Gentzrode leer und verfällt immer weiter.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Lässt sich die historische Gutsanlage von Gentzrode mit vertretbarem Aufwand so umbauen, dass daraus ein erfolgreiches Tourismusprojekt wird? Das ist die Frage, die über die Zukunft des imposanten Baudenkmals im Wald nördlich von Neuruppin entscheidet. So bringt es Neuruppins Baudezernent Arne Krohn nach einem Treffen mit den Eigentümern von Gentzrode am Donnerstag auf den Punkt. Dass die 500 Hektar große Anlage noch zu retten ist, schließt er nicht aus. „Aber es wird sehr schwierig“, so Krohn am Dienstag auf Nachfrage.

Er hatte sich mit den Eigentümern, Planern, Mitarbeiten der Kreisverwaltung und Politikern vor Ort getroffen, um darüber zu beraten, welche Chancen es für Gentzrode überhaupt noch gibt. Seit mehr als 20 Jahren stehen die Gebäude leer. Vom einstigen Glanz der maurisch anmutenden Fassaden ist nur noch wenig zu erahnen. Sämtliche Fenster sind zerschlagen, die Dächer haben Löcher, Mauern stürzen ein.

Vor vier Jahren hatte eine Firma aus Potsdam versucht, das historische Gut zu sichern

Vor vier Jahren hatte eine Firma aus Potsdam versucht, das historische Gut zu sichern. Davon ist heute nichts mehr zu erkennen.

Quelle: Peter Geisler

Vor knapp sechs Jahren hatten türkische Unternehmer die historische Anlage übernommen, nachdem vor ihnen verschiedene Besitzer vergeblich versucht hatten, das Areal wieder zum Leben zu erwecken. Die neuen Eigentümer hatten die letzten erhaltenen Gebäude aufwändig gesichert und eine Analyse in Auftrag gegeben, wozu sich das Areal eignen sollte. Einen konkreten Plan gibt es allerdings bis heute nicht. Und auch von der einstigen Sicherung ist nicht mehr viel übrig. Die meisten Zäune wurden niedergetreten, die hölzernen Platten vor den Fensteröffnungen zerstört, Stahltüren in den Eingängen herausgerissen.

Ferienanlagen wäre möglich oder vielleicht ein Freizeitpark

Selbst wenn sie wollten, könnten die Eigentümer Gentzrode zurzeit gar nicht entwickeln – es gibt gar kein Baurecht, nur einen groben Handlungsrahmen. „Der Flächennutzungsplan sieht dort eine touristische oder Freizeitnutzung vor“, sagt Baudezernent Arne Krohn. Vor zehn Jahren war ein Freizeitpark mit Jagdschule im Gespräch, später waren es Ferienhäuser oder ein Hotel. Das alles könnte passen.

Doch die Hürden sind enorm. Im 19. Jahrhundert ließ sich der Kaufmann Alexander Gentz das Gut anlegen, später gehörte es lange dem Militär: erst der Wehrmacht, dann der Roten Armee, später dem Geheimdienst KGB. Das Areal dürfte großflächig mit Muntion belastet sein, vielleicht auch mit anderen gefährlichen Stoffen. Strom-, Wasser-, Abwasserleitungen gibt es nicht.

Das Büro Drees & Sommer aus Stuttgart hat bei dem Treffen am Donnerstag seine Potenzial-Analyse für das Areal vorgestellt. „Ich kannte die in dieser Form auch noch nicht“, räumt Krohn ein. Er hat zugleich angeboten, die Wirtschaftsförderer der städtischen Inkom einen genaueren Blick darauf werfen zu lassen. Krohn: „Wie belastbar das Ganze ist, kann man noch nicht sagen.“

Das Gut liegt so versteckt, dass Vandalismus kaum zu verhindern ist

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Sebastian Steineke macht sich angesichts des schlechten Zustands der völlig heruntergekommenen Gebäude große Sorgen um Gentzrode. Er hat an dem Treffen mit Stadt, Kreis und Eigentümern teilgenommen „Wenn hier nicht bald gehandelt wird, sehe ich den Erhalt in Gefahr“, sagt er danach: „Ich bin mir nicht sicher, ob das Gut einen weiteren Winter so überstehen würde.“

Zumindest müssten die Gebäudereste erneut gesichert werden, um den Verfall aufzuhalten. Doch selbst Baudezernent Krohn räumt ein, dass die Gebäude kaum effektiv vor Vandalismus zu schützen sind. Dazu sind sie einfach zu abgelegen. In etwa einem Monat wollen sich Stadt und Kreis erneut mit den Investoren treffen, um zu beraten, wie es weitergehen soll.

Von Reyk Grunow

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