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Ostprignitz-Ruppin Werner Risse: „Dieser Weg war die Hölle“
Lokales Ostprignitz-Ruppin Werner Risse: „Dieser Weg war die Hölle“
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02:16 26.10.2015
Werner Risse schaut sich gern mal ein paar Lauffotos an. Quelle: Foto: Dirk Klauke
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Neuruppin

Es war sein erster Wettkampflauf überhaupt und der bleibt in Erinnerung. „Der lange Weg zur Hölle“ nennt Werner Risse den ersten Hubertuslauf in Neuruppin. Das war im März 1977. Eisregen beim Start, Wind und Schnee unterwegs, beschreibt das 91-jährige Wittstocker Laufurgestein vom LC Dosse die Premiere. In Boltenmühle war der Boden am Seeufer dermaßen aufgeweicht, dass die Läufer wie durch Moor rennen mussten. „Der erste Lauf war der schlimmste“, sagt Risse.

Werner Risse zu DDR-Zeiten (Nummer 5). Quelle: Privat

Viele weitere sollten folgen. Mit mehr als 40 000 Laufkilometern hat er die Erde in seinem Läuferleben längst umrundet. Gern wäre er auch am Sonntag zum 40. Hubertuslauf gekommen. Doch die Gesundheit lässt es nicht zu. Nach schwerer Krankheit hat sich der Senior so weit erholt, dass er täglich ein bis zwei Kilometer mit Stöcken geht. Dreimal in der Woche in Begleitung des einstigen Mediziners und Lauffreundes Jochen Höhne und zweimal allein. Risse: „Immer raus an die frische Luft. Das ist unser Vorteil als Läufer.“

Der Hubertuslauf wird im Oberstufenzentrum in Neuruppin gestartet. Das war zu DDR-Zeiten nicht möglich. Das Gelände hatte die Rote Armee besetzt. „Wir mussten um die Kaserne herum- laufen“, erinnert sich Werner Risse. Einige Anekdoten vom Hubertuslauf sind ihm in Erinnerung geblieben. Einmal hätte er einen etwa zehn Jahre jüngeren Mann aus Wittstock beinahe überholt. Der kam dann doch mit Müh und Not knapp vor ihm ins Ziel und fiel entkräftet um. Ein anderes Mal stand eine Läuferfrau etwa sechs bis sieben Kilometer vorm Ziel mit Wasserflaschen an der Strecke. Da ihr Mann aber recht langsam lief, hatte sie es längst an die anderen Sportler vergeben, als er kam. Das hätte fast zur Ehekrise geführt.

Der Senior kam erst spät zum Laufsport. Der Leichtathlet wollte im Alter von knapp über 50 Jahren einfach nur abtrainieren. Das tut er nun schon vier jahrzehntelang. So mancher spektakuläre Lauf bleibt in Erinnerung.

Risse überwand zum Ende der 80er Jahre noch als DDR-Bürger den eisernen Vorhang und lief in Westberlin mit. Als Rentner durfte er reisen. „Beim Franzosenlauf mit Start und Ziel Olympiastadion kam der Startschuss aus einer amerikanischen Kanone“, so der Wittstocker.

Gänsehaut bescherte ihm immer wieder die Berliner Citynacht im August auf dem Berliner Kurfürstendamm. Nicht nur, dass in der Abenddämmerung alles schön beleuchtet ist und viele Menschen unterwegs sind. „Zehn bis 15 Minuten vor dem Start fingen alle Glocken der Gedächtniskirche an zu läuten.“, sagt der 91-Jährige.

Wittstocker Läufer mit ihrem Senior Werner Risse (Nummer 214) beim Hubertuslauf. Quelle: Privat

Kaum ein Lauf kommt aber für Risse an das Erlebnis auf dem Rennsteig heran. Natur pur, Berge, saubere Luft und die Gemeinschaft. Dort kamen DDR-Bürger mit Gleichgesinnten aus Polen und Tschechien zusammen, um durch aus der grünen Lunge Thüringens zu atmen. Inzwischen sind viele Menschen aus den alten Bundesländern dabei. Noch im hohen Alter von 85 Jahren lief er den 21,1 Kilometer langen Halbmarathon mit – und siegte in seiner Altersklasse. Im Zielzelt in Schmiedefeld feierte er dann am Abend ausgelassen auf Tischen und Bänken mit mehreren tausend Zielläufern.

„Natur, frische Luft und immer viel Wasser trinken“, ist sein Patentrezept für ein langes Läufer-Leben. Und auf ein Gläschen Wein beim gemütlichen Beisammensein schwört er nach wie vor.

Werner Risse lief so manchem jungen Sportler davon. Quelle: Privat

Gern hätte er am Sonntag am 40. Hubertuslauf in Neuruppin wie gewohnt mitgemischt. Aber die Beine machen nach einem gesundheitlichen Rückschlag vor Monaten noch nicht wieder so richtig mit.

Für Werner Risse ist aber klar: Immer in Bewegung bleiben und jeden Tag zu Fuß unterwegs sein. Wenn die Hubertusläufer Sonntag um Urkunden und Pokale wetteifern, wird er sich seine Laufstöcke nehmen und durch Wittstock gehen.

Von Dirk Klauke

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