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Ostprignitz-Ruppin Verlorene Orte bei Kyritz
Lokales Ostprignitz-Ruppin Verlorene Orte bei Kyritz
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00:32 28.06.2015
Manfred Teske hat sich auf die Suche nach Spuren des Dorfes Westfahlen gemacht. Quelle: André Reichel
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Kyritz

Tief und schwer hängen die grauen Wolken an jenem Nachmittag über den Wiesen und Feldern rund um die Kleinstadt Kyritz. Von Sommer keine Spur. Der Regen vom Vormittag hatte sich verzogen. Manfred Teske aus Wusterhausen nutzt die Gunst der Stunde und fährt zielstrebig die sieben Kilometer bis nach Kyritz. Der Bodendenkmalpfleger parkte seinen grünen Wagen an der Westfahlenallee und läuft den breiten großzügig angelegten Gehweg in Richtung Eisenbahnbrücke hinauf. Von dort oben kann Teske das Gelände gut überblicken. Er hat diese Stelle ganz bewusst ausgewählt. Dort, zwischen Jäglitz und der Bahnstrecke nach Neustadt gelegen, erstreckte sich einst das im Mittelalter untergegangene Dorf Westfahlen.

Als Manfred Teske 1991 die alte Dorfstelle zum ersten Mal nach Oberflächenfunden absuchte, war an die Westfahlenallee, die das Kyritzer Gewerbegebiet erschließt, noch nicht zu denken. Als es später um die Namensfindung für die neue Straße ging, war schnell klar: Das alte, verschwundene Dorf soll Pate für den Namen der neuen Straße stehen.

Nur ein Straßennamen erinnert noch an das verlorene Dorf Westfahlen. Quelle: André Reichel

Der Wusterhausener Bodendenkmalpfleger war nicht der erste Geschichtsinteressierte, der nach Westfahlens genauer Position fahndete. Die Quellenlage war bescheiden. Zum ersten Mal erwähnt wurde das Dorf im Jahre 1315 als „campus westvalia“, was auf westfälische Siedler schließen lässt. Wann genau das Dorf zugrunde ging und was zu seinem Ende führte, ist bis heute nicht genau bekannt. Jedoch führten Raubritterüberfälle und allgemeine wirtschaftliche Probleme Ende des 14. Jahrhunderts im ganzen Land zum Untergang zahlloser Dörfer, die dann schnell in Vergessenheit gerieten.

Lange Zeit war von Westfahlen auch bekannt, dass sich das Dorf rund einen Kilometer südlich der Stadt Kyritz befinden soll. Manfred Teske war es, der an der nur vage angegebenen Stelle eine siedlungsgünstige längliche Erhebung an der Jäglitzniederung genauer unter die Lupe nahm und gründlich absuchte. „Auf rund 600 Metern Länge und etwas über 100 Metern breite fand ich viele mittelalterliche Keramikscherben. Dass es sich bei der Stelle um Westfahlen handelte, war ganz sicher“, sagt Manfred Teske. Bei der Suche auf dem Acker entdeckte der Bodendenkmalpfleger außerdem, dass in einem ganz bestimmten Teil der mittelalterlichen Dorfstelle auch slawische Keramikscherben aus dem 10. bis 12 Jahrhunderts zu finden sind. „Dieses slawische Dorf muss abgebrannt sein, das kann man heute noch im frischgepflügten Acker an der tiefdunklen Erdverfärbung erkennen“, erklärt Teske.

Heute ist dort nur noch platter Acker Quelle: André Reichel

Vier Jahre später stand Mitter der 90-er Jahre der Bau der Westfahlenallee an und Archäologen gruben entlang der Straßentrasse nach den zu erwartenden Spuren der Vergangenheit. Grundrisse von Hausstellen und Herdstellen, datiert ins 12. Jahrhundert kamen ans Tageslicht – und Tierskelette. Sensationell und bisher im Land Brandenburg nur ganz selten dokumentiert, war die Entdeckung eines Doppelgrabens, den die Slawen einst zur Sicherung ihrer Siedlung vor ihren neuen deutschen Nachbarn anlegten. Eben diesen Graben kann Teske nun im reifenden Getreidefeld als Bewuchsmerkmal anhand der unterschiedlichen Verfärbung deutlich ausmachen. „Seit 20 Jahren komme ich regelmäßig her. Es ist nun das erste Mal, dass das Grabensystem so gut zu erkennen ist“, sagt Teske freudig.

Nach ein paar Übersichtsfotos für die Dokumentation fährt Manfred Teske quer durch Kyritz, vorbei an der Robestraße, die an ein weiteres untergegangenes Dorf namens Robe erinnern soll. Die alten Eichen des Rehfelder Weges säumen die Strecke zu seinem nächsten Ziel: Die Dorfstelle des erstmals 1334 erwähnten und schon 1472 als unbewohnt bezeichneten Dorfes Robe. Rund ein Kilometer hinter dem Ortsschild endet die Eichenallee. Kaum 50 Meter von der Straße zwischen Kyritz und Klosterhof entfernt, säumen ein paar Bäume eine alte Lehmgrube, die den überlieferten Namen „Rows Kuhl“ trägt. „Das ist ein eindeutiger Hinweis auf das einstige Dorf Robe, das sich hinter der Grube befand“, berichtet Manfred Teske über das reife Rapsfeld in Richtung Strüweweg weisend. Vor rund 25 Jahren hatte der heute 77-jährige Bodendenkmalpfleger bei einer Begehung zahlreiche Keramikreste des 12. bis 15. Jahrhunderts sicher gestellt. Bruchstücke von unzählige Ziegelsteinen im Klosterformat fanden sich ebenfalls nicht weit entfernt von der alten Lehmgrube.“Dort muss es eine Ziegelei gegeben haben, die Kyritz mit Material für den Bau der Stadtmauer versorgt hat“, vermutet Teske. Bis zur nächsten Geländebegehung auf der alten Dorfstelle von Robe muss der Heimatforscher noch bis zum Herbst warten, dann ist der Acker wieder frei.

Von André Reichel

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