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Ostprignitz-Ruppin „Whistle Stop“ spielte im Kränzliner Saal
Lokales Ostprignitz-Ruppin „Whistle Stop“ spielte im Kränzliner Saal
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00:24 09.12.2015
Geben alles: Sascha Boleslawsky und Felix Sabionski von Whistle Stop. Quelle: Regine Buddeke
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Kränzlin

Der Herrnhuter Stern über der Bühne strahlt. Genauso wie der Gastgeber. „Ich habe ein Jahr gewartet, bis ich sie endlich hierher gekriegt habe“, sagt Mathias Köppen, der sich mit der Kyritzer Band „Whistle Stop“ einen „frühen Weihnachtswunsch“ erfüllt hat. „Es wird ganz viel schöne Musik geben“, verspricht der Betreiber des Kränzliner Saals den anfangs 50 Gästen, die im Verlauf des Abends immer mehr werden. Köppen macht nicht nur selbst gern Musik, seit er vor ein paar Jahren eine Gitarre geschenkt bekam, er stellt seinen zwanglos-urige Saal auch gerne für Konzerte anderer zur Verfügung. Oft als offene Bühne, für Leute, die einmal vor Publikum spielen. Und manchmal holt er sich Bands für ein Konzert, wie am Sonnabend.

Es sind gleich zwei Formationen, die Musiker von „Whistle Stop“ haben ihre Kyritzer Kollegen von „The Neighburhood Fitches“ mitgebracht – die beiden Bands musizieren ab und an gern im Doppelpack, etwa bei der Green Summer Night. „Wir wohnen alle in der Nachbarschaft“, erklärt „Neighbourhood“-Gitarrist Florian Dieck den Bandnamen. „Fitches“ – zu deutsch Iltis – steht für die Naturverbundenheit, erklärt er. Man spiele erst zwei Jahre zusammen, meist auf Familienfesten. Dass beim Auftritt ab und an ein Fehler passiert, ist dem Publikum egal: es jubelt, klatscht und kreischt nach jedem Lied begeistert. „Wir hätten länger Soundcheck machen sollen“, so der Gitarrist. „Ist halt immer schwierig mit fremder Technik“, entschuldigt er die gelegentlichen Übersteuerungen. Der ehrliche, handgemachte Rock-Pop macht das locker wett. Hier wird noch pur und live gespielt – etwas anderes will der Saal mit all seinem fröhlich-improvisierten Oldie-Charme nicht sein.

Dann legen „Whistle Stop“ los. Die Kyritzer sind im Ruppiner Land keine Unbekannten. Vor zwei Jahren haben sie bei einer After-Show-Party der Fontanefestspiele den Museums-Hof gerockt. Wenngleich gerockt vielleicht nicht das richtige Wort ist, die vier Musiker haben sich dem Folk-Rock verschrieben. „Wer bei Whistle Stop an Irish Folk denkt, wird enttäuscht“, sagt Bandleader Sascha Boleslawsky. „Wir haben zwar irisch angefangen, mit Coversongs der Pogues“, aber das sei schnell zu etwas anderem geworden. Auch wenn die Flöte ab und an sehr irisch klingt. „Wir wollten eigene Sachen machen,“ sagt Sascha, der die Songs schreibt. Vier CDs gibt es schon, inzwischen singt die Band auch einige Titel auf deutsch. „Wir sind in der Entwicklung, machen vor nichts halt“, sagt Sascha über sein Quartett, das vor sechs Jahren als Trio startete. Der Name „Whistle Stop“ ist dem US-amerikanischen Film „Grüne Tomaten“ entlehnt, in dem es um die wunderbare Freundschaft von Idgie und Ruth geht, die gemeinsam das Whistle-Stop-Café betreiben.

„Wir singen euch jetzt unsere Version von ’Cocaine’“, ruft Sascha in den Saal und es geht los: mit zupackenden Rhythmen, beseelt gezupften Gitarren und Saschas Mundi, die einen Hauch Blues in den Country bringt. Mal rockt der Saal mit der Django-Reinhardt-Hommage „Crazy Gipsy“, mal schweigt er zur sanft gezupften Gitarrenballade, die bald schon an Fahrt aufnimmt und Menschen zum Tanzen bringt. Banjo und Flöte erweitern die Klangvielfalt noch um einiges. Im Lied „Regen“ heißt eine Zeile: „Schön ist die Welt.“ Mathias Köppen illustriert das plastisch, springt auf den Tisch, schwenkt ein Feuerzeug. Später tänzelt er in Socken durch seinen Saal. Beide Bands haben noch lange nicht genug – die schöne Party währt bis nach Mitternacht.

Von Regine Buddeke

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