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Ostprignitz-Ruppin Wie Andrea Voß mit ihrem Blog den Brustkrebs bändigt
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wie Andrea Voß mit ihrem Blog den Brustkrebs bändigt
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02:15 19.02.2017
Andrea Voß (53) setzt ihrer Krebserkrankung positive Gedanken entgegen. Quelle: Foto: Peter Geisler
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Wustrau

Im April 2014 änderte sich das Leben von Andrea Voß binnen weniger Stunden. Mit einem neuen Job in Aussicht wollte sie die wenige freie Zeit nutzen, um sich bei einem Arzt durchchecken zu lassen. Doch was als Routinekontrolle begann, endete mit der schwerwiegenden Diagnose „Verdacht auf Brustkrebs“. Mammografie und Biopsie brachten Gewissheit: Voß hatte drei Tumore in der Brust. Noch schlimmer war die Nachricht der Ärzte wenig später, dass der Krebs bereits gestreut hatte. „Sie erzählten mir, dass ich unheilbar krank bin“, erinnert sich die Wustrauerin zurück. Der Schock kam erst später, doch er kam. „Ich bin da in ein tiefes Loch gefallen, das galt es erstmal zu verarbeiten“, sagt Voß.

Heute, knapp drei Jahre nach der Diagnose, macht Andrea Voß einen stabilen, einen guten Eindruck. Sie strahlt Zuversicht aus. „Man freut sich über Kleinigkeiten und genießt jeden Tag, an dem man ohne Schmerzen und Beeinträchtigungen ist“, berichtet die 53-Jährige. Sie hat ihr Leben radikal geändert, teilweise freiwillig, teilweise notwendigerweise. Für ihren alten Job in der Bauplanung fehlte Voß die Kraft – und auch die Konzentrationsfähigkeit. „Ich bin manchmal ziemlich durcheinander, deshalb schreibe ich alles auf, um nichts zu vergessen“, sagt sie. Nicht nur die Konfrontation mit der eigenen Sterblichkeit – „natürlich sind immer wieder Ängste da“ – machten sich bemerkbar, auch die Medikamente wirkten sich auf sie aus.

Raus aus der Isolation, rein ins Internet – und vom Blog zum Buch

Doch statt sich zu verkriechen, suchte Voß den Kontakt zu anderen Betroffenen, auch über das Internet. Sie begann einen Blog zu schreiben und berichtete sehr offen über alles, was sie von nun an bewegte. Daraus ist mittlerweile ein Buch entstanden, ein zweites ist in Planung. „Ich versuche, das seelische Gleichgewicht zu halten, deshalb bin ich auch so offen. Sport und soziale Kontakte fangen mich auf.“ Mehrfach in der Woche walkt sie bis ins benachbarte Altfriesack und zurück. In Neuruppin hat sie sich einer Sportgruppe angeschlossen, die einmal die Woche zusammenkommt. Dort trifft sie auf andere Krebspatienten. „So sind viele weitere soziale Kontakte entstanden“, sagt Voß. Im Sommer nimmt sie mit Gleichgesinnten an der Benefizregatta „Rudern gegen Krebs“ statt. Besonders beeindruckt hat sie das Engagement der Boxerin Ramona Kühne, mit der sie nach wie vor lockeren Kontakt hält.

Das Thema Krebs muss stärker in die Öffentlichkeit, sagt Andrea Voß

Zudem geht sie einem Nebenjob nach, arbeitet vier Tage die Woche am Nachmittag für eine Neuruppiner Firma. „Das gibt mir Tagesstruktur“, sagt Voß, die zudem nach eigener Aussage viel Unterstützung von ihrem Partner erfährt. Und dennoch:„Man muss sich eingestehen, dass man nicht mehr so leistungsfähig ist wie früher“, sagt sie. Alle vier Wochen muss sie in die Klinik, um sich eine Infusion geben zu lassen. Zudem wird sie auf Metastasen getestet.

Andrea Voß wünscht sich, dass das Thema „Leben mit Krebs“ stärker an die Öffentlichkeit drängt. Sie hat den Eindruck, dass Betroffene schnell ins soziale Aus gedrängt würden. „Das Leben kann auch mit einer Krankheit schön sein“, sagt sie. Bei einem Treffen im Herbst in Frankfurt am Main lernte sie andere Frauen mit dem gleichen Schicksal kennen. Es habe keine zehn Minuten gedauert, da sei ein Kontakt dagewesen. Nun hofft sie, dass sich auch in Neuruppin eine Selbsthilfegruppe findet.

Wer den Blog von Andrea Voß lesen möchte, findet ihn unter http://meinlebenmitbrustkrebs.blogspot.de.

Von Mischa Karth

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