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Ostprignitz-Ruppin Wie Kyritz im West-Fernsehen berühmt wurde
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wie Kyritz im West-Fernsehen berühmt wurde
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14:24 06.02.2016
Ernst H. Hilbich wird im März 85 Jahre alt. Er lässt mitteilen: „Ich grüße herzlich alle Kyritzer!“ Aus – irgendwie – alter Verbundenheit. Quelle: dpa
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Kyritz

Ernst Hilbich ist ein Dinosaurier. Dieser Dinosaurier des deutschen Fernsehens, der im März 85 Jahre alt wird, lacht garantiert, wenn er diese Zeilen liest. Schließlich brachte der Kölner über Jahrzehnte hinweg die ganze Nation zum Lachen vor allem mit einem Lied, das er alljährlich im (West)-Fernsehen zur Karnevalszeit zum Besten gab. Ein Lied, mit dem er der darin besungenen Stadt bundesweit zu Ruhm verhalf: Kyritz.

Die Älteren kennen ihn noch gut, diesen Schauspieler aus „Die Lümmel von der ersten Bank“, den Sketchpartner von Rudi Carrell in „Am laufenden Band“, den Weggefährten von Hans-Joachim Kulenkampff, Heinz Erhardt und ganz besonders von Heinz Schenk. Er war es, der besagtes Lied schrieb: „Heut’ ist Karneval in Knieritz an der Knatter“. Gemeint war Kyritz, auch wenn sich die Akteure dessen anfangs selbst nicht bewusst waren. Jedes Jahr sang Hilbich seinen Schlager in der Karnevalsausgabe von Schenks Unterhaltungsshow „Zum Blauen Bock“. Der Auftritt geriet zum „Dinner for One“ des deutschen Faschings. Dieser Tage sind die alten Aufnahmen hin und wieder zu sehen, kürzlich erst im Hessischen Rundfunk. Es ist aber alles längst auch im Internet abrufbar. Die Clips aus den 1970er und 1980er Jahren sind bei „You Tube“ jeweils schon zehntausendfach geklickt. Doch was es wirklich damit auf sich hatte, wurde nie geklärt. Bis heute.

Inzwischen sucht Hilbich Ruhe vom Karnevalstrubel

Ernst Hilbich ist gerade in der Schweiz erreichbar. Manchmal ziehe er sich dorthin zurück, sagt der 84-Jährige. Seine Stimme quietscht wie eh und je. Sie kieckst vertraut wie die Figuren der Augsburger Puppenkiste, die er einst sprach. Sagt er doch auf Nachfrage, ob er tatsächlich der legendäre Hilbich sei, einfach: „Ja, ich bin der Ernst. Ich kann eben nur Lachen, wenn was Trauriges passiert.“ Und er lacht. Das Traurige in diesem Fall: Um seine Knie steht es nicht zum Besten. Da könne die Ruhe in der Schweiz nicht schaden fernab vom Kölner Trubel.

Umso überraschter ist Hilbich, plötzlich jemanden aus Kyritz am Telefon zu haben – aus dem Ort, der ihm einst wegen des Karnevals-Hits Zuschauerpost ohne Ende bescherte. „Ich kenne nur deshalb die ganze Geschichte von der Knatter.“ Zuvor, gibt Hilbich zu, hatte er keinen Schimmer, dass es Kyritz wirklich gibt. „Es war so lustig, dass ich dachte: Was haben wir denn da bloß losgetreten? Der Heinz Schenk und ich.“

Zuschauer überschütteten Heinz Schenk und Ernst Hilbich mit Post

Schenk habe ihn nach einem Dreh einmal beiseite genommen und mit Blick auf die Karnevalsausgabe vom „Blauen Bock“ (1957 bis 1987) gesagt: „Du, wir müssen mal was anderes machen, nicht immer nur über die Hochburgen Mainz, Köln und so. Sing über einen Ort, der ganz weit weg ist, wie Knieritz an der Knatter.“ Janz weit draußen also sollte es sein, ein Ort im Nirgendwo, den es gar nicht gibt. Als Synonym für solche unbekannte Gegend hätten viele „Knieritz an der Knatter“ im Kopf gehabt. Erst, nachdem die Zuschauer beide eines Besseren belehrten, wurde für Hilbich aus Knieritz später Kyritz – aber weiterhin an der Knatter. „Weil dort eine Mühle an einem Seitenarm der Jäglitz immer so knatterte. Die Knatter an sich gab es ja nie“, weiß Hilbich seither. Immer sang er in neuem Kostüm, mal als Betrunkener, mal als Narr. Am Ende schoben sie ihn in einem Krankenbett aus dem Saal. Das Comeback folgte mit Heinz Schenks neuer Sendung „Fröhlich eingeschenkt“ (1993 bis 1996). Kaum nahte Karneval, sagte er Hilbich: „Die Leute wollen dich sehen!“ In den Kinos lief gerade „Jurassic Park“. Schenk frotzelte deshalb: „Die Dinosaurier kommen wieder. Also kommst auch du zurück!“ Gute zwei Jahrzehnte ist es nun her, dass Hilbich „Heut ist Karneval in Knieritz an der Knatter“ zum letzten Mal im Fernsehen sang.

Ernst Hilbich (r.) 1992 in „Kommissar Klefisch - Ein unbekannter Zeuge“ mit Willy Millowitsch (Mitte). Quelle: WDR

„Lustig, oder? Dass keiner von uns beiden wusste, dass es dieses Kyritz wirklich gibt. Das war halt einfach nur so ein Spruch.“ Wie es dazu kam, darüber lässt sich selbst in der Stadt nur spekulieren, in der es zwar den Mühlgraben, aber keine „Knatter“ gab. Der Name kam von außen. Gelegen an einer der ältesten motorisierten Straßen Deutschlands, der Verbindung von Hamburg und Berlin, die eine alte Postroute war, wurde er schon lange überliefert. Bis 1989 lag die Stadt an einer wichtigen Transitstrecke. War Kyritz erreicht, war man „jwd“: in der tiefsten DDR.

„Ich war noch nie dort“, sagt Ernst Hilbich. Ob er sich nicht endlich mal ein Bild von der Stadt machen möchte, in der es gar keinen Karnevalsverein gibt? „Das ist eine Überlegung wert“, antwortet Hilbich voller Freude. Sobald es Zeit und Gesundheit zulassen, will er kommen.

Von Matthias Anke

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