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Ostprignitz-Ruppin Wie Theodor Fontane das Weihnachtsfest sah
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wie Theodor Fontane das Weihnachtsfest sah
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00:17 04.12.2016
„Weiß sind Türmer, Dächer, Zweige und das Jahr geht auf die Neige.“ – dichtete Theodor Fontane einst. Quelle: Peter Geisler/Archiv
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Neuruppin

Als Theodor Fontane 1876 zum 1. Sekretär der Akademie der Künste in Berlin berufen wird, ist seine Gattin Emilie überglücklich. Endlich kann die Familie mit einem festen Einkommen rechnen. Doch die Freude währt nicht lange, denn Fontane macht kurzen Prozess und gibt seine Anstellung direkt wieder auf. Die zweite Jahreshälfte steht für die Fontanes unter dem Eindruck dieser Ereignisse. Im November verfasst der Schriftsteller das Gedicht „Trost“. In dessen letztem Vers kommt er zu der Erkenntnis: „Wechsel ist das Los das Lebens, Und – es kommt ein andrer Tag.“

Für den Fontane-Experten Alexander Bandilla ist es diese Einstellung zum steten Wechsel, die sich wie ein Bogen über das Schaffen Fontanes spannt. Als einen wichtigen Aspekt zur Versinnbildlichung dieses Wandels sieht Bandilla die Jahreszeiten in Fontanes Werk. „Einer der längsten und auffälligsten Wechsel, die wir kennen, ist schließlich der Herbst“, sagt Alexander Bandilla.

Humorvolle Zeilen

Bei Fontane fließen die Jahreszeiten mehr oder weniger nahtlos ineinander über. So ist das Gedicht „Wintermorgen“ als „Herbstmorgen“ bekannt geworden. In der Herbstreise – einem Zyklus in „tiefster Romantik“ von 1844 – wiederum fällt schon mal Schnee: „Mit einem Mal ist Land und Erde weiß.“ In den „Versen zum Advent“ schreibt der Autor schließlich: „Weiß sind Türmer, Dächer, Zweige und das Jahr geht auf die Neige.“

Nicht nur aus diesen oftmals innigen Zeilen hat Bandilla am Mittwochnachmittag im Neuruppiner Café Tempelgarten zitiert. Er erwähnt auch die Korrespondenzen anlässlich der Feiertage. „Die Weihnachtszeit ist für die Familie Fontane eine Zeit des Gedenkens“, sagt Bandilla. Die Zeilen Fontanes lassen zugleich Witz und Esprit durchschimmern. So schickt er einer Bekannten in Rostock einen Schal als Präsent – versehen mit den Zeilen: „Nicht gerade schwitzen, aber doch in der Wolle sitzen.“ Und die Gattin Emilie bekommt als Festtagsgruß mit auf den Weg: „Ruhig sein, nicht Ärgern, nicht Kränken, ist das allerbeste Schenken, aber mit diesem Pfefferkuchen will ich es noch mal versuchen.“

Schauplatz „eines echten Skandals“

In der Literatur Fontanes habe das Weihnachtsfest seinen Stellenwert, betont Alexander Bandilla. Dabei schwanken die Schilderungen der Feiertage je nach Roman. Während die „ziemlich toughe Frau“ Mathilde Möring, so Bandilla, im gleichnamigen Roman auf eine Verlobung an Heiligabend pocht, wird in „L’Adultera“ das Fest von Christi Geburt zum symbolträchtigen Schauplatz eines großen Skandals. Die schöne Melanie van der Straaten offenbart ihrem Mann, dass sie ein Kind von dessen Geschäftsfreund erwartet. In „Effi Briest“ spielt das Weihnachtsfest hingegen eine weitaus harmlosere Rolle. Geradewegs humorvoll liest sich das Gedicht „Hubert in Hof“, in dem jener Hubert beim Versuch, mit dem Zug von München nach Berlin zu fahren, in Hof eingeschneit wird. „Und der Wartesaal! Himmel, welche Gerüche, Dunst und Wrasen aus Keller und Küche, Von Stiefelsohlen die Schneekrustenschmelze, Zigarren aus Östreich, Judenpelze, Körbe mit Eiern, mit Hering, mit Käse, Kanonenöfen mit Glutgebläse, Zwiebelbeefsteak, bayrische Würste, Gepfeffert, gesalzen von wegen der Dürste. Ja Dürste! Riesig wächst der Wunsch Nach Glühwein, Knickebein, Grog und Punsch, Salate von Fisch, Mayonnaise von Hummer. Manch vermostrichte Zeitungsnummer, Vier Wochen alte Kladderadatsche, Witze, politisches Getratsche, Harfenistinnen, Geige, Klaviergeklimper, Courmacher, derb und mit Gezimper, Und allviertelstündlich ein neuer Rapport: »Es schneit und schneit noch immer fort.« So sitzen sie fest und spielen Skat, Und nach Haus hin sehnt sich, früh und spat, Hubert in Hof.“

Von Mischa Karth

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