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Wie ein Tag das ganze Leben veränderte

Vater durch Raubmord genommen Wie ein Tag das ganze Leben veränderte

Zur falschen Zeit am falschen Ort. Oft ändert sich innerhalb von Sekunden ein ganzes Leben. Die heute 86-jährige Gundula Detke aus Blandikow verlor im Oktober 1940 ihren Vater bei einem Raubmord auf seinen Kolonialwarenladen. Damals war sie zehn Jahre alt. Bis heute kann sie diese Geschehnisse nicht vergessen.

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Gundula Detke aus Blandikow lebt seit ihrer Kindheit mit bedrückenden Erinnerungen.

Quelle: Christamaria Ruch

Blandikow. Der 28. Oktober 1940 veränderte das Leben von Gundula Detke aus Blandikow. An diesem Tag verlor die damals Zehnjährige ihren Vater Ernst Schultze. Er war Inhaber des Kolonialwarenladens und Rendant der Spar- und Darlehenskasse in Blandikow.

Ernst Schultze wurde bei einem Raubüberfall auf sein Geschäft ermordet. Knapp zehn Monate später, im August 1941, wurden beide Täter gefasst und kurz danach verurteilt und hingerichtet.

In ihrem Elternhaus den Tatort täglich vor Augen

Gundula Detke ist mittlerweile 86 Jahre alt, doch die Geschehnisse von damals lassen sie nicht los. „Eigentlich hat meine Mutter das nie richtig verarbeitet“, räumt Gundula Detkes Tochter Ina Schwarz im Gespräch ein. „Ja, es war eine sehr bedrückende Zeit, aber das Leben musste ja weitergehen“, so Gundula Detke. Bis heute lebt sie in ihrem Elternhaus und hat damit tagtäglich den Tatort vor Augen.

Das Haus Detke in Blandikow

Das Haus Detke in Blandikow: Auf der linken Seite vom Wohnhaus befand sich einst der Kolonialwarenladen.

Quelle: Christamaria Ruch

Der Laden mit der Darlehenskasse befand sich im Wohnhaus der Familie. Auch wenn das Gebäude im Laufe der Jahrzehnte mehrmals umgebaut wurde, haben sich doch die Erinnerungen festgesetzt.

„Pass auf, die kommen wieder“

Genau zwei Wochen vor der Tat, am 14. Oktober 1940, kam es zu einem Einbruch in dem Laden. Der Nachtwächter aus Blandikow bemerkte nichts von diesem Vorgang. Später fand Ernst Schultze eine Berliner Zeitung im Hühnerstall. „Daraus musste man doch schließen, dass der oder die Täter von auswärts kamen“, so Gundula Detke. Und: „Mein Vater hatte eine Eingebung und sagte zu meiner Mutter: ,Pass auf, die kommen wieder.’“ Er war in diesen Tagen „unruhig und fühlte sich unwohl“, erinnert sich Gundula Detke.

„Jeder dieser fünf Schüsse war tödlich“

Am Montag, 28. Oktober 1940, verschafften sich zwei vermummte Männer gewaltsam Zugang zum Haus. „Es war nach 20.30 Uhr, als der Einbruch erfolgte“, erinnert sich die 86-Jährige. Sie schlief an diesem Abend bei ihrer Großmutter im Nachbarhaus und wurde somit nicht zum Zeugen. Unvermittelt erhob einer der beiden Täter die Waffe und gab mehrere Schüsse ab. „Jeder dieser fünf Schüsse war für meinen Vater tödlich“, sagt Gundula Detke.

Ein Bild aus guten Zeiten

Ein Bild aus guten Zeiten: Hochzeit von Dorothea und Ernst Schultze im Jahre 1928.

Quelle: Christamaria Ruch

Ihre Mutter Dorothea erlebte den Überfall hautnah mit. Sie kam mit Streifschüssen davon; litt aber Zeit ihres Lebens unter den Folgen. „Obwohl mein Vater schon fast tot war, beförderte er die Einbrecher noch nach draußen“, sagt Gundula Detke. Gleichzeitig rief er um Hilfe, und dann folgten seine letzten Worte: „Geh mal hin, hol Gundula.“ Das alles weiß Gundula Detke aus den Gesprächen, die damals das Leben der Familie bestimmten.

Gewaltverbrecher und Ausbrecher

Das Polizeipräsidium am Alexanderplatz in Berlin galt zu dieser Zeit als Zentrale der deutschen Kriminalpolizei. Der dortige Kommissar August Quoß wurde mit der Aufklärung der Tat in Blandikow beauftragt. Zunächst gelang es der Berliner Polizei, den 34 Jahre alten Emil Tilicki als einen der Gewaltverbrecher von Blandikow auszumachen. Er war zu diesem Zeitpunkt flüchtig. Ende August 1941 konnte zuerst der 40 Jahre alte Heinrich Fregin gefasst werden, später dann auch Tilicki. Wie sich herausstellte, gab Heinrich Fregin alle Schüsse auf Ernst Schultze ab. Fregin und Tilicki waren als Gewaltverbrecher bekannt – im Juni 1939 waren sie aus dem Zuchthaus ausgebrochen und mehr als zwei Jahre lang auf der Flucht.

Ein Plakat verkündete am 12

Ein Plakat verkündete am 12. November 1941 die Vollstreckung des Todesurteils an den Raubmördern.

Quelle: Christamaria Ruch

Am 9. September 1941 folgte ihr Gerichtsprozess am Sondergericht in Berlin. Beide Täter wurden zum Tod durch den Strang verurteilt. Das Urteil wurde am 12. November 1941 in Berlin vollstreckt und mit einem Plakat öffentlich bekannt gegeben. „Das alles kann ich nicht vergessen, und wenn ich darüber erzähle, muss ich weinen“, sagt Gundula Detke. Bis heute achtet sie darauf, dass alle Haustüren immer verschlossen sind.

Von Christamaria Ruch

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