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Wie eine Frau gegen das Elend der Tiere kämpft

In Kolrep gibt es ein neues Leben für „Wegwerftiere“ Wie eine Frau gegen das Elend der Tiere kämpft

Als sie einst an Weihnachten einen Käfig mit lebenden Meerschweinchen in einer Berliner Mülltonne fand – noch mit Schleifchen drum – reichte es Margit Preiss. Sie zog aufs Land und richtete einen Gnadenhof ein für Tiere, die sonst niemand mehr wollte. Hund, Katze und Co. danken es ihr seitdem mit neuer Lebensfreude.

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Seit 2003 betreibt Margit Preiss (l.) ihren Gnadenhof, unterstützt von vielen Helfern.

Quelle: André Reichel

Kolrep. Im Prignitz-Dorf Kolrep hat die Tierschützerin Margit Preiss ihre Erfüllung gefunden. Sie hat dort vor vielen Jahren den Gnadenhof „Tapsi“ gegründet. Tiere, die keiner mehr wollte (viele hatten bereits den Tod vor Augen, weil sie eingeschläfert werden sollten), finden bei der 62-Jährigen ein neues zu Hause und bekommen dort ihr Gnadenbrot.

Arbeit gibt es auf dem Hof mehr als genug. Dennoch ist Margit Preiss mit ihrem Leben zufrieden. „Hier ist für mich kein Tag verschenkt, egal, wie viel ich zu tun habe“, sagte die Tierfreundin. Derzeit leben neun Hunde, 30 Katzen, vier Pferde und zwei Esel auf dem Gnadenhof in Kolrep. Alle diese Tiere eint ein ähnliches Schicksal. „Es sind Wegwerftiere, die keiner mehr wollte“, sagt die Tierfreundin trocken.

Wenn das Herrchen plötzlich nicht mehr da ist

„Wuffi“, der Hund mit den schwarzen Ohren und dem treuen Blick, ist so ein Beispiel. Als Herrchen verstarb, hatten die Angehörigen keinerlei Verwendung für das Tier. „Er sollte weg – egal wie, und hatte Glück, dass ich davon erfuhr“, sagte Margit Preiss. Die zwölf Jahre alte Promenadenmischung „Wuffi“ lebt seit vier Jahren bei Margit Preiss und ihrer bunten Tier-WG. Zu der gehört auch „Odin“. Der achtjährige Dackel-Mops-Mischling wurde fünfmal von verschiedenen Besitzern in Tierheimen abgegeben, bevor er schließlich in Kolrep landete. „Er ist ein wenig eigensinnig, und damit kamen die Leute nicht klar“, vermutet Margit Preiss.

Aufgegebene Tiere finden in Kolrep wieder neue Lebensfreude

Aufgegebene Tiere finden in Kolrep wieder neue Lebensfreude.

Quelle: Reichel

Viele Tiere, die bei der Kolreperin leben, teilen ein ähnliches Schicksal, wie „Wuffi“. „Es ist immer das- selbe. Der Besitzer stirbt, und die Angehörigen wollen das Tier nicht“, beklagt Margit Preiss. Dass es im kleinen Prignitz-Dorf Kolrep jemanden mit einem großen Herz für Tiere gibt, hat sich im Laufe der Jahre herumgesprochen. Daher stammen die Tiere, die bei Margit Preiss ihren Lebensabend verbringen dürfen, aus dem gesamten Nordwesten Brandenburgs.

Der Preis für die Tierliebe

Oft sind es Tierärzte oder Mitarbeiter von den Ordnungsämtern, die Margit Preiss die Tiere vermitteln. Im Laufe der Jahre hat die Tierfreundin so viele schreckliche Dinge gesehen, dass sie ein differenziertes Verhältnis zu vielen Menschen entwickelt hat. „Das hat mich verändert. Vielleicht ist das der Preis, den ich für meine Tierliebe bezahlen muss“, sagt Margit Preiss, die jedes Mal mitleidet, wenn sie ein Tier nicht retten kann. „Für manche Hunde und Katzen ist es leider schon zu spät, bevor sie endlich bei mir ankommen.“ Die anderen aber, die es schaffen, blühen regelrecht auf, bekommen noch mal richtig Lebensfreude. „So manches Tier, das früher vernachlässigt oder schlecht behandelt wurde, findet bei mir wieder Zutrauen zu Menschen. Das grenzt fast an ein Wunder“, sagt Margit Preiss.

Dass es den Gnadenhof ausgerechnet in Kolrep gibt, grenzt allerdings auch an ein kleines Wunder, denn Margit Preiss stammt eigentlich aus der Gegend von Magdeburg. Dort wuchs sie auf einem kleinen Bauernhof auf. Ihr Großvater war ihr prägendes Vorbild, denn er legte großen Wert darauf, dass es allen Tieren auf dem Hof gut ging. Mehr als 30 Jahre lang lebte Margit Preiss nach Schule und Ausbildung dann in Berlin, wo sie als Justizangestellte im Gericht arbeitete. In der Hauptstadt gründete sie gemeinsam mit Arbeitskollegen einen Tierschutzverein. „Wir kümmerten uns hauptsächlich um streunende Katzen“, sagt Margit Preiss.

Ein Erlebnis in Berlin, das alles verändert hat

Die Geburtsstunde ihres heutigen Gnadenhofes bildete ein Fund, den Margit Preiss in Berlin zu Heiligabend in der Mülltonne machte. Da lag ein Käfig mit lebendigen Meerschweinchen drin. „Sogar das Geschenkband war noch drum“, erinnerst sich Margit Preiss. Für sie war es eine Art Signal, die Großstadt zu verlassen, und einer inneren Stimme zu folgen. Sie fand im Jahre 1997 schnell und fast traumwandlerisch eine neue Heimat in der Prignitz. Erst hatte sie ihren Gnadenhof in Vehlow, doch dort wurde es bald zu eng für immer mehr Tiere. In Kolrep fand Margit Preiss schließlich einen verlassenen Hof, den sie günstig erwerben konnte. „Dort waren die Bedingungen ideal“, sagt Margit Preiss lächelnd.

Seit sie nach Kolrep umgezogen ist, hat die 62 Jahre alte Tierschützerin auch einige unentwegte Helfer an ihrer Seite. Es sind Giesela und Johannes Eulich aus Kyritz und Marion Schwarz aus Lellichow. Jeden Mittwoch rücken sie zu freiwilligen Einsätzen an, mähen dann den Rasen, gehen mit den Hunden spazieren und helfen anderweitig auf dem Hof. Andere, wie etwa Sabine Anker aus Kolrep, unterstützen Margit Preiss, in dem sie Einkäufe in der Stadt für sie erledigen. Es gibt noch eine ganze Reihe weiterer Helfer, ohne die es Margit Preiss wohl nie geschafft hätte, so lange durchzuhalten.

Von André Reichel

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