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Wie eine Verwaltung mit der Personalnot kämpft

Ostprignitz-Ruppin Wie eine Verwaltung mit der Personalnot kämpft

Wenn zwei von zwei Stellen unbesetzt sind, dann gibt es in einem Unternehmen ein Problem. Nicht anders ergeht es dem Landkreis Ostprignitz-Ruppin, der aufgrund von vielen Dauererkrankungen unter akuter Personalnot leidet. Die Auswirkungen sind längst zu spüren. Ein Ende des Problems ist nicht in Sicht.

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Arne Kröger

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Als ein Bewerber fürs Tiefbauamt ihm seine Gehaltsvorstellung mitteilte und dann auch noch nach einem Auto fragte, da blieb Arne Kröger die Luft weg. „Dann habe ich ihn gefragt, ob er weiß, wo er sich bewirbt“, erzählt der Leiter des Amts für Finanzen und Personal des Landkreises Ostprignitz-Ruppin. Die Hoffnung, endlich einen neuen Mitarbeiter für die vakante Stelle zu finden, war damit allerdings passé – und das war für den Personalchef beim Landkreis mehr als ärgerlich.

Arne Kröger vom Landkreis Neuruppin

Arne Kröger vom Landkreis Neuruppin

Quelle: Andreas Vogel

Viele Mitarbeiter dauerkrank

Denn die Lage bei der Kreisverwaltung ist schwierig. Das liegt daran, dass viele Mitarbeiter dauerhaft erkrankt sind, wie Arne Kröger im jüngsten Landwirtschaftsausschuss ausführte. Mit Umorganisation der Arbeit könne man zwar kleine Engpässe heilen. Das Problem sei dabei, dass der Landkreis meistens nicht weiß, für wie lange die Mitarbeiter ausfallen. Laut Kröger „drückt sich jeder Arzt“ um eine solche Prognose. Solange aber steht der Kreis in der finanziellen Pflicht dem Kranken gegenüber – und hat kein Geld, um neue Mitarbeiter einzustellen. „Fakt ist: Am Ende bleibt die Arbeit liegen“, sagt Kröger.

Verträge nur befristet

Wenn die Lage nicht mehr tragbar und mit allem Umorganisieren nicht aus der Welt zu schaffen ist, gibt der Kreiskämmerer manchmal doch Mittel frei für Ersatzpersonal. Das sei zum Beispiel in seinem Amt passiert, als zwei von zwei Stellen eines Bereichs im Innendienst wegen Dauererkrankung nicht besetzt waren. Doch selbst mit Geld lasse sich nicht die nächste Hürde erklimmen: Es gibt in der Region zu wenige Menschen, die schnell einspringen könnten. Zum einen sei es schwierig, qualifizierte Mitarbeiter für eine befristete Einstellung zu begeistern. „Keiner steht hier an der Ecke und sagt: Das wollte ich schon immer mal machen und zwar nur auf Zeit.“

Bewerber nicht ausreichend qualifiziert

Zum anderen mangele es bei den meisten Bewerbern an der notwendigen Qualifikation. Dabei seien Experten besonders rar. „Bei mir reicht vielleicht ein einfaches Verwaltungswissen, aber im Ingenieurbereich oder bei der technischen Bauaufsicht sieht es schon ganz anders aus“, so Arne Kröger. Auch im Lebensmittelbereich sei es schwer, neues Personal zu finden. Diese Stelle habe die Verwaltung zweimal bundesweit ausgeschrieben. Das Ergebnis nach zwei Jahren: Es gab zwei Bewerber, von denen einer abgesprungen ist. Und das ist laut Simone Heiland, Leiterin des Landwirtschaftsamtes, sowie Bauamtsleiterin Jana Kolterjahn kein Einzelfall. „Ich brauche keine Anträge für neue Mitarbeiter zu stellen: Es bewirbt sich sowieso keiner“, sagt Simone Heiland.

Azubis mit Kusshand übernommen

Es gibt eine Gruppe, die von den Problemen klar profitiert, die durch mehr Arbeit vor allem in den Bereichen Asylangelegenheiten, Verbraucherschutz oder Grundsicherung noch verstärkt wird: Die Azubis, die derzeit vom Landkreis mit Kusshand übernommen werden, wie der Personalamtsleiter berichtet. Selbst ein Praktikant, der sich als fähig erwiesen hatte, wird jetzt weiterqualifiziert.

Wie viele Kreismitarbeiter aufgrund von Erkrankungen derzeit fehlen – auf diese Frage der MAZ hat der Landkreis noch nicht geantwortet. Laut Stellenplan für das Jahr 2017 waren aber von den planmäßigen 735 Stellen zum Stichtag 30. Juni nur 708 tatsächlich besetzt. Unklar ist auch, welche Amtsbereiche von dem Problem besonders betroffen sind.

Auswirkungen der Personalnot längst zu spüren

Für Sven Deter sind die Auswirkungen der Personalnot längst zu spüren. „Im landwirtschaftlichen Bereich geht es noch, da hat der Kreis bisher trotz der widrigen Umstände gut geliefert“, sagt der Vorsitzende des Kreisbauernverbands Ostprignitz-Ruppin und Vize-Präsident des Landesbauernverbands Brandenburg. Im Bereich Bauen aber seien die Zustände aber katastrophal. „Bauern, die investieren wollen, müssen jahrelang auf eine Genehmigung warten – das geht einfach nicht. Ich warne davor, dass die angespannte Situation zum Dauerzustand wird“, so Sven Deter.

Zwar sei der Landkreis nicht ursächlich für die Misere verantwortlich. Er vermisse allerdings, dass die Spitze der Kreisverwaltung angemessen darauf reagiert und ihre Mitarbeiter an den Stellen einsetzt, an denen der Schuh am meisten drückt. „Es ist Sache der Behördenleiter, dass es in ganz wichtigen Bereichen nicht zu Verzögerungen kommt“, so Deter.

Von Celina Aniol

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