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Wie kinderfreundlich ist die Stadt?

Neuruppin Wie kinderfreundlich ist die Stadt?

Die Neuruppiner wollen eine Stadt, die kinderfreundlich ist. Um das auch schwarz-weiß belegt zu haben, fordert die Partei Bündnis 90/Die Grünen jetzt, dass die Stadtverwaltung regelmäßig einen Bericht zur Lage von Kinder und Jugendlichen vorlegen möge. Vorausgegangen war eine Debatte über eine mögliche Zertifizierung der Kinderfreundlichkeit.

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Was dürfen Kinder in der Fontanestadt, wo dürfen sie mitreden und mitentscheiden?

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Die Fontanestadt ist kinderfreundlich – für die meisten Stadtverordneten steht das außer Frage. Und trotzdem gibt es anscheinend Zweifel. Wie kinderfreundlich ist Neuruppin wirklich? Das soll die Stadtverwaltung jetzt untersuchen.

Die Abgeordneten von Bündnis 90/Die Grünen fordern einen Kinder- und Jugendbericht für Neuruppin. Der soll im Rathaus erarbeitet und regelmäßig ergänzt werden. Immer nach der Wahl soll die Stadtverwaltung den Bericht zur Lage von Kindern und Jugendlichen in Neuruppin den neu gewählten Abgeordnete vorlegen.

Helmut Kolar hat die Idee aufgebracht. Er greift damit einen Vorschlag der SPD auf, der allerdings von den meisten Stadtverordneten gerade in Bausch und Bogen abgelehnt worden war.

Bürgermeister warnt vor unabsehbaren Kosten

Die Sozialdemokraten wollten erreichen, dass sich Neuruppin um den offiziellen Titel „Kinderfreundliche Kommune“ bewirbt. Der Titel samt Zertifikat wird von einem gleichnamigen Verein vergeben. Städte, die das Zertifikat wollen, müssen sich einem vierjährigen Prozedere unterziehen. Dabei geht es in erster Linie darum, die Rechte von Kindern zu stärken – so wie es die UN-Kinderrechtskonvention vorschreibt.

In Brandenburg hat bisher nur Senftenberg diesen Titel, Potsdam hat ihn beantragt. Neuruppin würde er auch sehr gut stehen, fand SPD-Fraktionschef Nico Ruhle.

Doch Bürgermeister Jens-Peter Golde hat vor den unabsehbaren Kosten gewarnt. Die Zertifizierung mit Beratung durch den Verein würde rund 20 000 Euro kosten. Und wenn dabei Mängel festgestellt werden, müsste Neuruppin natürlich auch noch Geld in die Hand nehmen, um die Probleme zu beseitigen.

Ideen umsetzen, ohne Geld zu verschwenden

Helmut Kolar hatte davon abgeraten, ein solches Zertifikat zu beantragen. Aus seiner Sicht wäre das Geldverschwendung. Die 20 000 Euro für die Berater könnte Neuruppin besser anlegen, wenn die Stadt sie zum Beispiel in Spielgeräte steckt.

Von verschiedenen Bürgern war Kolar daraufhin ob seiner Ablehnung als Kinderfeind angegriffen worden. Das will sich der früherer Schulrat auf keinen Fall nachsagen lassen. Deshalb macht er jetzt einen Vorschlag, wie Neuruppin die Idee des SPD-Antrags umsetzen könnte, ohne so viel Geld zu bezahlen. Helmut Kolar hofft, dass auch andere Fraktionen seinen Vorschlag mittragen können.

Die SPD-Abgeordnete Christiane Doll kennt den konkreten Antragstext zwar noch nicht. Grundsätzlich kann sie sich aber schon vorstellen, dass ihre Fraktion ihn unterstützt: „Warum sollten wir das ablehnen, wenn es in diese Richtung geht?“

Nach den Sommerferien wird beraten

Allerdings hatte sich die Sozialdemokraten eigentlich etwas mehr erhofft. In dem Zertifizierungsverfahren wäre ein konkreter Katalog mit Aufgaben entstanden, den die Stadt schließlich abarbeiten müsste, wenn sie sich tatsächlich „kinderfreundlich“ nennen will.

Die Grünen schlagen jetzt lediglich vor, dass im Rathaus ein Bericht zusammengestellt wird, den die Abgeordneten zur Kenntnis nehmen. Ob der irgendwelche Folgen hat, bleibt völlig offen. „Aber wir brauchen nicht nur irgendein Papier“, findet SPD-Frau Christiane Doll. „Wir wollten eigentlich erreichen, dass in Neuruppin auch wirklich mehr für Kinder und Jugendliche getan wird.“

Nach den Sommerferien sollen die Abgeordneten beraten, was sie wirklich wollen.

Von Reyk Grunow

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