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Wiedersehen nach 65 Jahren

Zootzen Wiedersehen nach 65 Jahren

Ein Schultreffen in Zootzen brachte nicht nur rund 70 ehemalige Schüler wieder zusammen, auch der ehemalige Lehrer Gerhard Zimpel (89) reiste an und ließ die Gäste an seinen Erinnerungen teilhaben.

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Einst Schüler, heute Senioren: In der Gaststätte in Zootzen trafen sich rund 70 Gäste, die alle einmal die kleine Dorfschule besuchten, die es dort bis 1967 gab.

Quelle: Björn Wagener

Zootzen. Es ist ein bisschen wie früher: Gerhard Zimpel steht vorn – und alle hören ihm zu. Nur blickt er nicht mehr in die Augen von Kindern, sondern von gestandenen Männern und Frauen, die in den vergangenen Jahrzehnten alle ihre Lebenswege gingen, Handwerker, Angestellte, Akademiker wurden und inzwischen Senioren sind. Das erste Schultreffen in der Gaststätte in Zootzen führte am Samstag rund 70 ehemalige Kinder wieder zusammen, die einst die Dorfschule im Ort besuchten. Es gab sie dort bis 1967.

Heute werden in den früheren Schulräumen Ortsbeiratssitzungen abgehalten. Gerhard Zimpel war einst Dorfschullehrer. Bei ihm lernten die Mädchen und Jungen das Einmaleins und Disziplin – damals in den 1950ern. Am 26. August 1952 kam er mit seiner Frau Hildegard, ebenfalls Lehrerin, in Zootzen an.

Ein Nachtwächter, zwei Telefonanschlüsse

Der 89-Jährige entführte die Gäste am Samstag in eine Zeit – als es in Zootzen noch einen Nachtwächter gab, ganze zwei Telefonanschlüsse existierten, erst ab 1960 die ersten Fernsehgeräte Einzug hielten und die Einwohner eher plattdeutsch sprachen als berlinerten. Lehrer Zimpel unterrichtete 58 Schüler in zwei Räumen. Die Sitzbänke stammten anfangs noch aus dem vorangegangenen Jahrhundert. Der Senior erzählte, dass die Kinder Kartoffelkäfer von den Pflanzen sammelten und dafür einen Pfennig pro Stück bekamen; die Schüler Steine für eine Kaimauer in Rostock zusammentrugen oder es vorkam, dass eine Mutter darum bat, dem Sohn vom „Unterricht frei zu geben“, weil gedroschen werden müsse und es nur eine Stromzuteilung für drei Stunden gegeben habe. Der Junge müsse helfen, denn ohne ihn sei die viele Arbeit nicht zu schaffen. Zimpel berichtete von Lebensmittelkarten, die es von 1939 bis 1957 in Zootzen gegeben habe und von einer merkwürdigen Begebenheit aus den Jahren 1947/48. Damals habe der Kiefernspinner, ein Forstschädling, in der Region gewütet.

Wie durch ein Wunder

Wie durch ein Wunder sei die Invasion kurz vor Zootzen zum Stillstand gekommen. Denn den Grund habe sich niemand erklären können. „Zootzen ist und bleibt Zootzen“, sagte Zimpel und überreichte ein ganz spezielles Geschenk an Ortsvorsteherin Irmgard Ritzmann - eine Kiste mit rund 200 Urkunden und Formularen aus Zootzens vergangenen Tagen. Sie habe sich jahrzehntelang auf seinem Dachboden befunden. Als er sich auf seinen Besuch zum Schultreffen vorbereitete, sei ihm die Kiste wieder eingefallen. Nur zwei Jahre lehrte Zimpel in Zootzen, bevor er als Englischlehrer in die Zentralschule nach Dossow versetzt wurde. Aber diese Zeit habe ausgereicht, um viele Freundschaften zu knüpfen, sagte er.

Dazu wird es sicher auch am Samstag gekommen sein. „Es ist einfach wunderbar, sich mit den einstigen Mitschülern zu unterhalten. Manche haben sich kaum verändert, andere erkennt man gar nicht wieder“, berichtet Gudrun Draeger, die seit 1981 in Neetzow bei Anklam lebt. Auch ihre Schwester Birgit Altmann verließ Zootzen 1999 und lebt heute in Linstow/Krakow. Beide kamen vor einiger Zeit auf die Idee mit dem Schultreffen. „Es wäre doch schön, wenn wir uns alle einmal wieder treffen könnten, dachten wir uns“, erzählt Birgit Altmann.

Irmgard Ritzmann schrieb 80 ehemalige Schüler an

Verwirklicht hat das alles schließlich Irmgard Ritzmann. „Ich habe rund 80 ehemalige Schüler angeschrieben“, berichtete sie und freut sich darüber, dass so viele von ihnen auch tatsächlich anreisten. Sie begrüßte die Gäste und berichtete über das Vereinsleben und Veranstaltungen im „schönen und sauberen Dorf Zootzen“, in dem in den vergangenen Jahren 20 neue Häuser gebaut worden seien. Bei Soljanka, Kartoffelsalat und Würstchen schwelgten die einstigen Zootzener Schulkinder in Erinnerungen und sahen sich alte Fotos an.

Von Björn Wagener

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