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Ostprignitz-Ruppin Wildschweinfleisch ist keine Mangelware
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wildschweinfleisch ist keine Mangelware
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00:22 28.02.2018
Wegen der drohenden Afrikanischen Schweinepest sollen die Jäger verstärkt auf Wildschweinjagd gehen. Für die Waidmänner viel Aufwand, der sich immer weniger rechnet. Quelle: dpa
Neuruppin

Jäger sein ist in diesen Tagen nicht einfach. Nach einem arbeitsreichen Tag sich in der Dämmerung noch einmal von der Couch zu erheben, um sich auf den Weg in das Jagdrevier zu machen, um möglichst ein Wildschwein zu erlegen, das dann aufgebrochen, versorgt und abtransportiert werden muss, bevor es zerteilt und im Tiefkühlschrank verstaut werden kann – das ist schon zeit- und kraftaufwendig. Doch der Aufwand lohnt sich für die Jäger fast nicht mehr, denn Wildschweine sind keine Mangelware mehr. Aber sie sollen geschossen werden, trotz des Überangebots.

Angesichts der immer näher kommenden Afrikanischen Schweinepest haben mehrere Länder Maßnahmen beschlossen, um die Zahl der Wildschweine zu reduzieren. Schonzeiten wurden verkürzt und teilweise aufgehoben, Abschussprämien werden gezahlt. Den Jägern kommt eine zentrale Rolle bei der Prävention zu.

Wildschweine sind Überträger der Afrikanischen Schweinepest

Seit Anfang Februar übernimmt der Landkreis Ostprignitz-Ruppin auch die Kosten, die für die Untersuchung erlegter Wildschweine auf Trichinen anfallen – zunächst befristet bis zum 30. Juni 2018. Dies gilt für Wildschweine aller Altersklassen, die auf dem Gebiet des Landkreises erlegt wurden. Jedes Wildschwein muss vor der Freigabe zum Verzehr auf Trichinen untersucht werden.

Diese finanzielle Entlastung soll einen Anreiz für die Jäger der Region schaffen, die Jagd auf Wildschweine, insbesondere auf Frischlinge, zu intensivieren. Darüber hinaus sollen die Jäger explizit auf Fallwild achten und im Verdachtsfall die zuständigen Behörden informieren.

„Damit Jäger nicht zu Überträgern der Seuche werden, müssen sie die Hygienevorschriften streng beachten“, sagt Jürgen Rinno, Vorsitzender des Kreisjagdverbands Ostprignitz-Ruppin. „Ich kann nicht anschließend zu Hause mit meinen Stiefeln rumtrampeln.“ Gegenstände, die mit Blut und Schweiß in Kontakt gekommen sind, müssen besonders gereinigt werden. Dazu gehören Stiefel ebenso wie Wannen, Messer oder Kleidungsstücke. Auch der Kontakt von Jagdhunden mit dem Schwarzwild am Streckenplatz muss vermieden werden.

Für Jäger gibt es finanzielle Entlastungen für die Wildschweinjagd

„Das Virus der Afrikanischen Schweinepest ist außerordentlich widerstandsfähig und aggressiv“, sagt Jürgen Rinno. Fäulnis könne dem Virus nur wenig anhaben, teilt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft mit. Während des Verwesungsprozesses bleibt es bis zu mehreren Monaten infektiös. Auch das Einfrieren ist keine Lösung, selbst in diesem Zustand bleibt das Virus über Jahre vermehrungsfähig.

Noch ist kein einziger Fall der gefährlichen Seuche in Deutschland aufgetreten, doch die Angst vor der Afrikanischen Schweinepest wächst. Denn sollten Hausschweine angesteckt werden, hätte das gravierende Folgen. Vorsorglich soll der gefährlichste Überträger, das Wildschwein, reduziert werden. „Wir können aber nicht alle Wildschweine totschießen, schließlich können die Tiere nichts dafür“, sagt Rinno. „Der Mensch ist maßgeblich an der Verbreitung beteiligt.“

Die Ausbreitung des Virus soll so eingedämmt werden

Die Forderung des Bauernverbandes, zur Vorbeugung 70 Prozent der Tiere zu erlegen, kann Jürgen Rinno nicht so recht nachvollziehen. „Die Jäger sind seit Jahren bemüht, mehr Wildschweine zu schießen und die Jahresstrecken beweisen das mit ihrer ständig steigenden Tendenz.“ Der Jäger verweist darauf, dass Wildschweine auch sehr nützlich sind. Sie lockern den Boden, wodurch Keimlinge gute Wachstumsbedingungen bekommen. Außerdem fressen sie die Larven von Forstschädlingen wie Kiefernspinner und Gespinstblattwespen.

Die Jäger können nicht alle Probleme lösen. „Die Wildschweine haben Rahmenbedingungen, die von uns nicht beeinflussbar sind. Auf den Raps- und Maisfeldern haben sie Fettlebe und können sich ungestört reproduzieren“, sagt Jürgen Rinno.

„Man sollte sich jetzt vor allem darum bemühen, eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern.“ Der Jagdtourismus berge ebenfalls Gefahren, betont der Vorsitzende des Kreisjagdverbands. Jagdtrophäen und Schwarzwildprodukte stellen ein erhebliches Risiko dar.

Dass Wildschweinfleisch aus Osteuropa weiter importiert wird und auch auf der Grünen Woche Wurst und Schinken der Schwarzkittel aus Ländern, in denen die Afrikanische Schweinepest bereits aufgetreten ist, angeboten wurde, ist für viele Jäger nicht nachvollziehbar. Zumal sie oft nicht mehr wissen, wohin mit dem Fleisch. Mit steigendem Angebot fallen auch die Preise.

Für Jäger lohnt sich derzeit aber die Jagd auf Schwarzkittel kaum

„Teilweise werden nur noch 30 Cent pro Kilogramm gezahlt“, sagt Bernd Voigt, Jäger aus Manker. In seinem Revier gibt es allerdings nicht so viel Schwarzkittel. Da er vor einigen Jahren in einen mit Edelstahl und Fliesen ausgestatteten Zerlegeraum investiert hat, kann er sein Fleisch auch gut selbst aufbereiten, um es an Privatkunden zu verkaufen.

Doch so komfortabel sind nicht alle Waidmänner ausgestattet. „In der derzeitigen Situation müssten die Menschen viel mehr zusammen arbeiten“, sagt er. „Ich verstehe nicht, warum Handel oder Gastronomen nicht Wildwochen durchführen oder Sonderangebote starten. Damit wäre doch allen etwas geholfen und schließlich muss man doch nicht alles von oben reglementieren.“

Allerdings ist die Fastenzeit vermutlich ein ungünstiger Zeitpunkt für derartige Aktionen. „Traditionell sind ja die Wochen vor Weihnachten die Zeit, in der die Leute gern Wildfleisch essen“, sagt Jürgen Rinno. So müssen die Jäger nun vermutlich auf ihren privaten Kundenstamm zählen, den sie sich in den Jagdjahren aufgebaut haben.

Von Cornelia Felsch

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