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Wilfried Pätzold: Melder für Badewetterbericht

Flecken Zechlin Wilfried Pätzold: Melder für Badewetterbericht

Temperatur, Wasserstand und Sichttiefe des Schwarzen Sees in Flecken Zechlin: die misst schon seit 25 Jahren Wilfried Pätzold. Im Winter dann dafür die Eisdicke – auf dass kein Eisläufer ins eisige Wasser einbricht.

Der pensionierte Lehrer meldet die Messwerte an die Freie Universität Berlin, dessen Meteorologischen Institut einen Badewetterdienst ins Netz stellt.

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Wilfried Pätzold bei der Wassermessung.

Quelle: Regine Buddeke

Flecken Zechlin. Wilfried Pätzold mag es, wenn die Welt ein wenig messbar ist. Zumindest, was den Schwarzen See in Flecken Zechlin betrifft. Seit 25 Jahren schon misst der pensionierte Lehrer, der in Flecken Zechlin Mathematik, Physik und Astronomie unterrichtete, Temperatur, Wasserstand und Sichttiefe im See – jeweils zweimal pro Woche in der Badesaison von April bis Oktober. Im Winter kümmert er sich um die Eisdicke. Die Daten meldet er ans Meteorologische Institut der Freien Universität Berlin, das auf www.wetter.de einen Badewetterbericht ins Netz stellt. Gesagt getan – und eine Ehrensache für Winfried Pätzold.

„Dann haben mich die Touristen gefragt, warum ich das nicht auch im Ort aushänge“, erinnert er sich. Und so hängt er zudem seine Messergebnisse auch im Ort aus: an der Tourist-Information, am „Heuhotel“ und an seinem eigenen Haus. Für manchen ist es eben wichtig, eine konkrete Zahl zu haben, bevor er ins Wasser springt. Oder eben besser nicht.

Was die Messung der Eisdicke angeht, hat der Ur-Neuruppiner, der 1964 nach Flecken kam, ganz eigene Beweggründe. „Ende der fünfziger Jahre bin ich in Berlin mal fast ersoffen“, erzählt er. Er sei mit Schlittschuhen über ein nicht gekennzeichnetes Anglerloch gefahren. „Es war arschkalt, und man rutscht immer wieder ab, wenn man versucht, herauszukommen.“ Ein Russe habe ihn damals gerettet, erzählt er. Der habe alles richtig gemacht, einen langen Knüppel ins Wasser gehalten, an dem er den jungen Wilfried Pätzold herausziehen konnte. „Ich war draußen, er war weg. Ich konnte mich nicht einmal bedanken“, berichtet Pätzold.

Er habe dann einen Brief an die Kommandantur geschrieben, der Helfer wurde ausfindig gemacht und der Gerettete konnte sich bedanken: mit einer Fontane-Ausgabe in russischer Sprache.

„Heute wird das Eis ja gar nicht mehr offiziell freigegeben“, weiß der 75-Jährige. Daher ist es ihm wichtig, an zehn verschiedenen Stellen des Sees im Winter die Eisdicke zu markieren – mit rosa Lebensmittelfarbe in den Schnee. „Das funktioniert prima“, sagt er und schmunzelt. Auch er selbst geht kein Risiko mehr ein und hat eine Selbstrettungs-Vorrichtung am Mann: ein Springseil an dessen beiden Enden Feilenhefte mit eingeschraubten, angespitzten Wellasbestschrauben sitzen. Mit diesen provisorischen Eis-Spikes könne man sich gut am Eis festhaken. Die Löcher, die er zum Dickemessen bohrt, verkorkt er fein säuberlich wieder. „Mit den Resten von meinem Weihnachtsbaum“, sagt er lächelnd.

Wilfried Pätzold hat auch lange Zeit als ausgebildeter Rettungsschwimmer gearbeitet und selber ausgebildet. „Ich habe keine Ahnung, wie viele Rettungsschwimmer ich im Laufe meines Lebens ausgebildet habe“, bekennt er.

Mit 65 Jahren ist er aus dem aktiven Rettungsdienst der Wasserwacht ausgeschieden. „Jetzt mache ich nur noch die Wassermessung. Dafür braucht er nicht viel – einen Stab mit zwei Thermometern, mit denen er in 0,3 und in einem Meter Tiefe misst. Dazu eine runde Scheibe mit schwarz-weißer Markierung für die Sichttiefe. Die versenkt er so tief, bis er die Kontrast-Kante noch scharf sieht, am Seil misst er dann die Tiefe. „Die ist sehr unterschiedlich“, weiß der Fleckener. „Das kann sich innerhalb von einer Woche sehr ändern. Dasselbe gilt auch für den Wasserstand.

Im Laufe der Jahre sind Wilfried Pätzold schon die unterschiedlichsten Dinge am Instrumentarium hängengeblieben. „Ich habe hier schon einen Einkaufswagen, ein Fahrrad und eine Geldkassette rausgeholt“, sagt er.

Von Regine Buddeke

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