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Willkommen im Wittenberger Sprachcafé

Treffpunkt für Flüchtlingsfrauen Willkommen im Wittenberger Sprachcafé

Für Frauen und Mädchen aus Flüchtlingsfamilien ist es schwer, die deutsche Sprache zu lernen, wenn ihre Familien ihnen nicht erlauben, unter die Leute zu gehen. Deshalb hat die Kirche nun einen geschützten Raum zur Verfügung gestellt, in dem sich die Asylbewerber mit ehrenamtlichen Helfern treffen können. Das Sprachcafé ist immer dienstags geöffnet.

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Rasha Balawni (33) aus Syrien (3. v. l.) brachte besondere Delikatessen zum Buffet des Sprachcafés mit.

Quelle: Kerstin Beck

Wittenberge. Punkt 16.41 Uhr ist es im evangelischen Gemeindezentrum endlich soweit: Nach einigen Reden von Bürgermeister Oliver Herrmann, Vertretern der Stadt, der Land- und des Kirchenkreises Prignitz, wird endlich die spanische Wand entfernt.

Nun können die Gäste (überwiegend Männer, Frauen und Kinder aus Syrien und Afghanistan) etwas in Augenschein nehmen, das wie ein gemütliches Wohnzimmer aussieht. Beinahe wie ein englischer Club: neuer Teppich, gediegene Stühle und Tische, ein bequemes Sofa und rote Vorhänge an den mit Blumentöpfen besetzten Fenstern. An einer Wand prangt ein mit Blumen bemaltes Willkommensschild.

Das also ist das neu eröffnete Sprachcafé. Es füllt den Raum aus, der jahrelang als Durchgangszimmer und ab und zu auch zum Feiern genutzt wurde. „Das ist ja nicht wiederzuerkennen!“, hört man immer wieder.

Ein halbes Jahr hatten die Vorbereitungen gedauert. „Auf diese Idee ist unsere Katechetin Martina Herms gekommen. Sie hat mir im Sommer von ihrem Vorhaben erzählt“, sagt Jutta Barfuß. sie ist im Oberstufenzentrum tätig und machte bald selbst im Vorbereitungsteam mit. Die beiden Frauen blieben nicht allein. Auch Martina Herms Ehemann Wolfgang, das Gemeindemitglied Djamila Richter sowie die Grünen-Kreistagsabgeordnete Bärbel Treutler waren mit von der Partie. Dazu gesellten sich die, um die es hier eigentlich ging: syrische Mädchen und Frauen wie Rasha Balawni, die immer mal vorbeischauten, halfen, wo es ging, Kontakte herstellten, Flyer ins Arabische übersetzten.

Mehr als 350 Asylbewerber wohnen in Wittenberge

Weil in Wittenberge viele Flüchtlingsfamilien wohnen, entstand die Idee. einen Treffpunkt zu schaffen, insbesondere für Frauen und Mädchen – einen Ort, an den sie gehen können, ohne dass der Vater oder der Ehemann etwas dagegen haben. „An diesem Treffpunkt sollen gerade die Frauen, die den größten Teil der Woche in ihrer Wohnung verbringen, eine Möglichkeit haben, mit Deutschen in Kontakt zu kommen und die deutsche Sprache zu lernen“, sagt Martina Herms. Der Raum war da – er musste nur hergerichtet werden. Und es mussten weitere Ehrenamtliche geworben werden. Schließlich sollte hier ein Treffpunkt entstehen für mehr als 350 Asylbewerber, die derzeit in Wittenberge leben und dringend Deutsch lernen müssen. Freiwillige sollen das Café wöchentlich offen halten.

Geworben wurde in allen verfügbaren Medien. Rund 20 Ehrenamtliche meldeten sich, darunter auch Pfarrer Sacha Sommershof. Zwei Gruppen teilen sich die Arbeit: Die einen kümmern sich um die Bewirtung im „Café“, die anderen um das Vermitteln der deutschen Sprache.

Das Projekt „Ehrenamt im ländlichen Raum“ kam wie gerufen

Zur Vorbereitung gehörte aber noch viel mehr: Im September vorigen Jahres startete das Amt für Kirchliche Dienste in den beiden Kirchenkreisen Prignitz und Kyritz-Wusterhausen das Projekt „Gemeinde gemeinsam gestalten – Ehrenamt im ländlichen Raum“. Das kam wie gerufen für die Wittenberger. „Sie haben sich gleich mit diesem Vorhaben bei mir gemeldet“, sagt die Projektleiterin Lena Knäpple aus Berlin. Sie hat im vergangenen halben Jahr das Team geschult.

Jetzt aber ist die 33 Jahre alte Hausfrau Rasha mit ihrem Ehemann Adel und ihren drei Kindern am langen Tisch erschienen und hat wie viele andere syrische Gäste etwas zum reichhaltigen Buffet beigesteuert: Jabrak – das sind mit einer pikanten vegetarischen Füllung versehene, gerollte Weinblätter – sehr lecker! Mit strahlendem Gesicht deutet ihr Ehemann Abel später immer wieder auf die Weinblätter: Die Gäste sollen bitte davon nehmen. Bald ist von dieser Delikatesse nichts mehr übrig.

Inzwischen haben im Café, dem ehemaligen „Omnibus“, Flüchtlingskinder die Spielecke erobert. „Omnibus“ hieß der Raum wegen seiner vielen Fenster. Dicht neben den Kindern sitzt Yasmina (27) aus Albanien und schaut ihrem zweijährigen Sohn David zu. Eine Verständigung mit ihr oder ihrem Ehemann ist kaum möglich – kein Deutsch, kein Englisch, kein Russisch. Das soll das Sprachcafé nun ändern helfen. geöffnet ist es von nun an jeden Dienstag von 15 bis 17 Uhr.

Von Kerstin Beck

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