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Ostprignitz-Ruppin Willkommen im virtuellen Kaufhaus
Lokales Ostprignitz-Ruppin Willkommen im virtuellen Kaufhaus
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00:17 29.01.2016
„Was es nicht im Laden gibt, gibt es hier“ – selbstbewusst präsentiert Einzelhändler Bernd Dieter Hahn seinen Onlineshop. Quelle: Christian Bark
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Pritzwalk/Wittstock

Vorsichtig optimistisch blicken die Händler in Brandenburg auf das angefangene Jahr 2016. Angesichts der Umsatzzahlen der Vergangenheit haben sie auch allen Grund dazu. Rund 7,75 Milliarden Euro erwirtschafteten sie an Umsatz im Jahr 2014, um einen Prozent höher dürfte die Bilanz mit Blick auf das vergangene Jahr 2015 ausfallen, wagt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg, Günter Päts, eine Prognose. „Sinkende Ölpreise und steigende Löhne haben dazu geführt, dass sich auch in der Mark die Kaufkraft erhöht hat“, erklärt Päts.

Die leichte Umsatzerhöhung würde damit dem Trend von 2013 zu 2014 bestätigen. Allgemein sei die Stimmung unter den Händlern gut, so Päts. Trotzdem gibt es Brandenburgweit Unterschiede. Während besonders im Berliner Speckgürtel der Umsatz um zwei bis drei Prozent gestiegen sein dürfte, dümpelt das Plus in Hauptstadtfernen Kreisen wie Prignitz und Ostprignitz-Ruppin knapp bei dem landesweit prognostizierten 1 Prozent.

Nur Neuruppin ist ein Shopping-Magnet

Profiteure des Aufschwungs sind Päts zufolge oft die großen Ketten, bei den kleinen Einzelhändlern in den Innenstädten sehe es schon anders aus. Lediglich die größte Stadt der Region, Neuruppin, habe positive Anziehungswirkung. „Der Zentralitätsfaktor der Stadt liegt bei über 1,2 Prozent“, sagt Päts und erklärt, dass der Faktor Auskunft darüber gebe, wie viele Leute zum Einkaufen aus der Stadt raus und wie viele in die Stadt hinein kämen. In Städten mit einem Wert von mehr als 1,0 kommen mehr Leute zum Einkaufen hinein, als Einwohner dieser Stadt auswärts shoppen gehen. So wie Neuruppin. Alle anderen Städte der Region liegen jedoch unter der Ein-Prozent-Marke.

Über märchenhafte Umsatzzahlen konnte sich 2015 wieder der Online-Handel freuen. Seine Wachstumsprognose liegt laut Handelsverband im zweistelligen Prozentbereich. Ein Fakt, der auch alteingesessenen Händlern in der Region zu denken gibt.

„Ich kann nur jedem Einzelhändler den Rat geben: Legt euch eine ordentliche Homepage an“, empfiehlt Bernd Dieter Hahn seinen Kollegen. Seit 25 Jahren betreibt er in der Wittstocker Innenstadt ein Fachgeschäft für Elektrogeräte. „Was Sie im Laden nicht finden, finden Sie hier“, tippt er stolz mit seinen Fingern über einen großen Touch-Bildschirm, der unübersehbar in seinem Geschäft positioniert ist. Darüber könne der Kunde im Laden bestellen, sich vom Personal parallel beraten lassen und bereits am kommenden Tag über die gelieferte Ware freuen.

Online-Riesen machen kleinen Händlern das Leben schwer

Große Discounter wie Mediamarkt oder auch der Onlineversandriese Amazon machen es gerade kleinen Elektronikgeschäften wie dem von Bernd Dieter Hahn nicht einfach, auf dem Markt zu bestehen.

„Das Weihnachtsgeschäft lief schon mal besser“, gibt er mit Blick auf den Dezember 2015 zu. Doch, dass im Internet alles günstiger sei, will er so nicht unterschreiben. „Wir haben manchmal Ware, die locker mit den Tiefstpreisen im Netz mithalten können“, sagt er. Zudem installierten und lieferten seine Mitarbeiter die Geräte persönlich beim Kunden.

Christa Pfeifer mit der „Eintrittskarte“ für das virtuelle Kaufhaus. Quelle: Christian Bark

Die Situation für den Einzelhandel in Wittstock ist Hahn zufolge noch ganz in Ordnung. „Wir haben in der Innenstadt eine gute Struktur und wenig Leerstand“, schildert er die Lage. Außerdem müsse man sich als Händler regelmäßig etwas einfallen lassen, um Kunden anzulocken. So gibt es in der Dossestadt seit einigen Jahren das so genannte „Mittsommernachtsshopping“. Das ziehe Anfang Juli regelmäßig richtig viele Leute in die Innenstadt und habe fast schon den Charakter eines „Volksfestes“.

Pritzwalker Innenstadt-Händler mit „Herbstleuchten“

„Wir müssen jede Gelegenheit mitnehmen“, sagt auch Christa Pfeifer in Pritzwalk. Die Sprecherin des Vereins IG-Innenstadt Pritz­walk erinnert in dem Zusammenhang besonders an das „Herbstleuchten“, das jedes Jahr Anfang September das Zentrum der von Pritzwalk mit zahlreichen Besuchern belebt. „Wichtig ist, sich jedes Jahr ein neues Motto auszudenken, nicht stehen zu bleiben“, erklärt Pfeifer. Die Lage der Innenstadthändler habe sich aber mittlerweile etwas verbessert. Die Innenstadt sei saniert und biete viel Raum für Gewerbe. „Es läuft aber noch nicht so gut, dass zusätzliches Personal eingestellt werden kann“, bedauert Pfeifer.

Auch auf den Online-Zug springen in der Knieperstadt Pritzwalk immer mehr Händler auf. Seit September gebe es ein „Virtuelles Kaufhaus“, das Überblick über Dienstleister und Gewerbe in der Stadt biete. „Viele haben die Zeichen der Zeit erkannt und machen mit“, freut sich die Sprecherin. Insgesamt 50 Gewerbetreibende finde der Kunde bereits. Die Wiedererkennbarkeit im Internet fördert Pfeifer zufolge auch einen Trend, den sie seit Jahren zu erkennen glaubt: Die Leute informieren sich im Netz über ein Produkt und schauen, wo sie es vor Ort im Laden bekommen.

„Die Kunden informieren sich zunehmend online und kaufen offline“, fasst Pfeifer zusammen. Früher sei das umgekehrt gewesen. Jetzt schätze man wieder die Beratung und den Ansprechpartner, wenn es Probleme mit der Ware gebe.

Von Christian Bark

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