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Willy Astor geht auf „Reim-Time“

Neuruppin Willy Astor geht auf „Reim-Time“

Ein Mann, ein Wort. Letzteres ist für Willy Astor einerseits ein Heiligtum. Andererseits aber auch nur eine Ansammlung von Buchstaben, aus denen man mit etwas Geschick und Umbetonung auch etwas ganz anderes machen kann. Willy Astor ist ein Magier des Wortverdrehens: am Freitagabend gastierte er vor fast 250 Gästen in Neuruppin.

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Willy Astor trägt auf dem Kopf das Gesundheit-S-amt.

Quelle: Buddeke

Neuruppin. Willy Astor dreht einem das Wort im Munde um. Sich selbst auch. Mit dem programmatischen Spitznamen „Verb-Brecher“ ist eigentlich schon gesagt, was Sache ist. Auch in seinem neuen Programm „Reim-Time – Astors neuer Wörtersee“ wird klar, woran man ist. Der Mann pickt sich Worte, da ist ihm keines zu heilig, verdreht sie genüsslich, quetscht sie aus wie eine Zitrone. Sind ja schließlich nur Ansammlungen von Buchstaben, die man neu umbrechen kann. Er stellt sie flugs und eloquent sowohl in der Betonung um als auch in einen anderen Kontext. Oder verkehrt sie gleich ins Gegenteil. Dass bayrische Mundart dabei mehr Segen als Fluch ist, erleben die knapp 250 Zuhörer, die am Freitagabend im Neuruppiner Kulturhaus Stadtgarten dem Magier der Worte förmlich an den Lippen hängen. Wenn sie nicht gerade lachen. Und das tun sie eigentlich immer.

Das Ohr am Publikum – Gespräch mit Gästen aus Oberkrämer

Das Ohr am Publikum – Gespräch mit Gästen aus Oberkrämer.

Quelle: Regine Buddeke

Haushaltsklänge aus dem Off: gedrummerte Topfdeckel, quietschende Tür, prasselnde Dusche, trällernder Mann, platschende Füße – Auftritt Willy Astor. Nein, nicht nackt – er trägt sein Star-Sakko, erklärt er. Und drunter ein „Desmir­egal“-Shirt mit dem gespiegelten Desigual-S, mit dem er gleich mal seinen Wortwitz unter Beweis stellt. Sowie den Fakt, dass er auf Markenklamotten sch..., pardon, pfeift. Oder als dezenter Hinweis, wie perfide Marken-Namen-Fälscher heutzutage vorgehen. Egal, er quasselt sich erst einmal warm – mit einer Familie aus Oberkrämer, die er gut gelaunt auf Herz und Nieren ausquetscht. „Ich hab mich so gefreut auf Neuruppin, bin völlig heiß, hab extra ein Lied für euch geschrieben“, schwadroniert er und lässt Taten folgen: „Neuruppin, du bist so, wie du bist“, singt er und Schluss. „Ein Kurzlied“, grinst er.

Schnell hat er bemerkt, was von ihm erwartet wird. „Ihr wollt’s lachen!“, ruft er begeistert und zückt ein paar Requisiten. Einen riesigen Kamm – den „Well-Kamm“. Einen Skiverband: Ski mit Binde um den Leib und Pflaster. „Ich hau noch was raus vor der Pause“, verspricht er, kaum dass die ersten fünf Minuten um sind, und trällert weiter zur Gitarre: „Manche wohnen in Berlin, der Kenner wohnt in Oberkrämer“ – Reim-Time eben. Er hat noch Potenzial nach oben. Vermischt mal – das sei revolutionär – zwei Stile miteinander: „Country mit Western“, tönt er. Gelächter einmal mehr. Erklärt so im Vorbeigehen die Bedeutung schöner Fremdwörter. Pharmazie: wenn die Kuh ’Farmer, zieh’ rufe. Oder imposant: wenn man am Strand Sand im Po hat. Optimismus: Model mit voller Blase bei der Miss-Wahl.

Der Mann der vielen Worte und Wortverdrehungen spielt auch Gitarre

Der Mann der vielen Worte und Wortverdrehungen spielt auch Gitarre.

Quelle: Regine Buddeke

Willy Astor ist jetzt warmgelaufen. Es folgt ein Medley aus dem prallen Leben und bekannten Hits: Sexplomb, Passbilder („Mathilda“), „Mir tut die Wimper weh“ für „The lion sleeps tonight“. Aus „Goldfinger“ wird Pofinger – ja so eine Untersuchung beim Urologen ist nicht schön. „Ich hoff, du freust dich, Schatz, wenn ich mit dir bei Esso ess“, trällert er den Abba-Song „SOS“ und man freut sich mit ihm. Das ändert sich schlagartig, als er von seinem Skiunfall berichtet: „Wo mich einer in den Snow bohrt, als ich grad auf ’nen Buckel pisste.“ Die Sache mit dem Skiverband wird spätestens jetzt in seiner ganzen Tragik klar.

Urkomisch ist sein Streifzug durch die Welt der Alkoholika. Wo ein federweißer Papagei rumnölt. „Ich mag des Freche net“, parodiert Astor den Freixenet. Baggert Maria Cron an: „Ich will ein Kind von dir. Und fände ein Söhnlein brillant.“ Maria hat Null „Bock“ – so bleibt der „Henkel trocken.“ Astor ruft ein Taxi: „Das ist bei mir so Ouzo.“

Von Regine Buddeke

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