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Wind in den Segeln von Temnitztal

Gemeinde mit viel Zusammenhalt Wind in den Segeln von Temnitztal

Erst 2003 entstand die Gemeinde Temnitztal, so wie es sie in der heutigen Form gibt. Seitdem schwört man im Süden des Amtes Temnitz auf Zusammenhalt – und kämpft gemeinsam nun auch gegen die modernen Windmühlen: den demografischen Wandel und die Riesenräder, die Strom liefern, aber auch die Entwicklung der Region behindern.

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Thomas Voigt engagiert sich gegen übermäßig viele und hohe Windräder.

Quelle: Celina Aniol

Garz. Dass Garz überhaupt dazu gehört, ist ein halbes Wunder. Turbulente Zeiten waren es, als der bis dato eigenständige Ort sich bei der Gemeindegebietsreform 2003 für eine der Seiten entscheiden musste. Fehrbellin oder Amt Temnitz – das war kurz nach der Jahrtausendwende die Millionenfrage. „Fehrbellin hatte eine ziemlich bewegliche Amtsdirektorin, in Richtung Neuruppin sah es ziemlich mies aus“, erinnert sich Thomas Voigt, der damals Bürgermeister von Garz war und esseit 2003 bis heute in der Gemeinde Temnitztal ist. Er hatte also eine feste Meinung. Der Gemeinderat schwankte aber, auch wenn sich die Einwohner bei einem Bürgerentscheid mit einer klaren Mehrheit für die Luchregion stimmten. Und dann waren da auch noch die Landtagsabgeordneten, die auch ein Wörtchen mitzureden hatten. Thomas Voigt wurde nach Potsdam geladen – „und da fing erst das Tauziehen an“, erzählt er. Jede Partei wollte sich ihm andienen und den wackligen Wechsel nach Fehrbellin befürworten. „Allerdings nur wenn ich Parteimitglied werde.“ Insgesamt drei Angebote hatte Voigt am Ende des Tages. „Ich habe gedacht: Du bist im falschen Film.“

„Wir gucken, dass kein Ort auf der Strecke bleibt“

Kaufen lassen – das kam für den streitbaren Mann, der in der sechsten Generation in Garz zu Hause ist, nicht in Frage. Und so schloss er sich lieber freiwillig der Gemeinde Temnitztal an, die seit 1997 aus den Dörfern Kerzlin, Küdow, Lüchfeld, Rohrlack, Vichel und Wildberg bestand. Seitdem ist die Temnitztal-Familie zusammengewachsen. „Jedes Dorf hat nach wie vor einen eigenen Charakter – aber wir stehen füreinander ein, anders als in manch anderen Gemeinde. Wir gucken, dass kein Ort auf der Strecke bleibt.“ Das spüren die Menschen, und gönnen es den jeweils anderen, wenn dort und nicht vor der eigenen Haustür Geld ausgegeben wird. Auf die Beine gestellt haben die Temnitztaler viel in der Zeit: etliche Straßen erneuert, die Region weiterentwickelt, ihre Vereine mit Leben erfüllt. „Wir haben aber auch Federn gelassen, demografisch gesehen zum Beispiel“, so Voigt. Und wenn weniger Kinder geboren werden, stehen auch Einrichtungen wie Schule oder Kita irgendwann zur Disposition, und damit ein Grund mehr, um in die Region zu ziehen oder da zu bleiben. Auch deshalb will Voigt dafür kämpfen, dass die Wildberger Grundschule nicht geschlossen wird. „Und machen wir uns nichts vor: Wenn Wildberg geschlossen wird, dann wandern die Schüler nach Neuruppin und Fehrbellin ab und nicht nach Walsleben.“ Thomas Voigt ist dennoch zuversichtlich. Denn nach Zeiten, in denen die Gemeinde kontinuierlich geschrumpft ist, wächst die Kommune nun wieder und hat heute 1453 Einwohner„Wir haben auch nur noch ganz wenig Häuser, die unbewohnt sind.“ Das könnte sich aber ändern, befürchtet der Bürgermeister.

„Die Zeiten sind schlechter geworden“

Wenn in der Umgebung weitere Windräder entstehen, könnten einige die Region wieder verlassen. Wegen der bereits vorhandenen Anlagen, werde die Gemeinde auch den geplanten zweiten Bauabschnitt des neuen Wohngebiets in Wildberg nicht mehr in Angriff nehmen, weil kaum jemand unter einem Windrad sein Haus bauen will. Thomas Voigt ist sauer auf die Windkraft-Verantwortlichen beim Land. Er habe einmal eine Sendung im bayerischen Fernsehen gesehen. „Da sind die Brandenburger und Mecklenburger als die Deppen der Nation dargestellt worden, die Strom an andere liefern und dafür doppelt bezahlen“, erzählt Voigt, der schätzt, dass etwa 60 Prozent der Temnitztal-Einwohner gegen die Stromriesen sind. „Das Böse ist: Die Satire stimmt .“ Noch sei die Schlacht aber gegen die modernen Windmühlen nicht verloren. „Wir haben noch ein paar Trümpfe in der Hand.“ Diese auszuspielen sei wichtig, damit die Temnitztaler ihre Region auch touristisch weiterentwickeln können. „Die Zeiten sind schlechter geworden“, sagt Voigt. Es gibt immer weniger Geld für die Gemeinden. „Und bei uns sind Straßen, Plätze und Lampen, die wir gefühlt gerade erst gemacht haben, schon wieder mal dran.“

Doch aufgeben? Das kommt für Voigt, der ein bisschen an den unbeugsamen Gallier der berühmten Comicreihe erinnert, kaum in Frage. „Es wird sich schon ein Weg finden lassen, der gut für Garz ist, gut für Temnitztal.“

Von Celina Aniol

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