Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 3 ° Regenschauer

Navigation:
Windpark Zootzen: Befangenheit und Enthaltungen

Zootzen Windpark Zootzen: Befangenheit und Enthaltungen

Bei Zootzen könnte auf rund 970 Hektar ein Windpark entstehen. Die Verträge mit den Landeigentümern sind bereits geschlossen. Dass das Projekt dennoch in der Warteschleife steckt, liegt am fehlenden Regionalplan Windenergienutzung. Um überhaupt irgendeinen Handlungsrahmen zu schaffen, wird in der Stadt die Aufstellung eines Bebauungsplanes diskutiert.

Voriger Artikel
Hausschlachtung bleibt Tradition
Nächster Artikel
Spielend das Einmaleins lernen

Andrej Oehlert von der Potsdamer WPD Onshore GmbH stellte die Windparkpläne vor.

Quelle: Foto: Wagener

Zootzen/Wittstock. Bei Zootzen könnte ein Windpark entstehen – mit womöglich 25 jeweils 200 Meter hohen Anlagen auf einer rund 970 Hektar großen Fläche am Waldrand in Richtung des ehemaligen Truppenübungsplatzes. Der Windpark würde genug Strom liefern, um mehr als 60 000 Haushalte zu versorgen. Ob er aber tatsächlich gebaut werden kann, ist noch ebenso unklar wie die Frage nach der Zahl der Anlagen.

Andrej Oehlert von der WPD Onshore GmbH aus Potsdam, die die Anlagen dort errichten möchte, geht von mindestens zehn bis 15 Stück aus – zuzüglich weiteren zehn im Wald. Diese Zahlen nannte er auf der jüngsten Sitzung des Wittstocker Wirtschafts-, Landwirtschafts- und Bauausschusses. Der beschäftigte sich am Donnerstagabend mit diesem Projekt. Es ging um die Frage, ob das Aufstellen eines Bebauungsplanes sinnvoll wäre. Zu einer klaren Position fand das Gremium am Ende nicht. Die Abstimmung ergab weder Ja-, noch Nein-Stimmen, sondern lediglich zwei Enthaltungen.

Der gesamte Ortsbeirat ist befangen

Die Zurückhaltung hing aber offensichtlich auch mit einer ungünstigen Terminierung zusammen. Denn zeitgleich mit dem Ausschuss beriet auch der Ortsbeirat in Zootzen darüber. Dort war von vornherein jedoch mit keiner Entscheidung zu rechnen, denn der gesamte Beirat hatte sich für befangen erklärt, weil dessen Mitglieder auch betroffene Landeigentümer seien, wie die Ortsvorsteherin Irmgard Ritzmann sagt. Das war dem Wittstocker Landwirtschaftsausschuss zwar bekannt, aber Thomas Kur-schat sagte, dass er keine Entscheidung treffen wolle, ohne die Meinung des Ortsbeirates zu kennen. Auch wenn dort kein Abstimmungsergebnis zustande kommen kann, so müsse es doch eine grundsätzliche Meinung pro oder kontra geben.

Vor Ort überwiegt Zustimmung

Irmgard Ritzmann sagte am Freitag, dass der Beirat die Entscheidung den städtischen Ausschüssen überlassen wolle und das Thema dorthin zurückverweise. „Aber wenn wir entscheiden könnten, wären wir dafür.“ Vor Ort überwiege die Zustimmung, eben weil viele Landbesitzer ihre Flächen für diesen Zweck verpachten. Andrej Oehlert bestätigt, dass es rund 50 Landbesitzer gebe, mit denen auch bereits entsprechende Verträge geschlossen worden seien. Doch trotz der Befangenheiten und Enthaltungen in den Gremien wurde im Ausschuss darüber diskutiert. Vor allem Martina Grubetzki sieht die Sache kritisch: „Wir haben nur die verschandelte Landschaft und bekommen den Strom dafür auch nicht billiger“, sagte die sachkundige Einwohnerin, nachdem Andrej Oehlert die Pläne vorgestellt hatte. Demnächst wird das Thema nun den Hauptausschuss beschäftigen.

Doch ganz gleich, welche Position die Wittstocker Ausschüsse und später die Stadtverordneten beziehen werden: Sie können den Windpark weder beschließen noch ablehnen. Denn Grundlage für diese Entscheidung ist allein der Regionalplan Windenergienutzung der Regionalen Planungsgemeinschaft Prignitz-Oberhavel. Das Problem: Es gibt keine gültige Fassung. Der ursprüngliche Plan von 2003 gilt nicht mehr – und der Nachfolger gilt noch nicht. Laut Thomas Berger-Karin von der Planungsgemeinschaft werde der Regionalversammlung voraussichtlich Ende März 2017 ein Entwurf vorgelegt.

Eine Grauzone, ähnlich wie 1990

Deshalb herrscht zurzeit eine Art Leerlauf. Denn wo kein Plan ist, kann nichts genehmigt und folglich auch nichts gebaut werden. „Es ist eine Grauzone, ähnlich wie 1990“, beschrieb die Sachgebietsleiterin Sabine Hentschke die Situation am Donnerstagabend. Doch auch wenn es noch keinen Regionalplan gibt, so gehe die Stadt nach Lage der Dinge davon aus, dass die anvisierten Flächen wahrscheinlich als Windeignungsgebiete eingestuft werden, sagt der Stadt-Sprecher Jean Dibbert. Genau deshalb werde nun die Aufstellung eines Bebauungsplanes diskutiert. Dieser würde zumindest die planungsrechtlichen Zulässigkeitsvoraussetzungen zum Bau von Windkraftanlagen sichern. Das wiederum würde die Dinge beschleunigen, sollte der große Regionalplan eines Tages vorliegen.

Von Björn Wagener

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostprignitz-Ruppin

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg