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Windplan: Kritiker schmieden Pläne

Großes Treffen in Rägelin Windplan: Kritiker schmieden Pläne

Sie sind nicht grundsätzlich gegen die Windräder – aber gegen die Rahmenbedingungen, unter denen sie in ihrer Region verteilt werden. Darauf haben sich die Windplankritiker bei einem Treffen in Rägelin geeinigt. Moderiert wurde ihr Gespräch von einem Institut, das dem Land und dem Bund über die Stimmungslage in der Region berichten soll.

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Windräder bei Werder.

Quelle: Peter Geisler

Rägelin. Richtig unruhig waren seine Pferde zwar nicht, als Torsten Stelly in etwa anderthalb Kilometer Entfernung an den Windrädern bei Dabergotz in Richtung Garz vorbeizog. „Es hat ihnen aber auch eindeutig nicht gefallen, obwohl die Anlagen nicht einmal in Windrichtung standen“, sagt der Kutscher aus Storbeck. „Und die Tiere haben ein feines Gespür für das, was ihnen gut tut und was nicht.“ Statt langsam zu laufen, haben die Pferde in diesem Bereich instinktiv den leichten Trab gewählt. Genauso könnten die Touristen, die jetzt langsam in die Region strömen, wieder das Weite suchen, wenn auf sie an jedem Waldrand statt des Naturerlebnisses die Windriesen warten, befürchtet Stelly. Dagegen will er sich wehren.

Der Unternehmer aus dem Amt Temnitz gehört zu 20 Leuten, die sich am Mittwochabend in Rägelin getroffen haben, um ihre Argumente gegen noch mehr Windräder in der Region zusammenzutragen. Nach Temnitzquell eingeladen wurden die Kritiker des neuen Regionalplans Wind, der 14 neue Eignungsgebiete vorsieht, vom Kommunikationsinstitut „Raum und Energie“ aus Wedel bei Hamburg, der sich als Schnittstelle zwischen Forschung und Kommunalberatung versteht und im Auftrag des Bundesforschungsministeriums einen Teil der Studie zur Akzeptanz bei der Einführung erneuerbarer Energien erarbeitet. Dabei dient das Amt Temnitz als eine Modellregion, weil dort das Konfliktpotenzial groß ist (die MAZ berichtete). Bei dem Workshop unter dem Motto: „Akzeptanz und Gerechtigkeit bei der Planung von Windenergiestandorten“ waren allerdings auch Planungsgegner aus anderen Regionen des Landkreises wie Wittstock, Freyenstein oder Meyenburg zu Gast.

Arbeitsgruppe hofft, einige Zeichen setzen zu können

Stelly hofft, dass das Institut ihnen hilft, zumindest in einigen Punkten gegen den Regionalplan vorzugehen. „Wir werden so ein paar Kommas und Punkte neu setzen können.“ Auch Katrin Fahrenkrug denkt, dass ihre Arbeit konkret etwas verändern kann. „Auch wenn der Plan nicht sofort über den Haufen geworfen wird, was einige wohl gehofft haben“, sagt die Institutsgeschäftsführerin, die aber gleich die konstruktive Arbeitsatmosphäre in Rägelin lobt. „Wir haben einige Stellschrauben identifizieren können“, sagt sie, ohne weiter ins Detail zu gehen.

Auch Temnitzquell-Bürgermeister Johannes Oblaski, der das Institut in die Region geholt hat, ist zufrieden mit dem Treffen. Die Gruppe, bei der vor allem die Aktivisten der verschiedenen Bürgerinitiativen im Kreis dabei waren, habe klar herausgearbeitet, dass sie sich bei dem Thema andere Rahmenbedingungen und mehr Sensibilität wünscht. „Wir wollen nicht in einem Industriepark leben“, sagt Oblaski mit Blick auf die Windparks. „Wir glauben, dass das Demokratieprinzip bei dem derzeitigen Planungsgehabe leidet – auch wenn wir Befürworter der erneubarer Energie sind.“

Bei der Profit-Frage sind die Kritiker geteilter Meinung

Einen Dissens habe es laut Oblaski bei der Frage gegeben, ob die Kommunen an den Windkraftanlagen verdienen dürfen. Einige waren der Meinung, dass eine Gemeinde nicht profitieren dürfe, wenn die Gesundheit ihrer Bürger leidet. Oblaski findet, dass eine Kommune mit einer festgesetzten Gewerbesteuer von 30 Prozent am Erfolg partizipieren soll – wenn die Anlagen nicht so groß ausfallen und in einem großen Abstand zu Häusern stehen. In Brandenburg sei bisher tatsächlich zu wenig über die Wertschöpfung, die sich aus dem Bereich für die Region ergeben kann, diskutiert worden, sagt Fahrenkrug.

Die Planungskritiker sollen ihre in Rägelin gesammelten Argumente am 25. September in einem weiteren Workshop in Neuruppin der Regionalen Planungsgemeinschaft sowie den Landesvertretern hinter verschlossenen Türen vortragen. Geplant ist aber auch eine größere Gesprächsrunde zum Thema Wind. Gefragt ist dabei die Meinung der Bürger zur Priviligierung der Windräder und zu der Frage, ob die Kommunen frühzeitig genug in die Prozesse der Windplanung eingebunden werden. Wann die Veranstaltung stattfindet, deren Ergebnisse ebenfalls in die Studie einfließen sollen, das steht noch nicht fest. „Das Schöne ist, dass diese Studie keine reine Schreibtischschubladenstudie sein soll“, sagt Fahrenkrug. Statt abstrakt zu sein, soll das Papier das Gefühl der Menschen vermitteln – und der Landes- sowie Bundesregierung gewissermaßen als Handlungsmuster dienen.

Von Celina Aniol

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