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Windräder für viele Tiere ein Verhängnis

Kyritz-Ruppiner Heide Windräder für viele Tiere ein Verhängnis

Zwar soll die Kyritz-Ruppiner Heide frei von Windrädern bleiben. Doch rundherum sind fünf Gebiete für Windkraft ausgewiesen. Eine Bebauung dieser Areale mit Windrädern hätte für viele Tiere katastrophale Folgen. Denn nicht nur in der Heide selbst, auch auf den angrenzenden Gebieten sind seltene, gefährdete Tierarten zu Hause.

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Wanderfalken gehören in Brandenburg zu den streng geschützten Arten.

Quelle: dpa/Ludwig Amen

Neuruppin. Naturverträglich soll sie sein – die Windenergie. Doch immer wieder ist das Gegenteil der Fall. Oft werden weder die Interessen der Bevölkerung noch die der Natur bei der Planung ausreichend berücksichtigt. Umweltverbände ziehen vor Gericht, dort, wo Anlagen errichtet werden sollen, schließen sich die Menschen zu Aktionsbündnissen zusammen. So auch im Landkreis Ostprignitz-Ruppin. Hohe jährliche Pachtzahlungen sind indes für Landeigentümer attraktiv, um Äcker und Wiesen zur Verfügung zu stellen. Haben die Anlagen jedoch ausgedient oder erweisen sich als nicht gewinnbringend, bleiben manchmal die Relikte zurück – im Fall eines 200 Meter hohen Windrades, rund 1500 Kubikmeter Beton für das Fundament.

Zu einer naturverträglichen Energiewende gibt es auch für Naturschützer keine Alternative, vorausgesetzt, geltendes Recht wird eingehalten. Der Druck auf Kommunen und Regionalplaner, neue Flächen auszuweisen, wächst. Naturverträgliche Standorte sind knapp, dennoch sollten Artenschutzbelange gründlich geprüft werden. Der Regionalplanentwurf der Regionalen Planungsgemeinschaft Prignitz-Oberhavel vom April 2015, sieht Windräder rund um die Kyritz-Ruppiner Heide vor.

Windräder wären Verhängnis für gefährdete Tierarten

Die Heide selbst soll zwar verschont bleiben, dennoch wären Windräder in dieser Region für viele Tierarten ein Verhängnis; denn nicht nur die Heide, sondern auch die angrenzenden Gebiete sind ein Rückzugsgebiet für seltene gefährdete Tierarten. Betroffen wären See- und Fischadler, Baum- und Wanderfalken, Rotmilan, Wiedehopf und Ziegenmelker, aber auch Tiere, die auf intensiv genutzten Landwirtschaftsflächen keine Chance mehr haben, wie Lerchen und Ammern.

Wanderfalke auf Jagd

Wanderfalke auf Jagd

Quelle: dpa

Bei der Errichtung von Windanlagen gelten zum Schutz gefährdeter Vogelarten Tierökologische Abstandskriterien (TAK), die vom Land definiert werden. Von der Ländergemeinschaft der Staatlichen Vogelschutzwarten wurden ebenfalls Vorgaben zur Einhaltung von Abständen zwischen Windrädern und Brutstandorten erarbeitet. Die im Jahr 2007 veröffentlichten Abstandsempfehlungen – das sogenannte Helgoländer Papier – gelten auch vor Gericht als wissenschaftliche Messlatte für das Tötungsrisiko von Vögeln. Sie wurden mittlerweile überarbeitet. Die neue Version geht in einigen wichtigen Punkten über die brandenburgischen TAK hinaus.

Wanderfalken mühsam wieder angesiedelt

„Sollten die Anlagen kommen, dann wäre das verhängnisvoll“, sagt Bernd Ewert, Vorsitzender des Neuruppiner Nabu-Kreisverbandes, der sich besonders um die baumbrütenden Wanderfalken sorgt. „Sie sind schon eine große Besonderheit“, sagt er. In den 50er Jahren gab es sie noch überall in Deutschland. Dann wurden ihnen in den 70er Jahren neuartige Pestizide zum Verhängnis. Die Population starb komplett aus. Ein mühsames Wiederansiedlungsprogramm zeigte Erfolg und konnte 2010 beendet werden. Heute gibt es in Norddeutschland etwa 40 Paare, im Bereich der Kyritz-Ruppiner Heide fünf Brutpaare. Zu ihrer Stabilisierung wird im neu überarbeiteten Konzept der Länderarbeitsgemeinschaft ein Schutzradius von 3000 Metern vorgeschlagen, da die Vögel regelmäßig Entfernungen bis zu drei Kilometer um den Horst zur Nahrungssuche nutzen.

„Im unmittelbaren Umkreis der Kyritz-Ruppiner Heide dürften aus Naturschutzsicht keine Windräder errichtet werden“, sagt der Naturschützer. Er appelliert an die Bewohner der Region, das Volksbegehren Windkraft zu unterschreiben und erwartet gespannt das Abwägungsergebnis am Ende der Planungsphase – stehen die aggressiv vorgehenden Investoren im Vordergrund oder der Artenschutz? „Sollten wirtschaftliche Belange schließlich in den Vordergrund gestellt werden, bleibt uns immer noch der Klageweg.“ Dann bleibt abzuwarten, welche Bedeutung die Richter dem neuen Helgoländer Papier beimessen.

Von Cornelia Felsch

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