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Windräder sollen noch wachsen dürfen

Neuruppin Windräder sollen noch wachsen dürfen

In den Kreisen Prignitz, Ostprignitz-Ruppin und Oberhavel sollen bald schon bestehende Windkraftanlagen, die mehr als 750 Meter von Gebäuden entfernt stehen, bis auf 150 Meter Höhe aufgestockt werden dürfen. Diese Änderung hat die Regionale Planungsgesellschaft beschlossen – doch es regen sich auch hier Proteste

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Bürgerinitiativen protestierten vor der Versammlung in Neuruppin für größere Abstände zu Windrädern.

Quelle: Andreas Vogel

Neuruppin. Es wird einen neuen Anlauf für den Regionalplan Wind für die Kreise Prignitz, Ostprignitz-Ruppin und Oberhavel geben. Der Grund: Die Regionalversammlung hat am Mittwochabend mit großer Mehrheit eine Änderung der Abstandskriterien zwischen Windrädern und Häusern beschlossen. Demnach sollen bestehende Windkraftanlagen, die mindestens 750 Meter entfernt sind, auf eine Gesamthöhe von 150 Metern aufgestockt werden können. Das wäre für mehr als 300 Anlagen möglich, sagte Ansgar Kuschel, Leiter der Regionalen Planungsstelle Prignitz-Oberhavel in Neuruppin. Mit der Verabschiedung des Regionalplanes Wind ist damit erst für 2018 zu rechnen, ein Jahr später als bisher vorgesehen.

Landrat Reinhardt: „Wir stehen vor einem Dilemma“

„Wir stehen vor einem Dilemma“, bekannte Ralf Reinhardt. Der Landrat von Ostprignitz-Ruppin ist Vorsitzender der Regionalversammlung. Eigentlich wollte das Gremium, dass der alte Regionalplan Wind schnell geändert wird. Schließlich stammt das Papier aus dem Jahr 2003. Es sieht lediglich einen Mindestabstand von 500 Metern von Windrädern zu Gebäuden vor und erfüllt auch sonst kaum die Anforderungen, die inzwischen für so einen Plan gelten. Doch die mehr als 2000 Hinweise zu dem Entwurf des neuen Planes haben schon bei einer ersten Durchsicht gezeigt, dass die 35 ausgewiesenen Eignungsgebiete heftig umstritten sind.

Von Anwohnern und Bürgern werden 24 der geplanten Gebiete abgelehnt, in denen neue Windräder gebaut werden dürfen, von den Kommunen immerhin 19. Acht weitere Gebiete sollen aus Sicht der Ämter, Städte und Gemeinden zudem reduziert werden. Hinzu kommen eine Reihe von Bedenken von Behörden, etwa aus Gründen des Arten- und des Landschaftsschutzes. Allein dadurch würde ein Drittel der geplanten Eignungsgebiete infrage gestellt, so Kuschel.

Bau von Windkraftanlagen ist privilegiert

Die Bedenken der Behörden haben demnach den Ausschlag dafür gegeben, die Kriterien für Eignungsgebiete nochmals zu prüfen und ein Aufstocken von Windrädern, die mindestens 750 Meter von Gebäuden entfernt stehen, auf 150 Meter Gesamthöhe zu erlauben. „Weil der Bau von Windkraftanlagen laut Baugesetz privilegiert ist, müssen wir den Anlagen genügend Raum geben“, betonte Kuschel.

Schon fast 1000 Windräder in der Region

953 Windräder drehen sich derzeit bereits in den drei Kreisen Prignitz, Ostprignitz-Ruppin und Oberhavel. Das hat eine Zählung der Regionalen Planungsstelle im Frühjahr ergeben.

Um den Bau von Windkraftanlagen steuern zu können, bedarf es eines speziellen Planes. Dieser weist sogenannte Eignungsgebiete aus. Diese sollen einen Mindestabstand zu Gebäuden sowie zu anderen Eignungsgebieten haben. Zudem dürfen durch die Windräder keine bedrohten Tierarten wie Fisch- und Seeadler oder der Rotmilan gestört werden.

Der aktuelle Windplan für die Region Prignitz, Ostprignitz-Ruppin und Oberhavel stammt aus dem Jahr 2003 und entspricht längst nicht mehr den Anforderungen. Denn vor 13 Jahren wurden Windräder mit einer Höhe von etwa 100 Metern gebaut, die neuen Anlagen erreichen eine Höhe von bis zu 220 Metern.

Der neue Windplan für die Region soll nun 2018 in Kraft treten.

Das sah Peter Ligner ganz anders. „Man muss nachweisen, dass man gründlich nach geeigneten Flächen gesucht hat, nicht aber, dass die gewünschte Flächengröße auch gefunden wird“, sagte der Kreistagsabgeordnete aus Oberhavel. Mit dieser Meinung stand Ligner (Linke) am Mittwoch jedoch ziemlich allein da. Das Gros der insgesamt 32 Regionalräte teilte die Bedenken von Planungschef Kuschel und Landrat Reinhardt, dass der Regionalplan von den Gerichten wohl kassiert werden würde, wenn nicht genügend Flächen für den Bau von Windrädern ausgewiesen werden. Sollte das eintreten, könnten Windräder fast überall im Außenbereich von Ämtern, Städten und Gemeinden errichtet werden. Diesen Wildwuchs wollen die Regionalräte nicht riskieren. Auch der Hinweis von Ligner, dass mit dem Aufweichen des geplanten Mindestabstands von 1000 auf nunmehr 750 Meter das Schutzbedürfnis von Anwohnern infrage gestellt werde, konnte das Gros der Regionalräte nicht umstimmen.

Der Herzberger Tischler Rainer Güntheroth ist ein Kritiker der Abstandsregelung

Der Herzberger Tischler Rainer Güntheroth ist ein Kritiker der Abstandsregelung.

Quelle: Andreas Vogel

Das ärgerte ebenfalls Rainer Gün­theroth (53). Der Tischler aus Herzberg kämpft seit mehr als zehn Jahren gegen Windräder, die keine 600 Meter von seinem Haus entfernt sind. „Die Geräusche sind sehr belastend. Daran gewöhnt man sich auch nicht“, so Günthe­roth.

Kritisch wird die Neuregelung des Mindestabstandes jedoch ebenfalls von Windrad-Planungsfirmen gesehen. Christian Wenger-Rosenau aus Wuthenow sprach beispielsweise von „Phantomflächen“ die mit der 750-Meter-Regel geschaffen, aber nicht richtig genutzt werden könnten. Denn neue, moderne Windräder haben inzwischen eine Höhe von 200 bis 220 Metern. Das wirtschaftliche Maximum von Windräder sei nicht entscheidend, entgegnete Planungschef Kuschel. Wichtig sei, dass überhaupt eine Entwicklung von Windkraftanlagen ermöglicht werde.

Dies sei der Fall, auch wenn es sich bei der Neuregelung – in die Autosprache übersetzt – wohl eher um eine Tempo-30-Zone handele, räumte Kuschel ein.

Der bisherige Entwurf des Regionalplanes Wind soll nun bis zum Jahresende 2016 überarbeitet werden muss und danach neu ausgelegt werden. Diese Zeitschiene sei unbefriedigend, sagte Hartmut Lossin, Kreistagsabgeordneter aus der Prignitz (Bauernverband). Schließlich drängen die Gemeinden Karstädt und Plattenburg (beide Prignitz) sowie Kremmen (Oberhavel) auf das Ausweisen neuer Eignungsgebiete.

Von Andreas Vogel

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