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Wintervertreibung auf Gut Hesterberg

Die Sonne lacht den Gästen Wintervertreibung auf Gut Hesterberg

Der Winter hatte am Osterwochenende keine Chance. Auf Gut Hesterberg versammelten sich etwa 300 Gäste, um gemeinsam mit Veranstaltern und Schauspielern die kalte Jahreszeit zu vertreiben. Der Sommer , dargestellt von Judith Steinhäuser, hatte bei der Kontroverse alle Argumente auf seiner Seite, auch wenn er dem Frühling den Vortritt lässt.

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Schauspielerin Judith Steinhäuser kam in der Gestalt der Sonne und hatte für die Kleinsten auch Süßes mit dabei.

Quelle: Cornelia Felsch

Lichtenberg. Der Wind, der am Sonntag über das Feld bei Lichtenberg pfeift, ist kalt und vertreibt die Vorahnung auf die bevorstehende wärmere Jahreszeit. Noch sind kaum Menschen zu sehen, einige der Besucher sitzen in ihren Autos und warten auf den Beginn des Spektakels. Die Seniorchefin Brigitte Hesterberg lässt sich von den kalten Winden nicht beeindrucken. „Wir hatten schon viel schlimmeres Wetter“, sagt sie und erinnert sich an Schneestürme und dicke Flocken, die auf dem Spanferkel landeten, während es sich am Spieß drehte. „Und schließlich wollen wir ja auch den Winter erst vertreiben“, fügt sie hinzu.

Beliebt bei den Gästen ist das Spanferkel vom Grill

Beliebt bei den Gästen ist das Spanferkel vom Grill. Seniorchefin Brigitte Hesterberg verkaufte die Portionen mit.

Quelle: Cornelia Felsch

Bereits zum 11. Mal wird auf Gut Hesterberg am Ostersonntag der kalten Jahreszeit der Garaus gemacht – poetisch und dramatisch geht es zu, auf der Wiese vor dem Gutshaus. Ein Pferd kommt heran galoppiert, in der Kutsche sitzt kein Geringerer als der Winter in persona. Hermann Höcker, der neue künstlerische Leiter des Netzebander Theatersommers, trägt ein silbernes Gewand – eisige Kälte geht von ihm aus. „Meine Macht ist noch lange nicht zu Ende“, ruft er. „Noch tobt der Nordwind in meiner Brust und voll ungebrochener Kampfeslust zwingt dich die Kraft meiner Hände! Die Berge sind noch bedeckt mit Schnee, und der Frost beherrscht noch die Höhen, im Eis sind erstarrt noch der Bach und der See und im Walde erfrieren noch Hase und Reh, wenn meine Eiswinde wehen!“

Und während die Menschenschlange am Spanferkel-Stand nicht enden will – in Erwartung einer deftigen, heißen Mahlzeit – ist es die Schauspielerin Judith Steinhäuser in Gestalt der Sonne, die den Winter mit den Worten des Dichters August Heinrich Hoffmann von Fallersleben vertreiben will: „Wie freu’ ich mich der Sommerwonne, des frischen Grüns in Feld und Wald, wenn’s lebt und webt im Glanz der Sonne und wenn’s von allen Zweigen schallt! Ich möchte jedes Blümchen fragen: Hast du nicht einen Gruß für mich?“

Der Sommer, Judith Steinhäuser, jubiliert

Der Sommer, Judith Steinhäuser, jubiliert.

Quelle: Cornelia Felsch

Vivaldis „Winter“ aus den „Vier Jahreszeiten“ ist verklungen, die Lautsprecher verkünden den „Frühling“ und das Schicksal nimmt seinen Lauf mit „Oh Fortuna“ aus Orffs „Carmina Burana“.

Das Feuer will allerdings nicht recht brennen, die Lichtenberger Feuerwehrleute mühen sich redlich. Gut, dass das Schauspiel in diesem Jahr etwas länger währt. Auf den ersten Teil der Winter-Vertreibung folgt Goethes „Osterspaziergang“ aus dem ersten Teil des „Faust“. „Den haben wir eingebaut, weil wir uns dachten, dass die hier anwesenden Generationen den Text noch kennen“, sagt Judith Steinhäuser. „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche, durch des Frühlings holden, belebenden Blick. Im Tale grünet Hoffnungsglück. Der alte Winter, in seiner Schwäche, zog sich in rauhe Berge zurück.“ Die Schauspielerin ermuntert die Gäste, den Text mitzusprechen. Der Anfang klappt noch ganz gut, dann wird es leiser in den Zuschauerreihen. „Das müssen wir dann noch üben“, sagt Judith Steinhäuser etwas spöttisch. Doch am Ende ist das Spektakel perfekt, der Winter ist vertrieben, die Flammen lodern gen Himmel und der Wind treibt die letzten Worte über die Wiese: „Zufrieden jauchzet groß und klein: Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein!“

Von Cornelia Felsch

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