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Ostprignitz-Ruppin Wirtschaftsstudie als Weckruf
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wirtschaftsstudie als Weckruf
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19:21 15.01.2018
Zeichen wirtschaftlicher Stärke: die Swiss-Krono-Werke in Heiligengrabe. Quelle: on 1.00
Perleberg/Neuruppin

Platz 374 unter 384 bewerteten Landkreisen – das klingt nicht gerade nach einer guten Bewertung für die Prignitz. Allerdings wird in den Regionen die bundesweite Studie von „Focus-Money“, bei der sieben Kriterien berücksichtigt wurden, als durchaus fragwürdig angesehen.

Der Landkreis tat sich zum Beispiel schwer mit Bewertung, alleine weil die Bewertungskriterien nicht wirklich transparent sind. Landrat Torsten Uhe kommt zu folgendem Schluss: „Insgesamt stellt sich die Frage, ob solche Darstellungen überhaupt aussagefähig sind. So sind zum Beispiel die Investitionen im verarbeitenden Gewerbe je Beschäftigten für kleine Betriebe statistisch nicht erfasst. Mit Aufnahme solcher Kriterien und einer entsprechenden Gewichtung würde man eher zu einer realistischen Bewertung kommen.“

Die Prignitz ist optimistisch

Uhe kann dem „Focus-Money-Landkreis-Ranking“ dann aber auch etwas Positives abgewinnen: „Mit diesem Ranking nehme ich zur Kenntnis, dass das verfügbare Einkommen je Einwohner in der Prignitz über dem in der Stadt Leipzig liegt“, konstatiert er. „Im Übrigen hat sich die Platzierung des Landkreises Prignitz zum Vorjahr kaum verändert. Andere Regionen, wie unser Nachbarkreis Ludwigslust-Parchim, sind gegenüber dem letzten Ranking um 45 Plätze zurückgefallen.“ Die Prignitzer Wirtschaft jedenfalls schaue optimistisch auf 2018. „Und Lebensqualität umfasst sehr viel mehr als lediglich nackte Wirtschaftszahlen.“

Auch die Bundestagsabgeordnete Kirsten Tackmann hält die Bewertungskriterien in dem Ranking für widersprüchlich. Allerdings sieht sie in der Studie dennoch einen „Weckruf“ dafür, sich dagegen zu wehren, dass ländliche Regionen weiter abgehängt werde. „Ich fordere seit Langem vom Land eine Politik für den ländlichen Raum“, betonte Tackmann. Der Linken-Fraktionschef im Prignitzer Kreistag, Bernd Polte, wundert sich nicht darüber, das die Prignitz im Ranking so weit hinten landet: „Da sind auch Kriterien wie Bevölkerungsentwicklung drin“, sagt er. Und die ist nach wie vor eher negativ.

Ostprignitz-Ruppin hat sich um 55 Plätze verbessert

Eine wesentlich bessere Lage bescheinigt die Studie Ostprignitz-Ruppin. Der Landkreis hat sich um 55 Plätze auf Rang 296 verbessert. Vize-Landrat Werner Nüse (SPD) wertet das, bei aller Skepsis zur Sinnhaftigkeit dieses Rankings, als „Bestätigung für die allgemein als positiv empfundene Entwicklung“ von Ostprignitz-Ruppin. Neben der wirtschaftlichen Entwicklung und der in Teilen des Kreises durchaus spürbaren Nähe zu Berlin dürfte auch die „signifikante Verbesserung der Kreisfinanzen und die damit verbundene wieder gewonnene Handlungsfähigkeit eine Rolle spielen“, so Nüse. Hatte der Landkreis doch sein millionenschweres Defizit fünf Jahre früher als geplant abbauen können. Der Vize-Landrat geht davon aus, dass sich der positive Trend fortsetzen wird.

Auch für die Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam kam das verbesserte Abschneiden von Ostprignitz-Ruppin im Ranking keinesfalls unerwartet. Habe sich doch die Zahl der Beschäftigten im Landkreis seit 2005 kontinuierlich erhöht und lag schon 2016 etwa 15 Prozent höher als 2005, sagt Torsten Stehr, der bei der IHK Potsdam den Bereich Standortpolitik leitet.

Sogar über dem Bundesdurchschnitt

Die Wertschöpfung im produzierenden Gewerbe in Ostprignitz-Ruppin hat sich demnach seit 2005 sogar in etwa verdoppelt, und bei der Exportquote der Industrie sowie dem Exportanteil am Umsatz gehöre der Landkreis mit über 50 Prozent im Jahre 2016 zur Spitzengruppe in Brandenburg und liege sogar über dem Bundesdurchschnitt. „Ostprignitz-Ruppin wird vor dem Hintergrund dieser Dynamik als sogenannter Berlinferner Landkreis aus unserer Sicht seit Jahren unterschätzt“, betont Stehr.

Einschränkend gilt, dass sich die absoluten Zahlen bei Umsatz, Einkommen und Exportvolumen im Bundesvergleich auf niedrigerem Niveau liegen als beispielsweise in Landkreisen in Süddeutschland.

Wenig überraschend: Sieger aus dem Süden

Die Daten, die „Focus-Money“, zusammengestellt hat, stammen von den Statistischen Landesämtern und der Bundesagentur für Arbeit. Berücksichtigt wurden die Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt, das Wachstum des Bruttoinlandprodukts im Vergleich zum Vorjahr, die Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigen, das verfügbare Einkommen privater Haushalte je Einwohner sowie die Veränderung der Erwerbstätigenzahl und der Bevölkerungszahl zum Vorjahr sowie die Investitionen im verarbeitenden Gewerbe je Beschäftigten.

Wenig überraschend liegen an der Spitze des Rankings auf den ersten 18 Plätzen Landkreise und kreisfreie Städte aus dem Süden Westdeutschlands – angeführt von Böblingen (Baden-Württemberg), Ingolstadt und Ebersberg (beide Bayern). Erst auf Rang 15 folgt ein Landkreis aus einem anderen Bundesland: Mainz-Bingen aus Rheinland-Pfalz. Köln (Nordrhein-Westfalen) liegt auf Rang 19.

Die IHK ist optimistisch, dass sich die „positive wirtschaftliche Entwicklung“ in Ostprignitz-Ruppin fortsetzen wird. Denn die Standortverbundenheit der Unternehmen sei laut einer Umfrage in keinem anderen Landkreis des Potsdamer IHK-Bezirkes so hoch wie in Ostprignitz-Ruppin. Kritisch wird allerdings vielfach die Fachkräftesituation gesehen. Auch bei der Verfügbarkeit von schnellem Internet, dem innerörtlichen Straßenverkehr und der Attraktivität der Innenstädte sehen viele Unternehmen durchaus noch Nachholebedarf – ganz zu schweigen von einer schnellen und pünktlichen Anbindung ins Berliner Stadtzentrum. Hinzu kommt, dass ein Großteil der Firmengründer, die sich nach 1989 selbstständig gemacht haben, bald in den Ruhestand geht. Deshalb gelte es, diese Firmen zu erhalten, so Stehr.

Teltow-Fläming landet wieder in den Top 100

Der beste Landkreis aus der Mark ist erneut Teltow-Fläming. Er verbesserte sich um 29 Ränge auf Platz 45. Indes hat Potsdam-Mittelmark mit Rang 105 erneut die Platzierung unter die Top 100 knapp verpasst. Im Vorjahr lag Potsdam-Mittelmark auf Rang 101.

Der Partnerkreis der Prignitz, Neuss in Nordrhein-Westfalen, konnte sich stark verbessern, von Rang 69 auf 26. Der Partnerkreis von Ostprignitz-Ruppin, Coesfeld (auch in Nordrhein-Westalen), verschlechterte sich hingegen von Rang 199 auf Platz 218.

Auch Oberhavel hat sich in dem Ranking verschlechtert, von Rang 83 auf Platz 136. Damit rangiert Oberhavel aber vor Dresden (Platz 143), Leipzig (Rang 156) und Potsdam (Platz 241).

Zu den großen Gewinnern des Rankings gehört die Uckermark. Der Landkreis verbesserte sich um 132 Plätze und landete auf Rang 235.

Die Studie findet sich unter www.focus.de/immobilien/kaufen/landkreistest

Von Bernd Atzenroth und Andreas Vogel

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