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Ostprignitz-Ruppin Wittstock: Auf dem Weg zum ersten Roman
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock: Auf dem Weg zum ersten Roman
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00:17 09.06.2016
Malgorzata Rosenblatt Quelle: Björn Wagener
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Wittstock

Wäre sie eine Fließbandarbeiterin – sie würde jede Norm verderben: Aber Malgorzata Rosenblatt arbeitet in keiner Fabrik, höchstens in ihrer ganz persönlichen Gedankenfabrik. Denn sie schreibt Gedichte – und das sehr schnell. Die Ideen kommen spontan, meist einfach aus einem Gefühl oder einer Stimmung heraus, manchmal während ihrer Arbeit am Imbissstand, manchmal beim Autofahren oder auch einfach so. 200 bis 300 Stück habe sie in den vergangenen zwei Jahren geschrieben – genug für drei Bücher. „Seelen Träume“ hieß das erste, das im Mai 2015 herauskam. Dann folgte im Juli „Wörter Tanz“ und schließlich im Januar 2016 „Fotografia uczuc“ (Gefühle in Bildern) in polnischer Sprache. Die gebürtige Polin hat kein Problem damit, gedanklich zwischen ihrer Heimat und ihrem Zuhause buchstäblich hin und her zu pendeln.

Der erste Gedanke entscheidet

Sie schreibt in Deutsch ebenso wie in Polnisch. „Wenn der erste Gedanke auf Deutsch ist, entsteht das ganze Gedicht auf Deutsch, ist er auf Polnisch, wird es ein polnischer Text“, erzählt die 39-Jährige. Doch ganz gleich in welcher Sprache: Sie bleibt immer in der Ich-Form, weil sie so ihre Gefühle besser rüberbringen könne. Malgorzata Rosenblatt lebt bereits seit 20 Jahren in Deutschland. „Ich kam als Au-Pair, wollte vor allem die Sprache lernen.“ Doch sie blieb – der Liebe wegen. Heute spricht sie perfekt Deutsch, auch wenn ihr Akzent ihre Herkunft verrät.

Ebenso unkonventionell wie sie ans Schreiben geht, machte sie sich auch an die Veröffentlichung ihrer Gedichte. Ansporn und Unterstützung kam dabei von einer Autorengemeinschaft bei Facebook. Gemeinsam mit einem dortigen Mitglied entstand ein ganz spezieller Text, eine Art Zwiesprache, die dem Buch „Wörter Tanz“ später schließlich seinen Namen gab. Diese Kontakte brachten Malgorzata Rosenblatt auch dazu, einen Verlag zu suchen. Schon beim zweiten Anlauf habe es geklappt.

Der Chef war sofort überzeugt

„Ich schickte Probe-Gedichte und überzeugte den Verlagschef sofort.“ Als ihre Freunde in Polen eines Tages fragten, warum sie nicht auch eine Gedichtsammlung auf Polnisch herausbringe, tat sie das kurzerhand. Sogar das Coverfoto, ein Motiv aus ihrer Heimatstadt, machte die Wahl-Wittstockerin selbst. Inzwischen habe sie schon drei Lesungen gehalten, auf Deutsch ebenso wie auf Polnisch - in Polen sogar in beiden Sprachen, weil es dort viele deutsche Urlauber gebe. Insgesamt habe sie von ihren drei Gedichtbüchern bisher rund 150 Exemplare verkauft.

Ich habe nie gern gelesen

Doch nun macht sich Malgorzata Rosenblatt daran, neue Ufer zu erkunden. Denn sie arbeitet an einem Kurzroman – mehr als 100 Seiten soll er nicht haben. „Denn ich mag keine dicken Bücher“, sagt sie und bekennt: „Ich habe eigentlich auch nie besonders gern gelesen, hatte irgendwie nie Zeit dafür.“ Die Geschichte ist gerade im Entstehen. Im September soll sie fertig sein. Der Titel lautet: „Der Beobachter“. „Es geht um ein Pärchen und die Suche nach der ganz großen Liebe, die es nicht gibt, eine Geschichte, die jedem passieren könnte. Ich will ein Kopfkino auslösen“, sagt die Autorin. Für größtmögliche Authentizität sorge die Hilfe eines Mitstreiters aus der Autorengemeinschaft. Schließlich solle die typische Männer-Denke nicht frisiert oder gar feminisiert werden. „Männer reagieren eben anders, auf ihre Weise. Darauf würde ich mitunter gar nicht kommen.“

Bis vor ein paar Tagen sei sie sich noch nicht sicher gewesen, ob die Handlung ein Happy-End haben sollte. Letztendlich entschied sie sich dagegen. „Ich will kein Happy-End. Das ist doch langweilig. Alle Geschichten enden so. Außerdem lasse ich mir damit die Möglichkeit für eine Fortsetzung offen.“ Ob es dazu kommt, hängt letztlich auch vom Verkaufserfolg ab.

Von Björn Wagener

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