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Wittstock setzt Zeichen gegen Neonazis

Nachbarschaftsfest in der Rote-Mühle-Siedlung Wittstock setzt Zeichen gegen Neonazis

Mit einem Nachbarschaftsfest in der Rote-Mühle-Siedlung hat Wittstock am Sonnabend ein Zeichen gegen einen Neonazi-Aufmarsch gesetzt. Rund 200 Rechtsextreme zogen währenddessen durch die Stadt, abgeschirmt von 300 Polizisten. Zu nennenswerten Zwischenfällen kam es nicht. Gegen einige Neonazis wird aufgrund ihrer Kleidung ermittelt.

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Quelle: Christamaria Ruch

Wittstock. Was vereint die Bewohner der Roten-Mühle-Siedlung? Die meisten von ihnen haben an einem anderen Ort gewohnt, bevor sie vor 20 oder weniger Jahren in das jüngste Wittstocker Wohngebiet zogen. „Wir möchten über das Gefühl reden, wie sich Leute nach einem Umzug hierher fühlen – egal welcher Nation“, sagte Gerhard Richter vom Aktionsbündnis „Wittstock bekennt Farbe“ über die Idee des ersten Nachbarschaftsfestes „Fremde werden Freunde“ am Samstagnachmittag. Das Quartiersmanagement der Rote-Mühle-Siedlung und viele weitere Mitstreiter aus der Stadt hatten das Fest vorbereitet.

Bei der bunten Veranstaltung rückten die Kulturkreise zusammen. Mehr als 250 Einwohner und Gäste verschiedener Nationen feierten miteinander – und setzten so ein eindrucksvolles Zeichen gegen einen Aufmarsch Rechtsextremer, der am selben Tag durch Wittstock führte. Unter dem Motto „Gegen Asylpolitik“ zogen nach Polizeiangaben knapp 200 Rechtsextreme durch die Straßen. Rund 300 Beamte der Landes- und der Bundespolizei waren im Einsatz.

Musik, Gespräche mit und ohne Dolmetscher, das gemeinsame Spielen und Einblicke in die internationale Küche standen unterdessen beim Nachbarschaftsfest im Vordergrund. Der Chor Katjuscha sang russische Weisen, das Black-Bird-Café-Orchestra Berlin spielte Weltmusik; beim Spielmobil drehten die kleinen Gäste mit Fahrzeugen ihre Runden. Der Jugendkreuzweg der evangelischen Kirchengemeinde Wittstock beendete seine Tour mit einer Andacht beim Nachbarschaftsfest. „Als vor einem halben Jahr die ersten syrischen Kriegsflüchtlinge nach Wittstock kamen, war ich neugierig auf diese Menschen“, sagte Gerhard Richter. Er wollte sich konkret für diese neuen Einwohner engagieren. Daher trat er dem Aktionsbündnis „Wittstock bekennt Farbe“ bei und organisierte wenige Monate später das Fest mit. „Über Ideologien und Asylrecht möchten wir nicht reden, sondern über das Leben.“ Und: „Alle bringen ihre Herkunftsgeschichte hier an diesen Ort mit. Es ist wichtig zu erfahren, wie sich Leute fühlen, wenn sie hierher kommen.“ Aus diesem Gedanken entwickelte Richter die Idee einer „Galerie der verlorenen Heimat“ und eines Gesprächsforums. An einer Pinwand hingen etwa Fotografien aus dem syrischen Homs und Aufnahmen aus Sachsen-Anhalt nebeneinander.

Flagge für Toleranz zeigte Marlies Woellner aus dem mecklenburgischen Wredenhagen. Spontan besuchte sie das Nachbarschaftsfest. „Die Fahne mit den vielen Flaggen habe ich schon lange, aber heute kommt sie zum ersten Mal zum Einsatz“, sagte sie. Auch Carmen Lange vom Aktionsbündnis fand deutliche Worte: „Wir möchten den Neonazis zeigen: Wenn sie gegen die Flüchtlinge hetzen, sprechen sie nicht für Wittstock.“

Die Rechtsextremen zogen von 14.30 bis 17.15 Uhr durch die Stadt – mit Zwischenstopp in der Polthierstraße und einer Abschlusskundgebung am Markt. „Sitz- und Blockadeversuche, insbesondere am Marktplatz, konnten durch Polizeibeamte verhindert werden“, sagte Polizeisprecherin Ariane Feierbach. In einem Fall von Widerstand und Beamtenbeleidigung sei eine Strafanzeige aufgenommen worden. Ermittelt wird gegen sechs Teilnehmer des Neonazi-Aufmarschs – wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz, weil sie offenbar uniformähnliche Jacken trugen.

Von Christamaria Ruch

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