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Wittstock/Dosse Bewährung für 22-jährigen Wittstocker
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse Bewährung für 22-jährigen Wittstocker
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16:51 28.06.2018
ARCHIV - Ecstasy-Pillen Quelle: dpa
Wittstock

Es liegt ein harter Weg vor dem Angeklagten, sagte Richterin Sandra Marks. Denn der 22-jährige Wittstocker muss sich einer Suchtentwöhnungstherapie unterziehen, eine Ausbildung nachholen – um in Zukunft sein Leben frei von Drogen und Straftaten führen zu können.

Bewährungszeit als Chance nutzen

Unter anderem wegen Drogenhandels und gefährlicher Körperverletzung verurteilte die zweite große Strafkammer des Landgerichts Neuruppin den jungen Mann am Donnerstag zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und neun Monaten. Diese wurde zur Bewährung ausgesetzt. Das Gericht setzte die Bewährungszeit auf drei Jahre fest. Für den Zeitraum von zwei Jahren bekommt der Angeklagte einen Bewährungshelfer zur Seite gestellt. Der 22-Jährige muss sich umgehend um einen stationären Therapieplatz kümmern. Bis er den antreten kann, muss er monatlich 40 Stunden soziale Arbeit leisten.

Arbeitsstunden als Auflage, um eine Tagesstruktur zu bekommen

„Sie brauchen eine Tagesstruktur, deshalb die gemeinnützige Arbeit“, sagte Richterin Marks.

Ein Vorwurf bestätigte sich nicht

Es ging um vier Vorfälle. Ein Vorwurf war bereits am vergangenen Verhandlungstag eingestellt worden: Der, im Juni 2017 in Wittstock einen 14-Jährigen abgezogen zu haben. Der Junge hatte vor Gericht ausgesagt, dass sich der Vorfall nicht so, wie von ihm bei der Polizei geschildert, zugetragen hatte.

Umfassendes Geständnis abgelegt

Übrig blieben drei weitere Anklagepunkte, für die sich der 22-jährige Wittstocker noch zu verantworten und die er freimütig eingestanden hatte. So hatte er im November 2015 in Wittstock zwölf Ecstasytabletten zum Preis von je zwei Euro an einen Abnehmer verkauft. Im Januar 2016 dann griff er einen 27-Jährigen an, weil er diesen verdächtigte, in seine Wohnung eingebrochen zu sein und seinen kleinen Hund misshandelt zu haben. Zur Verstärkung hatte er sich einen Kumpel mitgenommen. Beide packten den Mann am Hals, der Angeklagte hielt ihm eine Schreckschusswaffe an den Kopf – und drückte ab. Das Opfer erlitt eine Platzwunde an der Nase und musste im Krankenhaus behandelt werden. Bei einer Durchsuchung im Mai 2016 fand die Polizei in der Wohnung des Angeklagten unter anderem etwa 70 Gramm Marihuana und eine Schreckschusspistole.

Jugendrecht wegen Reifeverzögerung

Obwohl der bereits vorbestrafte Angeklagte zur Tatzeit bereits 20 Jahre alt war, empfahl die Jugendgerichtshilfe die Anwendung von Jugendrecht. Der 22-Jährige habe in den Tag hinein gelebt, sei recht antriebsarm und habe den Kopf in den Sand gesteckt, so die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe. Derzeit sehe sie kleine Schritte hin auf dem Weg zu einer Therapie. Und diese wäre das A und O laut Jobcenter, um ihn auf dem Arbeitsmarkt zu vermitteln.

Das Gericht schloss sich der Auffassung an und verurteilte nach Jugendrecht. Seit der Pubertät greife bei dem Angeklagten keine Erziehung mehr. Er habe sich allen erzieherischen Einflüssen entzogen, sei es von Seiten der Familie, der Schule oder der Jugendgerichtshilfe. Dazu komme seine Drogenproblematik, so die Richterin. Man müsse jedem jungen Menschen eine Nachreife zugestehen.

Der Verteidiger hatte, anders als die Staatsanwältin, für eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung plädiert. Sein Mandant sei kein „abgebrühter“ Angeklagter. Er habe eine schwierige Zeit hinter sich und versuche nun, sein Leben auf die Reihe zu bekommen. „Im Gefängnis ist ihm nicht geholfen. Wir wollen ja resozialisieren.“ Die Staatsanwältin hatte sich gegen eine Bewährung ausgesprochen. Sie könne nicht erkennen, dass seine Pläne mehr als reines Wunschdenken seien. Das Gericht dagegen setzte Vertrauen in den Angeklagten.

Angeklagter ist nicht nurOpfer, sondern auch Täter

„Der Maßstab im Jugendrecht ist der Erziehungsbedarf – und der ist bei Ihnen hoch“, so die Richterin. Sie hielt ihm vor, dass er nicht nur Opfer, sondern auch Täter sei. Sie riet ihm dringend, sich aus seinem bisherigen Umfeld zu lösen und sich eine Suchteinrichtung möglichst außerhalb von Brandenburg zu suchen. Er sei noch jung und habe alle Möglichkeiten. Die muss er jetzt nutzen. Das Gericht hat ihm den Weg gezeigt.

Von Dagmar Simons

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