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Wittstock/Dosse Regina Scheer las aus „Machandel“
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse Regina Scheer las aus „Machandel“
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00:33 17.05.2018
Die Berliner Autorin Regina Scheer kennt die Gedenkstätte Belower Wald und las nun dort aus „Machandel“ vor. Quelle: Christamaria Ruch
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Der Roman „Machandel“ hat die Autorin Regina Scheer aus Berlin schon weit getragen. Sie erhielt im Erscheinungsjahr 2014 dafür den Mara-Cassens-Preis, der bundesweit höchstdotierte Literaturpreis für ein deutschsprachiges Romandebüt. Am 30. Mai nimmt sie den ver.di Literaturpreis Berlin-Brandenburg entgegen.

Am Sonntagnachmittag las die Schriftstellerin aus „Machandel“ in der Gedenkstätte Todesmarsch Belower Wald anlässlich des Museumstages. „Es ist heute das erste Mal, dass ich bei einer Lesung das Kapitel „Todesmarsch“ vortrage“, sagte Scheer den 20 Zuhörern. Mit Blick auf die Geschichte dieses Ortes passte dieser Einstieg.

Machandel bedeutet Wacholder

Der Buchtitel „Machandel“ geht auf das niederdeutsche Wort für Wacholder ein. Machandel heißt auch der fiktive Ort in Mecklenburg, an dem die Lebenslinien von vielen Menschen zusammenlaufen.

Regina Scheer (l.) signierte Bücher und stand lange mit dem Publikum im Gespräch. Quelle: Christamaria Ruch

Der Roman beleuchtet die Zeitspanne von den 1930er Jahren bis in die Gegenwart 2010 und erzählt aus der Sicht von fünf Blickwinkeln: Die Hauptdarstellerin Clara, ihr Vater Hans, Überlebender des Todesmarsches, die ukrainische Zwangsarbeiterin Natalja, die aus Hamburg geflohene Emma und Herbert, ein Dissident in der DDR, kommen dabei zu Wort. Sie erinnern sich an Ereignisse in ihrem Leben und vermitteln ein Bild der Zeit.

Die Erzähler verbinden in der Rückschau verschiedene Erinnerungen zu einem Ereignis. „Ich kann nur über das Ende der DDR erzählen, wenn ich auch auf den Anfang eingehe“, sagte Regina Scheer über ihr Buch.

Und auch diesem Anfang ging eine Zeit voraus, die sie in „Machandel“ beleuchtet. „Ich war schon einige Male hier und ganz besonders dieser Wald berührt“, sagte Regina Scheer mit Blick auf den Todesmarsch im April 1945 und die zwischen 16 000 und 18 000 Häftlinge aus Sachsenhausen, die damals ohne Unterkunft und Versorgung im Belower Wald lagerten.

Dieses Buch zeigt Lebensgeschichten vor dem Hintergrund der politischen Epochen. Es geht um das soziale Gefüge in den Dörfern, um das generelle Schweigen, um die Probleme der Vertriebenen. Weltgeschichte spielt sich in einem Dorf ab, wie der Leser erfährt.

Viele Details im Roman gehen auf 30 Interviews zurück, die die Publizistin, Historikerin und Herausgeberin ab 1987 gemeinsam mit der Historikerin Annette Leo und im Auftrag des Sachsenhausenarchivs führte. „Wir sprachen mit ehemaligen Häftlingen am Ende ihres Lebens und am Ende der DDR“, so Scheer. „Jede Geschichte davon wäre ein Roman“, sagte sie.

Der Roman verarbeitet Schicksale von ehemaligen Häftlingen aus Sachsenhausen, die beim Todesmarsch 1945 auch nach Below kamen. Quelle: Christamaria Ruch

Auch wenn sie bei diesen Interviews als Historikerin arbeitete, sah sie diese Arbeit nie als wissenschaftlichen Stoff an. „In einer fiktiven Geschichte ist das besser darstellbar“, begründete die Autorin. Wie die Menschen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges „sich selbst verleugneten, ist der heutigen Generation nicht erklärbar. Die Menschen gingen damals durch die Hölle und waren zu ganz anderen Kompromissen bereit. Es ist leicht, Menschen und ihre damaligen Handlungen zu verurteilen, aber darum geht es nicht. Es geht nicht um Schwarz-Weiß, sondern ein Schriftsteller muss die Nuancen der Grautöne darstellen“, sagte Regina Scheer.

Emma rettet Häftlinge

„Was die Menschen in ihren Leben tun, ist entscheidend.“ Dabei hatte sie etwa die Romanfigur Emma vor Augen, die sich sehr menschlich verhielt und Häftlinge nach ihrer Flucht nicht verriet.

Die Tragik des jungen Mädchens Marlene lässt sich historisch belegen. „Das ist sehr real und geht auf die Euthanasie im Zweiten Weltkrieg ein“, sagte Scheer. Auch das Schicksal von Kindern, die ihren Müttern nach 1945 weggenommen wurden, weil ihre Väter aus Russland stammten, findet sich in „Machandel“ wieder. In Barth gab es für diese Kinder, die dann aus verschiedenen Gründen früh starben, einen Grabstein. „Dieses Geschichte hat mich schon zu DDR-Zeiten bewegt“, sagte Regina Scheer.

„Machandel“ geht auf das Schweigen nach traumatischen Kriegsereignissen ein. „Scham und Ohnmacht sind dafür eine Ursache, es ist schwierig, mit solchen Erinnerungen umzugehen“, so Regina Scheer. Ihre differenzierte Sicht auf die Personen im Roman und ihr Anspruch, Fragen und andere Meinungen auch in der Rückschau zuzulassen, machen „Machandel“ zu einem Lehrstück der Geschichte.

Von Christamaria Ruch

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