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Wittstock/Dosse Sowjetische Gräber erhalten Gesicht zurück
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse Sowjetische Gräber erhalten Gesicht zurück
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15:27 04.12.2018
143 Soldaten und Offiziere der Roten Armee ruhen seit 1945 auf dem sowjetischer Soldatenfriedhof in Wittstock. Quelle: Christamaria Ruch
Wittstock

Der sowjetische Soldatenfriedhof am Bahnhofsvorplatz in Wittstock liegt mitten im Verkehrstreiben der Dossestadt. Links und rechts führen zwei Straßen entlang und damit auch jede Menge Verkehrslärm. Doch wer den Friedhof betritt, taucht unweigerlich in Stille ein.

Die Steinrestauratorin Paula Kropius aus Königsberg arbeitet seit Mitte November auf diesem Friedhof. Mit Blick auf die Landesgartenschau 2019 in Wittstock wird nun die gesamte Anlage aufgewertet. Natursteinarbeiten stehen im Mittelpunkt. „Die Steine werden gereinigt und die Schrift erneuert“, sagt Paula Kropius. Das Vorhaben kostet 50 000 Euro, davon werden 40 000 Euro, also 80 Prozent, über Mittel aus dem Partei- und Massenorganisationenvermögen getragen. Diese Mittel stellt das Land Brandenburg den Kommunen bereit. Der Eigenanteil in Höhe von 10 000 Euro wird von der Laga-Gesellschaft Wittstock getragen, teilt deren Pressesprecher Matthias Bruck auf MAZ-Nachfrage mit.

Silvia Gering und Christian Maahs lösen mit den Dampfreinigern den Dreck porentief. Quelle: Christamaria Ruch

143 Soldaten und Offiziere der Roten Armee haben auf diesem Friedhof in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges ihre letzte Ruhe gefunden. 49 Grabsteine aus Granit stehen in zehn Reihen ausgerichtet. Hinzu kommen zur Bahnhofsseite hin zwei große Steine. Der Zahn der Zeit nagte an den Mahnmalen. Schriftzüge sind verblasst und unleserlich, Farbe abgeblättert, Algen und Flechten besiedeln die Steine.

Paula Kropius sitzt die Zeit im Nacken, denn bis zum Beginn der Landesgartenschau im April kommenden Jahres muss alles fertig sein. Auch die Witterung gehört zu den Unwägbarkeiten. Deshalb wirken an ihrer Seite bis zu vier Frauen und Männer mit: Steinrestauratorin Silvia Gering, Steinmetzin Rita Thiele, Grafikdesigner Sebastian Stötzer und Quereinsteiger Christian Maahs. Er ist als Helfer in der Restauration tätig und arbeitet ausschließlich unter Anleitung von Paula Kropius. „Die Herausforderung bei dieser Baustelle ist die umfangreiche Logistik“, so Kropius.

Paula Kropius trägt die ursprüngliche Farbe in bräunlichem Rot auf einem Grabstein auf.. Quelle: Christamaria Ruch

Fünf Leute müssen bei ihren Arbeiten koordiniert und das Wetter kalkuliert werden. Neben der trockenen Reinigung mit einer Wurzelhaarbürste und dem Skalpell kommt auch der Dampfreiniger zum Einsatz. Mit dem 145 Grad heißen Dampfreiniger holen die Fachleute porentief die Verunreinigungen aus dem Stein. „Doch bei Außentemperaturen von 0 Grad ist Schluss mit dem Dampfreiniger“, sagt Paula Kropius. Die neue Schrift kann nur bei bis zu 5 Grad Außentemperatur aufgemalt werden.

„Beim Bauamt in Wittstock erfolgte eine umfangreiche Vorrecherche zu den Grabsteinen und den Schriftzügen. Das hilft uns sehr gut, um alles genau zu entziffern und nachzuzeichnen“, sagt Paula Kropius. Bei den Farbuntersuchungen ging sie in die Tiefe und legte mehrere Farbschichten frei. „Die jüngste Schrift war in weißer Farbe gefasst, darunter war Rot zu finden und die erste Schicht ist in bräunlichem Rot gehalten“, sagt sie. Ende der vergangenen Woche stimmte sie sich mit der unteren Denkmalbehörde aus Neuruppin bei einem Vororttermin ab.

Alte Farbschichten werden mit dem Skalpell abgekratzt. Quelle: Christamaria Ruch

„Die neue Schrift wird in dem ursprünglichen bräunlichem Rot gehalten“, so Kropius. Nun kommt Alcydharzfarbe zum Einsatz. Gemeinsam mit Sebastian Stötzer beginnt Kropius mit dem Nachzeichnen. Dabei wird auch noch alte Farbe mit dem Skalpell abgekratzt, bevor die neue Schicht aufgetragen wird. Auf den 45 gleichgroßen Granitsteinen ist jeweils ein roter Stern dargestellt, in dessen Mitte sich Hammer und Sichel abzeichnen. „Das ist eine sehr aufwändige Arbeit, alles exakt wieder darzustellen“, sagt Kropius.

Anschließend erhalten die kyrillischen Buchstaben ein neues Gesicht. Auch deshalb gehört Sebastian Stötzer und sein Sachverstand als Grafikdesigner nun zum Team auf der Baustelle. Unterdessen sind Silvia Gering und Christian Maahs mit dem Dampfreiniger zugange. „Wenn beide Steinseiten gereinigt werden, dauert es drei bis vier Stunden“, sagt Christian Maahs. Vor allem an den Schriftzügen wird die Arbeit intensiver. „Diese Baustelle ist sehr präsent, immer wieder kommen Leute her, schauen sich die Steine an und kommen mit uns ins Gespräch“, so Paula Kropius.

Von Christamaria Ruch

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