Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Wittstock/Dosse Bahnreisende wollen einen Fahrkartenschalter
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse Bahnreisende wollen einen Fahrkartenschalter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:21 15.03.2019
Der Prignitz-Express hält im Wittstocker Bahnhof. Quelle: Björn Wagener
Wittstock

Wer mit der Bahn fahren möchte, braucht ein Ticket. Klar. Dafür gibt es in Wittstock einen Automaten. Er befindet sich direkt am Zugang zu den Bahnsteigen. Reisende, die innerhalb der Reichweite des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) unterwegs sind, können sich ihre Fahrkarten auch bei der Wittstocker Niederlassung der Ostprignitz-Ruppiner Personennahverkehrsgesellschaft (ORP) in der Ruppiner Straße 8 im Gewerbegebiet Stadtberg holen – oder direkt bei einem Busfahrer. Die ORP und die DB Regio Nordost mit Sitz in Potsdam gehören beide dem VBB an.

Doch dieses System habe entscheidende Schwächen, finden Elke und Helmut Wegner aus Wittstock. Elke Wegner muss regelmäßig nach Tübingen (Baden-Württemberg) und nutzt dafür die Bahn.

Keine Ermäßigungen

„Wir haben eine Bahncard. Wenn wir die Reise sechs bis acht Wochen im Voraus buchen, bekommen wir eine Ermäßigung“, sagt Elke Wegner. Dabei gehe es immerhin um 80 bis 100 Euro. Auch Bonuspunkte, die es für Bahncard-Besitzer gebe, wirkten sich vergünstigend auf den Fahrpreis aus.

Aber das Senioren-Paar habe sie nicht einlösen können, weil das nur online oder an einem Schalter möglich sei: „So konnten wir sie am Ende wegwerfen. Wer von den älteren Leuten hat denn einen Computer?“ Außerdem sei die Handhabung des Automaten umständlich und unübersichtlich.

Im Fahrkartenkauf beim Zugpersonal sehen die Wegners ebenfalls keine echte Alternative. Denn dort wird ein Bordpreis – ein Aufpreis in Höhe von 19 Euro – fällig. Deshalb plädiert das Senioren-Paar dafür, dass ein Fahr­karten-Schalter eingerichtet werden sollte.

Reisebüro zog sich zurück

Bis Ende 2018 konnten Reisende noch Bahn-Tickets im Reisebüro „Ferienwelt“ in der Poststraße 33 kaufen. Inzwischen geht das nicht mehr. „Der Aufwand war zu groß“, sagt Inhaberin Brigitte Pawelek. Die geringen Einnahmen hätten in keinem Verhältnis zum Aufwand gestanden. Die Beratung von potenziellen Fahrkartenkäufern habe mitunter bis zu einer Stunde gedauert. Zeit, die für den Verkauf von Reisen – dem eigentlichen Geschäft – verloren ging. Außerdem war das Reisebüro Ansprechpartner, wenn es auf Bahnreisen, die dort verkauft wurden, zu Problemen kam. Brigitte Pawelek fürchtete zudem, für eventuelle Ersatzleistungen bei Zugausfällen oder ähnlichen Dingen finanziell in die Pflicht genommen zu werden – etwa für Übernachtungen im Hotel.

Nur noch Auskünfte

Deshalb zog sie zum Jahreswechsel 2018/19 einen Schlussstrich. Auch wenn ihr dieser Schritt nicht leicht gefallen sei. Potenzielle Bahnreisende bekommen seither nur noch Auskünfte, aber keine Tickets mehr. Nur einmal habe sie eine Ausnahme gemacht – aus Mitleid mit einer älteren Frau, die schlecht zu Fuß war.

Die nächsten Fahrkartenverkaufsstellen gibt es in Pritzwalk, ­Kyritz und Neuruppin. Wer keinen Internetzugang hat und Zeit und Kosten für diese zusätzlichen Wege nicht auf sich nehmen möchte, bleibt außen vor. „Für Leute, die auf den Zugverkehr angewiesen sind, ist das ein echtes Problem“, sagt ­Elke Wegner. Gerade jetzt, wo die Landesgartenschau bevorsteht, das Bahnhofsareal saniert wurde und die Touristinformation dorthin umzog, stünde es Wittstock gut zu Gesicht, wenn Fahrkarten nicht nur am Automaten erhältlich wären.

Stadt kennt das Problem

Elke Wegner wandte sich mit dem Anliegen bereits vor längerer Zeit an Bürgermeister Jörg Gehrmann. Stadt-Sprecher Jean Dibbert bestätigt, dass dieses Problem bekannt sei. „Zurzeit laufen dazu Gespräche mit der Deutschen Bahn.“ Deren Ausgang sei aber „völlig offen“. Dabei gehe es vor allem darum, Haftungsfragen zu klären – wie sie schon Brigitte Pawelek aufgeworfen hat.

Verhandlungen laufen

Die Bahn teilt auf MAZ-Nachfrage mit, dass sie zurzeit mit einem Interessenten verhandele, der eine Agentur-Lizenz am Standort Wittstock übernehmen möchte. Nähere Aussagen seien dazu noch nicht möglich. Jedoch sei davon auszugehen, dass etwa Mitte dieses Jahres konkrete Informationen dazu vorliegen werden.

Von Björn Wagener

Eine Mutter aus Freyenstein ist verärgert: Ein Kleinbus der Linie 745 ließ Schulkinder stehen, weil er zu voll war. Die Busgesellschaft hat eine Erklärung dafür.

15.03.2019

Der Stadtgarten in Wittstock ist zum großen Teil bereits abgerissen. In Kürze wird er ganz verschwunden sein. Das ergibt eine ganz neue Perspektive.

12.03.2019

Den Schülern ins Gesicht schauen – darum geht es in dem Kunstprojekt „A Hundred Faces“ am Städtischen Gymnasium. Am Montag wurde das überraschende Ergebnis präsentiert.

11.03.2019