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Wittstock/Dosse Kinobesucher zu Tränen gerührt
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse Kinobesucher zu Tränen gerührt
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00:27 16.05.2018
Denise-Verena Ladewig Hoffmann, Carola Hauck, Franziska Schonert und Julia Wildenhayn (v. l. n. r.) bei der Diskussion nach dem Film. Quelle: Sandra Bels
Wittstock

Für die Kyritzerin Franziska Schonert war der Samstagnachmittag im Wittstocker Kino eine Herzensangelegenheit. Als Landeskoordinatorin für Brandenburg des Vereins „Mother Hood“ hatte sie zur Filmpremiere eingeladen. Und sie rührte damit so manche Kinobesucherin zu Tränen und regte zum Nachdenken an. Männer waren auch dabei, handverlesen.

Brandenburgweit war der Dokumentarfilm „Die sichere Geburt. Wozu Hebammen?“ erstmals zu sehen. Gezeigt wird darin, wie wichtig eine natürliche Geburt für die Mutter, das Baby, aber auch die Familie und ihre spätere Entwicklung ist. Zu Wort kamen Ärzte, Hebammen, aber auch Frauen, die eine traumatische erste Geburt erlebt hatten.

Regisseurin Carola Hauck erklärte nach dem Film, wie es zu den Dreharbeiten kam. „Ich kann es nur schwer ertragen, andere leiden zu sehen“, sagte sie.

Eigentlich wollte sie in der Geburtshilfe arbeiten. Aber als sie 1988 im Westen Deutschlands erkennen musste, dass fast jede Frau unter der Geburt einen Dammschnitt bekam, wendete sie sich von der Medizin ab und studierte Film, später Sexualpädagogik.

Regisseurin: „Schockiert, was Frauen bei der Geburt erleben müssen“

Sie führte Einzelfallstudien mit Frauen durch und befragte sie zu ihrem Geburtserlebnis. „Ich war schockiert darüber, was Frauen unter der Geburt erleben müssen“, erzählte sie. So schrieb sie ihre Masterarbeit über die Kommunikation von Hebammen im Kreißsaal.

Daraus entstand die Idee für den Film. „Ich wollte einen leicht verständlichen Film machen. Die Leute sollen nicht erst eine Doktorarbeit lesen müssen, um ihn zu verstehen“, so Carola Hauck.

Das sei ihr gelungen, so die Meinung der Kinobesucher. Julia Wil-denhayn vom Verein „Deutsche Hebammenhilfe“ sagte: „Dieser Film sollte in Hebammenschulen gezeigt werden.“ Sie hofft, dass der Film bewirkt, dass ein Ruck durch die Gesellschaft geht.

Nur die Hälfte der Kaiserschnittbabys wird gestillt

So wurden zum Beispiel die Auswirkungen von Personalnot dargestellt. Fachleute erklärten unter anderem, dass Kaiserschnittbabys ein höheres Risiko haben, an Diabetes oder Autismus zu erkranken. Ebenso steht fest, dass nur die Hälfte dieser Kinder nach der Geburt gestillt werden.

Nicht nur Julia Wildenhayn befürchtet, dass durch die Zentralisierung von Geburtsstationen die außerklinische Geburtshilfe immer weiter stirbt. Schon jetzt müssten Hebammen Schwangere abweisen, weil sie keine Kapazitäten haben. Ein Beispiel aus Ostprignitz-Ruppin ist Anja Vietz-Henning. Sie betreut 100 Frauen pro Jahr und muss noch 50 abweisen.

Für die Besucher hatte Franziska Schonert eine Petition zum Unterschreiben im Foyer des Wittstocker Kinos ausgelegt. Quelle: Sandra Bels

Der Verein „Deutsche Hebammenhilfe“ begleitet seit Oktober 2017 in einer Webserie eine Hebammenklasse. Darin wird gezeigt, wie anspruchsvoll der Job ist.

Dem Verein geht es aber auch darum, Berufseinsteiger bei der Bewerbung zu unterstützen, unter anderem mit einem Verzeichnis aller 60 Hebammenschulen in Deutschland und den jeweiligen Zugangsvoraussetzungen.

Franziska Schonert hat Kontakte zur Politik geknüpft, die sie und ihre Mitstreiterinnen in der Pflicht sehen, wenn es um die Verbesserung der Lage der Hebammen in Deutschland geht. Zusammen mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Sebastian Steinecke hat sie ein Hebammennetzwerktreffen angestoßen.

Runder Tisch zur Geburtshilfe abgelehnt

Bei Brandenburgs Gesundheitsministerin Diana Golze fragte sie auf Empfehlung der Linken-Bundestagsabgeordneten Kirsten Tackmann wegen eines Runden Tisches zur Geburtshilfe in Brandenburg nach. Der sei von der Ministerin zwar nicht gewollt gewesen. Sie habe Franziska Schonert aber angeboten im Bündnis für gesundes Aufwachsen mitzuarbeiten.

Für Denise-Verena Ladewig Hoffmann ist neben den Emotionen, die das Thema aufbringt, wichtig, dass man auch mit Zahlen überzeugt. Mehr Hebammen, bedeute mehr Geld. Deshalb müsse in Zahlen zum Beispiel von Entwicklungsstörungen oder Krankheiten gezeigt werden, wie wichtig eine sichere Geburt ist und welche Vorteile sie bringt.

Netzwerk gesunde Kinder kann helfen

Die CDU-Stadtverbandsvorsitzende in Kyritz riet, Kontakt zum Netzwerk gesunde Kinder aufzunehmen, das seit Jahren Daten zu Geburt, Schwangerschaft und der Zeit danach auswertet. Zudem sagte sie, dass auch eine Medizinische Hochschule wie in Neuruppin mit herangezogen werden könnte.

Von Sandra Bels

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