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Wittstock/Dosse Den Stolpersteinen ein Gesicht geben
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse Den Stolpersteinen ein Gesicht geben
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15:59 05.12.2018
Das Foto aus dem Jahr 1916 zeigt Paul und Lily, Albert, Hedwig und Gerhard Rehfisch. Quelle: Privat
Wittstock

In der Nacht vom 9. zum 10. November jährten sich die Reichspogromnacht zu 80. Mal. Auch in Wittstock mussten jüdische Mitbürger in jener Nacht unter den schrecklichen Ausschreitungen leiden. Seit 2014 erinnern fünf Stolpersteine auf dem Marktplatz an sie.

Mit dazu beigetragen hatte der damalige Sanierungsplaner der Stadt, Markus Hennen. Doch das war erst der Beginn seiner Recherche, die weit über seine Pflichten als Sanierungsplaner hinausging. „So schreckliche Sachen dürfen nicht in Vergessenheit geraten“, sagte Markus Hennen am Mittwoch im MAZ-Gespräch.

Am 9. November legten Wittstocker Blumen vor den Stolpersteinen der Familie Rehfisch nieder. Quelle: Christian Bark

Aus Überzeugung setze er sich dafür ein, den Namen auf den Stolpersteinen auch ein Gesicht zu geben. „So lassen sich die Schicksale besser vermitteln“, erklärte er. Mehrfach hatte er deshalb Wittstocker dazu aufgerufen, in ihren Archiven nach Fotos zu suchen, die die jüdischen Familien Mendelsohn und Rehfisch zeigen.

Letztere war 1938 auch von den Nazis inhaftiert worden. 1939 konnten Hedwig Rehfisch und ihr Sohn Gerhard nach Shanghai flüchten – wohl aber ohne den Vater Albert, der schon 1936 verstorben war. Dafür aber, so vermutet Markus Hennen, mit Gerhard Rehfischs Frau.

Für Markus Hennen ist die Recherche einen Herzensangelegenheit. Quelle: Peter Degener

Über Umwege ist es Markus Hennen nun gelungen, ein Bild der Familie Rehfisch aufzustöbern. „Dank Amelie Döge aus Berlin, die den Kontakt über den Wittstocker Superintendenten, Matthias Puppe, herstellte“, sagte Markus Hennen.

Das Foto ist während des Besuchs von Paul und Lily bei ihrem Onkel Albert und Tante Hedwig Rehfisch und ihrem Sohn Gerhard in Wittstock im Jahr 1916 entstanden. Es stammt von Pete Vanlaw, dem Sohn von Lily.

Amelie Döge hatte von ihm die Erlaubnis erhalten, es weiterzuleiten und zur nichtkommerziellen Veröffentlichung freizugeben. „Ihr und Pete Vanlaw möchte ich sehr herzlich für ihre selbstlose und engagierte Unterstützung danken“, betonte der Sanierungsplaner.

Weitere Fotos gesucht

Schön wären natürlich weitere Fotos, die die Familie zeigen. Außerdem sucht Markus Hennen Fotos der Eheleute Beate und Erich Mendelsohn mit ihrer Tochter Lore, die seinerzeit am Markt 6 gewohnt hatten und an die heute Stolpersteine erinnern.

„Ich bitte alle Leserinnen und Leser nochmals sehr herzlich, ihre alten Fotoalben zu durchforsten. Vielleicht gelingt es ja, auch Beate und Erich Mendelsohn mit ihrer Tochter Lore wieder Gesichter zu geben“, sagte Markus Hennen.

Kontakt: Markus Hennen, Schillerstraße 45 in 14913 Jüterbog, Tel.: 03372-433244, E-mail: info@bruckbauer-hennen.de

Von Christian Bark

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