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Wittstock/Dosse Sieben Sprachen – und nun noch Platt
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse Sieben Sprachen – und nun noch Platt
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00:48 19.04.2018
Hans Biedert wird auch in der Wittstocker Bibliothek fündig und findet dort Wörterbücher für fast alle Fremdsprachen, die er spricht. Quelle: Christamaria Ruch
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Karstedtshof

Nun auch noch Plattdeutsch. Hans Biedert aus Kar­stedtshof bei Wittstock lernt seit zwei Jahren die niederdeutsche Sprache. Alle zwei Wochen besucht er dienstags den Volkshochschul-Stammtisch für Niederdeutsch in Wittstock.

Dabei beherrscht er schon sechs Sprachen fließend: Latein und Altgriechisch als alte Sprachen sowie Englisch, Französisch, Italienisch und Polnisch. Türkisch als Nummer sieben spricht er ebenfalls, aber „nicht so gut“, sagt er bescheiden.

Der 69-jährige Hans Biedert wuchs in Südhessen auf und besuchte das Ludwigs-Georg-Gymnasium in Darmstadt. Diese humanistische Schule legt besonderen Wert auf die altsprachliche Bildung, wurde 1629 gegründet und ist das älteste Gymnasium in Darmstadt.

Seit zwei Jahren reiht sich Hans Biedert (stehend, 2.v.l.) am Volkshochschul-Stammtisch Niederdeutsch in Wittstock ein. Quelle: Christamaria Ruch

„In der fünften Klasse begann der Lateinunterricht, in der siebten kam Englisch dazu, in der achten Klasse Altgriechisch und in der neunten Klasse Französisch“, sagt Hans Biedert. „Das war genial, diese Sprachen zu erlernen, Griechisch ist mit den slawischen Sprachen verwandt.“

Als er mit dem Englischunterricht begann, nahm er auch eine Brieffreundschaft nach Schottland auf. „Mit 15 war ich das erste Mal dort und bis heute habe ich Kontakt mit meinem Brieffreund Jim“, sagt Hans Biedert.

Dialekte bereiten Hans Biedert Freude

Auch die Dialekte bereiten ihm Freude und immer wieder stellt er die Bande zwischen den einzelnen Sprachen her. In Nordschottland wird die schottisch-gälische Sprache gesprochen. Scots ist wiederum ein englischer Dialekt, der in Schottland gesprochen wird und von Norwegen beeinflusst ist.

Hans Biedert übersprang ein Schuljahr, legte 1966 sein Abitur ab und begann mit seinem Lehramtsstudium in Frankfurt am Main. Bei seinem Talent für Sprachen verwundert es nicht, dass er neben Geschichte und Politik auch Latein belegte.

Italienisch war auch kein Problem

Während des Studiums arbeitete er auch für eine altertumswissenschaftliche Fachzeitschrift. „Da wurde mir nahe gelegt, Italienisch zu lernen“, erinnert er sich. Und weil Latein eng verwandt mit Italienisch ist, fasste er auch in dieser Sprache schnell Fuß.

Nach seiner Promotion 1973 und dem ersten Staatsexamen begann er 1974 sein Referendariat. „Ich habe dann nach Baden-Württemberg gewechselt, weil zu dieser Zeit in Hessen das Unterrichtsfach Geschichte auf der Kippe stand“, sagt Hans Biedert. In Aalen übernahm er am Gymnasium eine achte Klasse. „Natürlich haben die Anfänger immer schwierige Klassen bekommen“, sagt er.

Als Lehrer konnte er Begeisterung für Latein vermitteln

Doch schnell stellte er fest, dass die Schüler einfach nur kreativ, intelligent und wissensdurstig waren. „Schüler merken immer schnell, ob ein Lehrer sie mag“, sagt er. Nachdem die Schüler ihn einige Male auf die Probe stellten und er diese Hürden souverän meisterte, konnte er mit ihnen sehr gut arbeiten. „Auch die Begeisterung für Latein konnte ich vermitteln“, sagt er. Damals baute er eine Schulpartnerschaft zwischen Aalen und Italien auf.

Als 1981 das Kriegsrecht nach Generalstreiks in Polen ausgerufen wurde, gehörte Hans Biedert zu einem Kreis ehemaliger Studenten, die Fachkollegen in Polen unterstützten. „Es ging zunächst um wirtschaftliche Hilfen“, sagt er.

Mit dem Geschichtsprofessor und seiner Familie aus Posen hat er noch immer Kontakt. „Da habe ich 1982 angefangen, Polnisch zu lernen“, sagt er. „Die polnische Grammatik ähnelt der russischen und es gibt Wortgleichheiten.“

Sprache hilft ihm zu erkennen, wie Menschen ticken

1989 übernahm Hans Biedert die Schulleitung in einem Nachbarort, 1999 wechselte er an das Regierungspräsidium in Karlsruhe und unterrichtete daneben einige Stunden in einer Schule.

„Ich war Fachberater für Geschichte und hatte an der Universität in Heidelberg einen Lehrauftrag“, sagt er. Dabei vermittelte er den Lehramtsstudenten, „wie wissenschaftlicher Lehrstoff auf Unterrichtsstunden reduziert wird. Da waren immer wieder tolle und kreative Leute darunter.“

„Wenn ich eine andere Sprache spreche, denke ich auch anders“, sagt Hans Biedert. Denn jede Sprache hat ihren eigenen Aufbau und Rhythmus. Sogar Türkisch versteht er „etwas, auch die Grammatik.“ Türkisch ist eine „sehr logische Sprache mit kurzen Sätzen, es gibt keine Relativsätze.“ Über die Sprache versetzt sich Hans Biedert in die Denkweise der Menschen in den anderen Ländern.

Biederts Frau stammt aus Neuruppin

Seit 2012 ist Hans Biedert pensioniert. „Drei Jahre haben wir nach einem Haus in Ostdeutschland gesucht“, sagt er. Denn seine Frau wurde in Neuruppin geboren und wuchs in der Region auf, bevor sie 1959 mit ihren Eltern legal in den Westen ausreiste. „Deshalb wollten wir wieder hierher.“ Das Ehepaar hat zwei Söhne, die ebenfalls sprachbegabt sind.

Eher zufällig fiel 2015 dann die Wahl auf Karstedtshof. „Bei meiner Schwiegermutter habe ich das erste Mal Plattdeutsch gehört und als wir herzogen, bin ich sofort zum Stammtisch Niederdeutsch in Wittstock gegangenen“, sagt Hans Biedert. Platt ist keine Schriftsprache. „Ich sperre einfach die Ohren auf, denke nicht viel nach beim Sprechen, merke aber, ob es sich gut anhört“, sagt er.

Das Sprachgenie sperrt einfach die Ohren auf

Von Dorf zu Dorf unterschieden sich einst die Dialekte dieser Regionalsprache. „Früher konnten die Leute auf Grund ihrer plattdeutschen Aussprache einem bestimmten Dorf zugeordnet werden“, sagt er. Das plattdeutsche Wörterbuch Sasse bietet eine Orientierung und stellt eine standardisierte Fassung von Platt dar.

„So langsam kann ich Platt sprechen“, sagt er. Hans Biedert hat auch weiter viel vor. Mit Blick auf die Landesgartenschau 2019 in Wittstock kann er sich vorstellen, sich bei plattdeutschen Führungen einzubringen. „Mal sehen, was sich so entwickelt“, sagt er.

Von Christamaria Ruch

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