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Wittstock/Dosse Babyglück im trauten Heim bevorzugt
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse Babyglück im trauten Heim bevorzugt
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00:21 10.11.2018
Die kleine Liese (v. l.), Hannah und der klein Aurelius sind zuhause auf die Welt gekommen. Quelle: Christian Bark
Wittstock

Wenn es in ihrem Wohnort nicht gerade ein Kreiskrankenhaus mit Geburtenstation gibt, werden die meisten Kinder in der Prignitz und Ruppin in einer anderen Stadt geboren. Nicht so bei Aurelius, Liese und Hannah. Die Kleinkinder sind vor über drei Monaten jeweils in ihren Heimatorten Wittstock, Goldbeck und Zaatzke geboren worden.

Das war deshalb möglich, weil sich ihre Eltern bewusst für eine Hausgeburt entschieden hatten. „Viele Frauen trauen sich nicht, öffentlich dazu zu stehen, eine Hausgeburt zu wollen, weil sie Angst haben, dafür verurteilt zu werden“, sagt Lea Wehde, die Mutter von Hannah. Man würde womöglich als verantwortungslos abgestempelt, weil man das Zuhause dem vermeintlich sichereren Krankenhaus vorziehe.

Hebamme Anja Vietz-Henning immer ihren Notfallkoffer dabei. Quelle: Christian Bark

„In meinen Augen war die Entscheidung zur Hausgeburt das Gegenteil. Ich wollte Verantwortung übernehmen und mir die Beste Bedingung für die Geburt schaffen“, sagt die 31-Jährige. Zuhause in Zaatzke hätten sie und ihr Mann während der Geburt einen Haken in einen Deckenbalken gedreht, um dort ein Seil zum Festhalten für eine mögliche Geburt im Stehen zu befestigen.

Bei Lydia Milde, der Mutter von Aurelius, gab es bereits zuvor ein Kletterseil mit Hängematte an der Decke. Ihr Kind habe sie dann aber in der Badewanne bekommen. „Das Schöne war, dass wir es uns nach der Geburt zuhause gemütlich machen konnten“, blickt sie zurück.

Hebamme für den Notfall gerüstet

Für Katinka Richter war die Geburt ihrer Tochter Liese bereits die zweite Hausgeburt. Im Geburtsvorbereitungskurs bei ihrem ersten Kind hatte die junge Frau vorab eine Führung durch die Geburtenstation in Neuruppin mitgemacht, sich dann aber bewusst gegen die Klinik entschieden. „Ich habe mich bei meiner Hebamme sicher und gut begleitet gefühlt“, berichtet sie. Deshalb sei für sie keine Alternative als ihr Zuhause in Frage gekommen.

„Wir sind für den Notfall ausgerüstet“, sagt Anja Vietz-Henning. Die Hebamme hat alle drei Mütter bei ihren Geburten betreut. In ihrer Tasche führe sie bei Hausgeburten immer ein Notfallset mit. Das enthalte beispielsweise ein Beatmungsgerät, ein Herztonmessgerät und diverse Medikamente. „Wir können nach der Geburt auch nähen, wenn nötig“, erklärt die Hebamme.

Seit über 23 Jahren übt sie ihren Beruf aus. Zuerst angestellt in Pritzwalk, seit 1999 selbstständig und seit fast zehn Jahren gemeinsam mit der Pritzwalker Hebamme Kathrin Schröder in einer Gemeinschaftspraxis in Wittstock. Die beiden freiberuflichen Hebammen bedienen ein riesiges Gebiet, das von der Westprignitz bis Rheinsberg reicht und im Norden sogar bis ins Mecklenburgische.

Die Mütter sind froh, dass sie Hebamme Anja Vietz-Henning zuhause betreut hat. Quelle: Christian Bark

„Der Wunsch nach einer individuellen Betreuung durch eine Hebamme nimmt immer mehr zu“, sagt Anja Vietz-Henning. Noch individueller sei dann die Geburt zuhause. „In der Klinik werden wir bei der Geburt zwar in Ruhe gelassen, dort ist es aber nicht das gleiche Geborgenheitsgefühl wie zuhause“, sagt die Hebamme.

Ein Viertel ihrer 80 bis 100 Geburten finden zuhause statt – manchmal auch unfreiwillig, wenn die Zeit für den Weg ins Kranken zu knapp wird. Umgekehrt muss in Risikofällen entweder der Rettungswagen gerufen werden oder gleich vorab die Entscheidung für eine Geburt in der Klinik gefällt werden.

„Ich hatte Angst, dass sie im Krankenhaus Sachen mit mir machen, die ich nicht will“, sagt Lea Wehde. Zum Beispiel dass eine Saugglocke oder eine Zange zum Einsatz kommen würden.

Viele Hürden für freiberufliche Hebammen

„Viele Frauen entscheiden sich bei ihrem zweiten Kind für eine Hausgeburt, weil sie nach dem ersten Kind schon Erfahrung haben“, sagt Anja Vietz-Henning Vorbereitet werden müsse daheim nicht viel. Vielleicht müssten saubere Handtücher parat gelegt werden.

Häufiger als in der Klinik seine die Väter bei der Hausgeburt dabei. Und nicht nur das. Bei Katinka Richter konnte sogar eine Freundin behilflich sein, als ihr erstes Kind während der Geburt aufgewacht war und nicht wieder einschlafen wollte.

So sehr sich viele junge Paare eine individuelle Betreuung durch eine Hebamme auch wünschen –vielleicht noch bei einer Hausgeburt, so sehr müssen Anja Vietz-Henning und ihre Kollegin sehen, wie sie ihre Patientinnen optimal betreuen können. Die Entfernungen sind in der Region oft weit – ihr Einsatzradius umfasst gut 100 Kilometer. Entsprechend hoch sind die Fahrtkosten, am meisten belastet die Hebammen aber die Haftpflichtversicherung von 750 Euro im Monat.

„Ich muss im Schnitt jeden Monat sieben Geburten betreuen, um wirtschaftlich über die Runden zu kommen“, sagt Anja Vietz-Henning. Urlaub sei fast nie möglich, hinzu komme die ständige Bereitschaft. „Man muss schon wissen, worauf man sich als selbstständige Hebamme einlässt“, sagt sie.

Wie ihre Kollegin wünscht sich Anja Vietz-Henning, dass die Krankenkassen einen Teil der hohen Haftpflichtversicherung übernimmt Außerdem wäre ein Abbau bürokratischer Hürden hilfreich. „Mittlerweile frisst der Bürokram ein Drittel meiner Berufszeit“, sagt die Hebamme.

Von Christian Bark

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