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Wittstock/Dosse Holocaust-Überlebende sprach mit Schülern
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse Holocaust-Überlebende sprach mit Schülern
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17:55 10.10.2018
Rudi-Larl Pahnke (3. v. l.) warnte vor aktuellen rechten Tendenzen in Deutschland. Quelle: Christian Bark
Wittstock

Es ist schon etwas Anderes, ob Schüler über die Gräueltaten des Dritten Reiches nur in Geschichtsbüchern lesen oder sie von jemanden geschildert bekommen, der sie selbst miterlebt hat.

Zeitzeugengespräche gehören seit fast zehn Jahren zum festen Repertoire im Geschichtsunterricht der Wittstocker Polthier-Oberschule. „Damals hatten wir sie in einem Jugendclub, dann in der Schulaula und seit zwei Jahren in der Bibliothek durchgeführt“, blickte Schulsozialarbeiter Bodo Haneld zurück.

Sie kam ins jüdische Ghetto nach Krakau

Auch in diesem Jahr war wieder ein Zeitzeugengespräch eingeplant. Am Mittwoch kam Tamar Lindau zu Wort. Die 87-Jährige hat den Holocaust überlebt, war aus ihrer schlesischen Heimat von den Nazis zunächst nach Polen vertrieben worden. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs kam sie in ein jüdisches Ghetto bei Krakau.

„Eines Tages wurden meine Mutter und zwei meiner Geschwister einfach so abgeholt. Ich habe sie nie wieder gesehen“, sagte Tamar Lindau. Sie selbst war in ein Durchgangslager nahe Auschwitz gekommen, wo sie durch die Geistesgegenwart ihrer Cousine von der Kolonne der Kinder in jene der Arbeiterinnen sortiert worden war.

Sie emigrierte nach Palästina

„Die Kinder kamen alle ins Vernichtungslager“, erklärte die 87-Jährige. Sie selbst musste in einer Fabrik an der Oder Zwangsarbeit leisten. Zu jener Zeit dann, als die sowjetische Armee das Konzentrationslager Auschwitz befreiten, wurde sie von den Nazis zusammen mit anderen auf einen 42-tägigen Todesmarsch zum KZ Bergen-Belsen getrieben. 1946 emigrierte sie von Hamburg nach Palästina.

Seit 28 Jahren steht sie dem Institut Neue Impulse als Zeitzeugin zur Verfügung. Mit diesem hegt die Polthier-Oberschule seit Jahren gute Kontakte.

Die 63 Zehntklässler waren nicht unvorbereitet

Zu Beginn des Gesprächs machte Institutsleiter Rudi-Karl Pahnke auf aktuelle Gefahren für die Demokratie aufmerksam. Fragte die Jugendlichen, ob sie wüssten, was Neonazis sind und kritisierte Phrasen von Politikern, dass ein Umdenken stattfinden müsse und die NS-Zeit nur ein „Vogelschiss“ in der deutschen Geschichte sei.

Die 63 Zehntklässler waren nicht unvorbereitet in das Gespräch gegangen. „Wir behandeln im Unterricht gerade die NS-Zeit“, erklärte Geschichtslehrerin Sabrina Müller. Im Vorfeld hätten sich die Schüler mit Begriffen wie Ghetto oder Vernichtungslager beschäftigt.

Gewalt, Hunger und Entbehrungen

Sie hatten auch Fragen an die Zeitzeugin vorbereitet. Zum Beispiel wollte der 16-jährige Eric Schramm mehr über den KZ-Alltag wissen. Die 15-jährige Hanni Berndt interessierte sich dafür, wie Tamar Landau die Kraft zum Überleben gefunden habe.

Der Alltag war der Zeitzeugin zufolge von Gewalt, Hunger und Entbehrungen geprägt. Oft sei sie geschlagen und beleidigt worden. Die Kraft zum Überleben habe sie auch im Vertrauen auf Gott gefunden.

Bewegende Begegnung

Allerdings wollte Tamar Landau nicht anklagen oder „rumjammern“. „Nicht nur die Juden haben im Krieg gelitten, auch die Deutschen“, sagte sie. Wichtig sei nur, dass sich so etwas niemals wiederholen würde.

Für die Schüler war das Gespräch laut Lehrerin Heidi Mohrmann sehr bewegend. „Es ist schon was Besonderes, wenn man persönliche Geschichte von Angesicht zu Angesicht übermittelt bekommt“, sagte sie im Anschluss.

Von Christian Bark

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