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Wittstock/Dosse Protest gegen Straßenbaupläne
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13:21 06.12.2018
Mitstreiter der BI „189nein“ protestierten kurz vor Beginn der Info-Veranstaltung vor dem Städtischen Gymnasium in Wittstock. Quelle: Björn Wagener
Wittstock

Auf der Kreisstraße 6823 zwischen Wittstock und Sewekow sollten aus Sicht der Stadt Wittstock künftig nur noch Fahrzeuge unterwegs sein, die nicht mehr als 7,5 Tonnen wiegen. Das soll das Gefahrenpotenzial und die Lärmbelastung für die Anwohner in den Dörfern verringern. Um das durchzusetzen, will die Stadt eine entsprechende Tonnenbegrenzung bei der Verkehrsbehörde des Kreises beantragen. Das hat Wittstocks Bürgermeister Jörg Gehrmann am Mittwochabend in der Aula des Städtischen Gymnasiums mitgeteilt.

Dorthin hatte er zu einer Informationsveranstaltung geladen, in der

Rund 100 Besucher nahmen an der Info-Veranstaltung teil. Quelle: Björn Wagener

es vorrangig um den geplanten Weiterbau der Bundesstraße 189 zwischen Wittstock und Mirow in Mecklenburg-Vorpommern ging. Daneben wurde aber auch das Problem Schwerlastverkehr in den Dörfern beleuchtet. Rund 100 Gäste hatten sich dazu in der Aula eingefunden. Vor Beginn der Veranstaltung hatten sich einige Mitstreiter der neuen Bürgerintiative „B189nein“ vor dem Tor mit Protestplakaten postiert.

Der Straßenbau ist im Bundesverkehrswegeplan 2030 enthalten und dort als „vordringlicher Bedarf“ eingestuft worden. Er soll die Verbindung des Oberzentrums Neubrandenburg und des Mittelzentrums Neustrelitz sowie der Ferienregion Mecklenburgische Seenplatte mit dem Mittelzentrum Wittstock verbessern. Wann der Bund diesen Bau aber umsetzen wird, ist zurzeit nicht absehbar.

Seit mehr als 20 Jahren kein Ergebnis

Zwar stammen erste Überlegungen zu einem solchen Straßenbau schon aus dem Jahr 1997, jedoch wurden sie nicht konsequent weitergeführt. Eine Linienführung ist noch immer nicht festgelegt worden.

Die Gegner des Straßenbaus fürchten, dass damit ein wertvoller Naturraum zerschnitten würde und kämpfen dafür, den Bau komplett zu verhindern.

Differenzierter sieht das Bürgermeister Gehrmann. Er betonte am Mittwochabend, dass es ein schnelles Ja oder Nein nicht geben werde.

Für eine umfassende Abwägung

Vielmehr solle zuvor mit allen Seiten und Betroffenen auf breiter Ebene das Für und Wider diskutiert und abgewogen werden.

Im Publikum wurden verschiedene Meinungen vertreten. Quelle: Björn Wagener

Sobald erste Planungsunterlagen vorliegen, wolle die Stadt Vertreter vom Bund und Land einladen, um Argumente auszutauschen. Auch Verkehrsgutachter, Vertreter aus Mirow und sonstige von dem Straßenbau Betroffene sollen einbezogen werden – Gegner ebenso wie Befürworter. Gemeinsam sollen die Folgen dieses Bauprojektes herausgearbeitet und in einem Profil „qualifiziert“ werden, so Gehrmann. Dann sollen die Stadtverordneten einbezogen werden. Auch ein Bürgerentscheid könne folgen.

An das Gemeinwohl denken

Gehrmann warb für eine ausgewogene Sicht auf die Dinge. Die Beteiligten sollten in der gesamten Findungsphase nicht nur die jeweils eigenen Interessen, sondern das Gemeinwohl im Blick haben.

Wie unterschiedlich die Meinungen und Vorschläge sind, zeigten

Gastgeber und Bürgermeister Jörg Gehrmann plädierte für eine umfassende Abwägung aller Interessen und Folgen. Quelle: Björn Wagener

die Äußerungen in der Runde. So drängte der Zempower Ortsvorsteher Ulrich Schnauder darauf, auch eine „0-Variante“ zu berücksichtigen. Das heißt, es solle betrachtet werden, wie der Verkehr ganz ohne neue Straße und allein durch veränderte Leitsysteme besser geführt werden könnte.

„Es gibt keine Trasse, die Naturräume dort nicht zerschneiden würde, egal, wie man sie führt“, sagte Wilhelm Schäkel von der Bioranch aus Zempow.

Den Aspekt Naturschutz betonte auch Sabine Radert aus Zempow. Vor diesem Hintergrund zog sie den Sinn von neuen Straßen grundsätzlich in Zweifel. Das könne nicht die Antwort auf den immer stärker werdenden Verkehr sein.

Wir brauchen diese Straße

„Wir brauchen diese Straße“, sagte Viola Terzijska aus Schweinrich. Es müsse etwas unternommen werden, um „Mautflüchtlinge“ aus den Ortsdurchfahrten herauszuhalten. „Es ist kein schönes Wohnen mehr“, sagte sie.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Jan Redmann plädierte dafür, die Maut künftig auf alle überregionale Straßen auszuweiten. Das sei sinnvoller als Tonnengrenzungen. Im Hinblick auf die B189n sagte er, dass als Basis allen weiteren Tuns zunächst die Erforderlichkeit dieser Straße zu prüfen sei. Gleichzeitig verwies er auf den sehr frühen vorgelagerten Sachstand. „Es gibt noch nicht einmal eine Entwurfsplanung eines Architekten.“

Von Björn Wagener

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