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Wittstock/Dosse Kabarettistin improvisierte mit dem Publikum
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse Kabarettistin improvisierte mit dem Publikum
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15:39 15.04.2018
Barbara Weinzierl (l.) band das Publikum im Kino gezielt in ihr Kabarettprogramm mit ein. Quelle: Christian Bark
Wittstock

„Mein Kind wird jetzt sechs Jahre alt und kann endlich laufen“, sagte der Wittstocker Alleinunterhalter Egbert Schröder am Freitagabend zu seinem Publikum im Kino Astoria. Sein Kind, das ist das Projekt „Kunst im Kino“, bei dem nicht nur aber vor allem Kabarettprogramme auf dem Plan stehen. Gut ein Jahr im Voraus hatte Schröder die Münchener Kabarettistin Barbara Weinzierl gefragt, ob sie nicht in Wittstock auftreten wolle.

Bei ihrem Auftritt im Wittstocker Kino Astoria bezog die Münchener Kabarettistin Barbara Weinzierl ihr Publikum aktiv mit ein.

Diese war der Bitte gern gefolgt. „Das ist eine großartige Idee, ein Kino als Bühne zu wählen“, sagte sie am Freitag. Dem Publikum bot sie sogleich an, alle zu umarmen, weil das Glückshormone für einen ganzen Tag ausschütten würde. Ebenso versprach sie ihren Zuschauern ein längeres Leben, weil Lachen bekanntlich dazu beitragen würde. Das konnten die Gäste an dem Abend reichlich. Barbara Weinzierl zeigte sich verwandlungs- und verkleidungsfreundlich. Schlüpfte in verschiedene Charaktere wie den bayerischen Toni vom „Mia san mia Hinterhalter Duo“, der ein Lied auf die Merkwürdigkeiten der Gesellschaft sang. „Der reiche Scheich ist ein gern gesehener Gast, seine Frau in der Burka ist bei uns eher verhasst.“ Wer der bayerischen Mundart nicht so folgen konnte, dem bot die Kabarettistin eine Übersetzung ins Hochdeutsche an.

Kabarettistin war verwandlungsfreudig

Als Schwester von Fußballbundestrainer Jogi Löw stellte sie ihren Yoga-Youtube-Kanal und Übungen für die schwäbische Hausfrau vor. Später träumte sie von einem SUV, mit dem die umweltbewußte Hausfrau zum nächsten Bioladen fahren würde, um dort ökologisches Waschmittel zu kaufen. Als Rentnerin Wiebke Schmackenborn sprach sie über Krankheiten, die jeder mal gehabt haben müsse und die in der Apothekenrundschau – also der Bravo für Frauen ab 80 – beschrieben seien.

„Ich schreibe meine Texte und Lieder selbst“, erklärte die Schauspielerin in der Pause. Gerne reime sie auch. Eine Zeit lang habe fürs Fernsehen gespielt, sei im Theater mit Ottfried Fischer aufgetreten. Seit etwa zwölf Jahren toure sie nun als Kabarettistin durchs Land. Das Programm der 59-jährigen gebürtigen Österreicherin setzte an vielen Stellen auf Improvisation unter Einbeziehung des Publikums.

Apotheker Bernd Viesteg (r.) hörte amüsante Geschichten aus seinem Leben. Quelle: Christian Bark

So ließ sie das Publikum in der Pause ausgedachte Krankheiten und lustige Begriffe auf Zettel schreiben, die sie dann in ihr Spiel mit einfließen ließ. Als Chinesin sprach sie erst auf Deutsch, dann auf Chinesisch über Krankheiten wie „Schuffleritis“ oder „Polykotzeritis“, die, wenn sie einmal in Europa bekannt seien, auch schnell in Fernost im Trend liegen würden. Das Zeichen zum Sprachwechsel gab Assistentin Anastasia, die von Egbert Schröder gemimt wurde. Apotheker Bernd Viesteg holte Barbara Weinzierl auf die Bühne, um aus dem Stegreif über sein Leben zu erzählen. Bei Unwahrheiten sollte er ein rosa Gummischwein quietschen lassen, das er aber kaum gebrauchte. Denn schließlich bejahte er indirekt humorvoll, dass er jeden Morgen von einem Chauffeur in die Apotheke gebracht werden würde und drei Frauen zuhause hätte.

Auch nachdenkliche Geschichten

Besonderes Improvisationstalent zeigte die Kabarettistin, als sie eine Geschichte über den Campingurlaub von Angela Merkel und Horst Seehofer spinnen musste, mit eben jenen Publikumsbegriffen , die Egbert Schröder von den Zetteln ablas. „Herrlich, das hat mich besonders amüsiert“, sagte Doris Raschke. Sie war mit ihrem Mann extra aus Meyenburg nach Wittstock gekommen. Allerdings schon als „Wiederholungstäterin“, weil ihr „Kunst im Kino“ so gut gefalle.

Zum Ende der Show präsentierte Barbara Weinzierl noch den etwas nachdenklichen Text „Leben 4.0“. Mit Sätzen wie „Wir sind dabei, unser kostbares Leben an Maschinen abzugeben“ sielte sie auf die zunehmende Automatisierung aber auch den Datenmissbrauch an, dem die Menschen selbst mit Facebook und Co. nachhelfen würden. Bis es irgendwann zu spät sei. „Wir tauschen uns aus durch Maschinen, die uns längst nicht mehr dienen.“

Von Christian Bark

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