Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Wittstock/Dosse Kam die erste All-Spaziergängerin aus der Prignitz?
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse Kam die erste All-Spaziergängerin aus der Prignitz?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:40 10.08.2018
Diese sowjetische Briefmarke aus dem Jahr 1983 zeigt die Besatzung der Raumstation Saljut 7 und der Sojus-Raumschiffe Sojus T-5 und Sojus T-7: In der Mitte ist Swetlana Sawizkaja zu sehen. Quelle: Scanned by Georg Pik
Wittstock

Am 25. Juli 1984 startete die Russin Swetlana Sawizkaja den ersten Weltraumausstieg einer Frau in der Geschichte. Über drei Stunden dauerte ihr „Spaziergang“ im All, der tatsächlich aus harter Arbeit bestand. Zusammen mit einem ihrer Kosmonautenkollegen testete sie neue Werkzeuge und Verfahren zum Beschichten, Schneiden und Schweißen von Materialien unter Weltraumbedingungen. Vier Tage später trat die Russin mit dem Raumschiff Sojus T-12 die Rückreise von der Raumstation Saljut 7 zur Erde an.

Ihr Weltraumausstieg und der Umstand, dass sie nach ihrer Landfrau Walentina Wladimirowna Tereschkowa die zweite Frau im All war, brachte der heute 70-Jährigen weltweite Anerkennung.

Der Wittstocker Historiker Wolfgang Dost forscht nach den Wurzeln der berühmten Kosmonautin Swetlana Sawizkaja. Quelle: Christian Bark

Tatsächlich könnte die Russin aber eine gebürtige Prignitzerin sein. Seit Jahren gibt es Hinweise, dass sie 1948 auf dem Flugplatz Alt Daber bei Wittstock geboren wurde. Der Wittstocker Historiker Wolfgang Dost erwähnt Swetlana Sawizkaja zumindest in seinem Buch über die Dossestadt und ihre Ortsteile unter der Rubrik „Berühmte Persönlichkeiten“. Auch der Landschaftsplaner Markus Hennen berücksichtigt in seinem Aufsatz „Konversion in Alt Daber – vom ehemaligen Flugplatz zum Solarkraftwerk“ diese historische Wahrscheinlichkeit.

Hochrangige Offiziere sprachen vom Geburtsort Alt Daber

„Zwar gibt Swetlana Sawizkaja offiziell ihren Geburtsort mit Moskau an, es gibt aber Äußerungen sowjetischer Offiziere, die Alt Daber nahe legen“, sagt Wolfgang Dost.

Einer davon ist der 1990 verstorbene Vater der Kosmonautin, der sowjetische Fliegeroffizier Jewgeni Jakowlewitsch Sawizki. Laut Wolfgang Dost war er nach dem Zweiten Weltkrieg 1947 bis 1948 in Alt Daber stationiert. Bei einer Veranstaltung auf dem Flugplatz 1985 soll er gesagt haben, dass er sich mit Wittstock ganz besonders verbunden fühle – schließlich sei seine Tochter ja dort geboren.

Von 1945 bis 1994 war die sowjetische Luftwaffe in Alt Daber stationiert. Quelle: Christian Bark

Für diese Äußerung gab es zwei Wittstocker Zeugen, von denen einer bereits verstorben und der andere verzogen ist. Im Telefongespräch mit Letzterem Anfang der Woche bestätigte dieser Wolfgang Dost die Äußerung Sawizkis noch einmal. Er habe sie allerdings nicht persönlich vernommen, sondern nur in einem Bericht über die Veranstaltung gelesen. Weiterhin soll wenig später ein sowjetischer Generaloberst Michalski in Potsdam ebenfalls von einer Geburt Swetlana Sawizkajas in Alt Daber gesprochen haben.

Kosmonautin war telefonisch nicht zu erreichen

Aus erster Hand, nämlich von der Kosmonautin persönlich, hat Wolfgang Dost bisher keine Auskunft erhalten können. Seit den 90er Jahren hatte er versucht, mit ihr telefonisch in Kontakt zu treten. Dabei sei er jedes Mal abgewimmelt worden.

„Vielleicht will oder kann sie auch gar keine Auskunft geben“, so die Vermutung des Historikers. Nachdem Swetlana Sawizkaja diese Woche nun aber bereits ihren 70. Geburtstag gefeiert hat, sieht Wolfgang Dost eine besondere Dringlichkeit, der Sache auf den Grund zu gehen. „Je länger wir warten, desto unwahrscheinlicher wird es, etwas raus zubekommen“, sagt er. Darüber hinaus lasse das Interesse an der Kosmonautin in Deutschland spürbar nach. „Zu DDR-Zeiten war sie sehr bekannt, heute weiß kaum noch einer etwas über sie“, so Wolfgang Dost.

Ein Gewinn für die Region wäre es allemal, sollte er mit seiner Vermutung Recht haben. „Zugegeben, es ist eine dünne Spur. Aber wenn es wahr wäre, wäre das schon was für Wittstock“, sagt er. Deswegen will der Historiker es weiter versuchen. Ob telefonisch oder postalisch, darüber entscheide er in Kürze.

Der Militärflugplatz in Alt Daber

Der Militärflugplatz in Alt Daber entstand in den Jahren zwischen 1937 und 1939. Er war von Anfang an als Fallschirmjägerschule konzipiert worden.

Von 1939 bis 1944 wurden in Alt Daber zahlreiche Soldaten im Sprungdienst und im Absetzen mit Lasten­seglern ausgebildet. Darunter befanden sich auch etliche Prominente: wie der spätere Schauspieler Joachim Fuchsberger und der Profiboxer Max Schmeling.

Die sowjetische Armee besetzte Alt Daber am 3. Mai 1945, nutzte den Platz ohne Unterbrechung weiter und baute den Standort stetig aus. Die 2000 Meter lange Start- und Landebahn wurde betoniert und spä­ter um 400 Meter verlängert.

1946 bis 1947 diente der jüngste Sohn des sowjetischen Diktators Josef Stalin, Wassili, als Generalmajor im Stützpunkt Alt Daber.

In der Fliegergarnison wird am 8. August 1948 wahrscheinlich auch Swetlana Sawitzkaja, Tochter des sowjetischen Fliegeroffiziers Jewgeni Sawitzki, geboren. Obwohl sie selbst als Geburtsort Moskau angibt, gibt es Zeugenaussagen, die den Verdacht nahe legen.

1994 endet die Nutzung Alt Dabers durch das sowjetische Militär.

Von Christian Bark

Allerhand empfindsame Musik bekam das Publikum am Donnerstagabend bei einem Flöten- und Orgelkonzert in der Wittstocker Marienkirche zu hören. Dabei informierten die Musiker auch über die Instrumente und Komponisten.

13.08.2018

Das Pumpenhaus an der Dosse in Wittstock erstrahlt in einem neuen Anstrich. Möglich machte das Mike Froböse – völlig kostenlos für die Stadt.

10.08.2018

Straßenbauarbeiten bringen in Wittstock veränderte Verkehrsführungen mit sich. Auch der Busverkehr wird neu geregelt. Einschränkungen gelten bis Ende September

10.08.2018