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Länger als bis zwei Uhr hält’s niemand aus

Forstleute warten auf den großen Regen Länger als bis zwei Uhr hält’s niemand aus

Am 26. Juni hat's das letzte Mal geregnet. „Vier Wochen ist das jetzt her“, sagt Matthias Leibrandt, Leiter des Forstreviers Friedrichsgüte. Sorgen um die Pflanzen und Tiere des Waldes macht er sich noch nicht. Nur die Arbeit in der Gluthitze macht den Forstarbeitern zu Schaffen.

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Revierleiter Matthias Leibrandt (l.) und Forstarbeiter Günter Seidel: Bei der Hitze ist die Arbeit imWald besonders anstrengend, aber sie muss getan werden.

Quelle: Köhn

Friedrichsgüte. „Denn in der Woche davor hatten wir 56 Millimeter Niederschlag. Das war eine gute Reserve für den Wald.“ Doch die ist nun langsam aufgebraucht. Und deswegen wäre es jetzt langsam gut, wenn es mal wieder regnen würde, denn die Gefahr, dass es brennt, ist bei dieser Hitze enorm gestiegen. „Wir stellen unsere Autos möglichst auf Sandwegen ab“, sagt er. Denn neben achtlos weggeworfenen Zigaretten, der Ursache Nummer 1 für Waldbrände, sind heiße Katalysatoren der Autos die zweithäufigste Waldbrandursache. Denn wenn lange, trockene Grashalme mit den heißen Fahrzeugteilen in Berührung kommen, können die Halme ebenfalls anfangen zu brennen. „Das ist dann nicht nur für den Wald schlecht, sondern auch fürs Auto.“

Es ist nicht ungefährlich, das Auto an einer mit hohem Gras bewachsenen Stelle zu parken. Der Katalysator könnte einen Brand auslösen.

Quelle: Köhn

Auch bei dieser großen Hitze kommen die Beschäftigten der Forst nicht umhin, im Wald ihre Arbeit zu tun. Der Holzeinschlag rechts des Weges zwischen Dossow und Friedrichsgüte ist zu Ende zu bringen. „Wir müssen unseren Lieferverpflichtungen nachkommen und die Fläche soll im Herbst bepflanzt werden.“

Matthias Leibrandt hat sich um 1600 Hektar Landeswald zu kümmern. Er betreut eines von zwölf Revieren der Oberförsterei Alt Ruppin. Bis Ende 2011 gehörte das Revier Friedrichsgüte zur Oberförsterei Dossow, aber mit der Forstreform änderte sich einiges an der Organisation. Für die Beratung der privaten Waldbesitzer oder den Kirchenwald ist der Forstamtmann nun nicht mehr zuständig.

Freigegeben für die Kettensäge: Schwaches Holz wird für den Harvester-Einsatz markiert.

Quelle: Köhn

Die Waldarbeiter fangen derzeit bereits um 6 Uhr morgens mit ihrer Arbeit an. Wenn’s noch einigermaßen erträglich ist mit den Temperaturen, wird die körperlich schwere Arbeit gemacht, das Absägen der Bäume. Nachmittags um zwei ist Feierabend. „Länger hält man das gar nicht aus“, sagt Forstarbeiter Günter Seidel, der einen Baum nach dem anderen umlegt und in fünf oder 3,80 Meter lange Stämme zerteilt. Hochwertiges Sägeholz ist das.
Die Arbeit ist schwer. Die Sicherheitsschuhe sind schwer, die Schnittschutzhose ist schwer und die Kettensäge ist auch nicht gerade leicht. Seit 2004 ist Akkordarbeit im Wald untersagt. „Das ging nur zu Lasten der Sicherheit“, erläutert Matthias Leibrandt den Grund für die Änderung der Vorschrift.
Am meisten macht den Waldarbeitern derzeit die Hirschlausfliege zu schaffen, ein fieses, bissiges Insekt, das normalerweise Hirsch, Wildschwein und Co. heimsucht und sich in deren Haut verbeißt. Aber so eine Hirschlaus, wie sie auch genannt wird, verschmäht auch das Blut von Waldarbeitern und Pilzsuchern nicht, und wenn sie zubeißt, ist das äußerst schmerzhaft. „Die haben heute offenbar ihren Flugtag“, sagt Leibrandt und verscheucht ein solches Insekt aus dem Auto.

Neben dem Durchforsten des Waldes muss jetzt auch die Herbstpflanzung vorbereitet werden. Aus der Monokultur Kiefernwald, in der bereits die ersten Faulbäume stehen, soll eines Tages ein Mischwald werden. „Man ist mittlerweile davon abgekommen, die jungen Bäume im Frühjahr anzupflanzen“, erklärt der Fachmann. Denn neuerdings kommt es auch im Frühjahr zu längeren Trockenperioden. So war vor wenigen Jahren der Monat April gänzlich niederschlagsfrei. Eine solche Trockenheit halten selbst die jungen Eichen mit ihren tiefen Pfahlwurzeln nicht aus, denn in machen Flächen steht der Grundwasserpegel erst in vier Metern Tiefe.

Außerdem müssen die Wege frei und befahrbar gehalten werden. Wenn es wirklich mal brennen sollte, muss gewährleistet sein, dass die großen Feuerwehrfahrzeuge ebenso gut durchkommen wie die Forstfahrzeuge, die das Holz aus dem Wald schaffen.

Die Waldbrandüberwachung gehört in die Zuständigkeit der in Neustadt ansässigen Hoheitsförsterei und Leibrandt hat nur noch Bereitschaftsdienst und müsste zum Beispiel die Brandwache organisieren, falls mal ein Feuer ausbricht. Auch die Waldarbeiter werden wochenweise zum Bewachen der Monitore eingesetzt, die im Forstamt in Karnzow bei Kyritz stehen. Denn die Feuerwachtürme, die es in der Region gibt, sind schon seit vielen Jahren nicht mehr besetzt, dafür gibt es die Videoüberwachung. Forstarbeiter Günter Seidel macht das nicht so gern. „Es ist ermüdend, acht Stunden am Tag auf die Monitore zu starren und zu gucken, ob sich irgend etwas verändert hat.

Da es derzeit so extrem trocken ist, kommen auch nur wenig Pilzsucher in den Wald. „Aber wenn es erst mal geregnet hat, geht es wieder los.“ Der Revierförster hat nichts dagegen, dass die Menschen in den Wald kommen, solange sie sich vernünftig und verantwortungsbewusst darin bewegen, das heißt, solange sie nicht in die gesperrten Waldwege hinein fahren und ihre Autos so abstellen, dass es darunter nicht anfängt zu brennen. Und solange sie im Wald nicht rauchen. „Ein Betretungsverbot gibt es ja nicht.“

Von Uta Köhn

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