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Wittstock/Dosse Die MAZ in luftiger Höhe
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10:33 01.05.2018
MAZ-Reporter Christian Bark (r.) flog mit Florian Thiede vom Wittstocker Fliegerklub mit dem Segelflugzeug mit. Quelle: Christian Bark
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Alt Daber

Eigentlich will ich ja nur einen Bericht über den großen Tag der offenen Tür auf dem Flugplatz Alt Daber schreiben, zu dem die Mitglieder des Wittstocker Fliegerklubs an diesem Sonntag geladen haben. Vor Ort räumen mir die Clubmitglieder aber die Möglichkeit ein, einmal mit einem Segelflugzeug in die Luft steigen zu dürfen. Das Angebot nehme ich doch gerne an, allein schon, um ein paar Luftaufnahmen machen zu können.

Mit Florian Thiede vom Wittstocker Fliegerklub ging es hoch in die Luft. Rund 15 Minuten dauerte der Turn mit dem Segelflugzeug von Alt Daber aus.

Mein Mann für dieses Vorhaben ist Florian Thiede. Der 31-Jährige ist einer der vielen Fliegerklubmitglieder, die sich an diesem Tag mit Besuchern in die Lüfte schwingen. „Schaffen wir es auch, die Wittstocker Kirchturmspitze zu streifen“, will ich scherzhaft von ihm wissen. „Wenn Dein Magen das mitmacht“, entgegnet er. An diesen Satz sollte ich wenig später noch zurückdenken.

Fallschirmtragen war Pflicht

Bevor ich in das Flugzeug steigen kann, muss ich mir einen Fallschirm anlegen – falls doch mal was passieren sollte, wie Florian mir erklärt. „Du musst einfach nur rausspringen, der Fallschirm öffnet sich von allein“, sagt er. Kurz erklärt er mir, worauf ich beim Flug achten muss: von wegen nichts anfassen und so. Lediglich ein kleines Fenster, wo ich mit der Kamera rausfotografieren darf, kann ich nach Belieben öffnen.

Dann geht’s los. Über eine Seilwinde, die über einen Kilometer vom Startfeld entfernt steht, werden wir in die Luft gezogen. Mit einer Geschwindigkeit von 120 Stundenkilometern geht es in einem 45-Grad-Winkel hoch in die Luft. In einer Höhe von 500 Metern wird das Seil ausgeklinkt und der Segler ist nun völlig auf sich allein gestellt und soll segeln. „Heute stimmt die Thermik“, sagt mir Florian und mit den warmen Luftmassen geht es rasch in eine Höhe von mehr als 1000 Metern.

Ich bin schon öfter in meinem Leben geflogen aber noch nie in einem so kleinen Segelflieger. Entsprechend mulmig ist mir schon und auch der Magen meldet sich, wie zuvor vom Piloten versprochen. „Auf den Horizont blicken hilft“, empfiehlt Florian. „Und ab und zu mal mit dem Kopf nicken.“ Dadurch könne sich das Innenohr wieder orientieren. Wenn im Flugzeug nämlich Auge und Ohr widersprüchliche Informationen ans Gehirn liefern würden, reagiere der Körper mit Übelkeit. Das betreffe aber nicht nur Fluggäste wie mich. „Es gibt sogar Piloten, denen beim Mitfliegen als Beifahrer schlecht wird“, berichtet mir Florian.

Florian Tiede ist eigentlich Kampfpilot

Beim Flug über die Landschaft, bei der wir die nördlichen Wittstocker überfliegen und sogar bis zur Mecklenburgischen Seenplatte blicken können, erzählt Florian mir ein wenig über sein Hobby. Seit 17 Jahren fliege er schon. Damals immer in Perleberg, weil er von dort kommt. Heute sei er bei der Bundeswehr in Laage bei Rostock. Als Kampfpilot fliege er auch Eurofighter. Weil Alt Daber quasi auf dem Weg zwischen Rostock und seiner Heimat liegt, sei er seit einigen Jahren auch bei den Wittstocker Fliegern Mitglied. „Der Trend geht hin zur Doppelmitgliedschaft.“

„Das Segelfliegen ist eine ganz gute Voraussetzung dafür, sein Hobby zum Beruf zu machen“, sagt der 31-Jährige. In der fast zweijährigen Ausbildung würde man als angehender Pilot viel lernen müssen. „Mehr als für den Autoführerschein“, informiert Florian. Wenn man dann aber eigenständig durch die Lüfte fliegen könne, sei das ein wunderbares Gefühl. Dabei komme es aber immer auf die Thermik an. Bei kaltem Wetter könne sich ein Segelflugzeug vielleicht zehn bis 15 Minuten in der Luft halten. Wenn der Pilot aufsteigende warme Luft für sich nutzen kann, seien weit längere Flugzeiten und sogar extrem lange Strecken möglich. Über 1200 Kilometer sei ein Flugkollege im vergangenen Jahr mal mit dem Segler geflogen.

Über Alt Daber sind an dem Tag mehrere Segelflugzeuge unterwegs. Über das Funkgerät können sie sich untereinander und mit dem Tower am Boden verständigen. Zu Sicherheit gibt es im Cockpit auch ein Kollisionswarngerät. Passiert sei beim Fliegerklub Alt Daber aber noch nie was, wie Florian berichtet. Dann taucht in der Nähe ein anderer Flieger auf. Beide Segelflugzeuge umkreisen sich in sicherem Abstand. „Wir müssen immer in Sichtweite bleiben“, erklärt Florian. Bei Wettkämpfen der Flieger gebe es diese Situation mit dutzenden Flugzeugen am Himmel. „Das sieht dann aus wie ein großer Wespenschwarm.“

Ende gut, alles gut

Jetzt sind wir über Wittstock. Ich öffne das kleine Fenster und schieße ein paar Fotos. Richtig viel sehen kann ich nicht, weil es im Cockpit so hell ist. Dennoch ist es schon was Besonderes, die Stadt mal von oben aus zu betrachten. Nach 14 Minuten setzen wir zur Landung in Richtung Flugplatz an. Für mich keine Sekunde zu früh, denn trotz Horizontgucken und Nicken, bleibt das flaue Gefühl im Magen. „Jetzt nur noch heil landen“, denke ich mir. Beim Aufsetzen auf den Boden holpert es etwas, das ist aber normal, wie mir Florian erklärt. Ich habe es also geschafft, meinen ersten Segelflug. Und wenn sich auch der Magen etwas beruhigen muss, bleiben doch viele Schöne Bilder im Kopf.

Von Christian Bark

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