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Wittstock/Dosse Ein Metallsplitter veränderte das ganze Leben
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse Ein Metallsplitter veränderte das ganze Leben
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14:14 22.12.2018
Schwer verletzt: Im rechten Auge von Thomas Koppermann sitzt seit Juli vergangenen Jahres ein Metallsplitter. Quelle: Christamaria Ruch
Wittstock

„Mehr geht nicht.“ Gut 16 Monate nach einem schweren Arbeitsunfall am rechten Auge weiß Thomas Koppermann aus Freyenstein: Mehr können die Ärzte für ihn nicht leisten. Die Sehkraft auf seinem verletzten Auge liegt fortan nur noch bei zehn Prozent. Doch der 49-Jährige hat eine positive Lebenseinstellung und sagt: „Anderen Menschen geht es viel schlechter.“

Rückblende: Am 24. Juli 2017 erlitt der Wittstocker Bauhofmitarbeiter Thomas Koppermann einen Arbeitsunfall. Er wechselte bei Mäharbeiten das Mähmesser am Rasentraktor. Alles Routine. Doch der Hammer rutschte gegen den Metallrahmen vom Fahrzeug. Dabei platzte ein Splitter ab und traf sein rechtes Auge. In der Augenklinik in Groß Pankow ergaben dann erste Untersuchungen, dass etwas durch das Auge geschossen war. Der Sehnerv war zum Glück nicht getroffen.

Am selben Tag folgten weitere Untersuchungen in der Augenabteilung der Uniklinik in Rostock. Seitdem musste er immer wieder zu Untersuchungen und Operationen nach Rostock und Groß Pankow. Höhen und Tiefen gehören nun zu seinem Alltag. Linse und Glaskörper am verletzten Auge wurden damals entfernt. Bereits im November vergangenen Jahres berichtete die MAZ über diesen Unfall und seine Folgen.

Thomas Koppermann, als er noch arbeiten konnte: Beim Umzug der Bibliothek Freyenstein von der alten Schule ins Schloss. Quelle: Björn Wagener

Der Splitter sitzt bis heute im Auge – er kann nicht entfernt werden. Und noch immer ist Thomas Koppermann krank geschrieben. Glück im Unglück: Weil der Unfall während der Arbeit passierte, kommt die Berufsgenossenschaft zum Zuge und er erhält bis Januar kommenden Jahres 100 Prozent Verletztengeld. Bei allen Eingriffen an seinem Auge muss der 49-Jährige Zeit und Geduld mitbringen.

„Bei den Untersuchungen und Eingriffen haben sich immer wieder andere Sachen aufgetan, die gar nicht eingeplant waren“, sagt er. Bei einer Operation Anfang Januar sollten nur die Fäden auf der Hornhaut gezogen werden. „Dabei stellte sich heraus, dass die Netzhaut abgelöst war, es wurde eine Plombe eingesetzt“, sagt Thomas Koppermann. Steigt sein Augendruck, sieht er plötzlich Lila. „Das können sich die Ärzte nicht erklären, aber das ist ein gutes Hinweiszeichen“, sagt er.

De Arbeitsunfall passierte bereits 2017

Doch bereits im März löste sich die Netzhaut „massiv ab, das konnte ich nicht merken, weil ja die Linse fehlte“, räumt Koppermann ein. Daraufhin zogen die Augenärzte in Rostock einen Netzhautspezialisten hinzu. „Die Netzhaut wurde 15 Minuten lang angelasert, das erfolgte mit örtlicher Betäubung. Das war, als würde ich Stromschläge im Gehirn bekommen“, erinnert sich Thomas Koppermann. Anschließend musste er fünfmal alle zwei Tage nach Rostock zur Kontrolle, „um neue Probleme vorzubeugen.“ Anderenfalls hätte eine erneute große Operation angestanden.

„Bis heute hält die Netzhaut“, sagt Koppermann. Ende Juli erhielt er eine künstliche Linse. Doch dabei stellten die Ärzte so genante wilde Adern fest. „Sie waren aus dem Bereich hinter der Netzhaut durch das Durchschussloch in das Auge eingewachsen“, sagt er. Dann folgte eine Spritzenkur. Bis Ende Oktober musste Thomas Koppermann deshalb alle vier Wochen nach Groß Pankow und Rostock.

Viele Operationen hat Thomas Koppermann schon hinter sich

Der Kontrolltermin Ende November brachte ein gutes Ergebnis: Der Wildwuchs ist verschwunden. Erst vor zwei Wochen setzte er sich erstmals seit dem Unfall wieder hinters Lenkrad seines Autos. „Allerdings ist mein räumliches Sehvermögen stark eingeschränkt, das dreidimensionale Sehen fehlt dauerhaft“, sagt er.

„In der Regel kratzen die Augenärzte im Falle eines Unfalls einen Splitter von der Hornhaut ab, bei mir war das nicht möglich. Für die Ärzte in Rostock ist das ein einmaliger Fall“, sagt Koppermann. Und: „Ich kann keine Bäume mehr ausreißen, aber möchte wenigstens noch kleine pflanzen. Mein Ziel ist, dass ich wieder arbeiten gehe“, sagt er. Regelmäßig steht er seit dem Unfall mit dem Wiedereingliederungsmanagement der Stadt Wittstock und der Berufsgenossenschaft Land, Forst, Garten im Kontakt.

Ständige Kontrollen sind nötig – immer wieder gab es Komplikationen

Bevor er diese Hürde nehmen kann, steht in Kürze ein Belastungstest bei der Berufsgenossenschaft bevor. Dieser mündet in ein Gutachten, um genau festzulegen, welche Arbeiten Thomas Koppermann zukünftig leisten kann. „Ich darf nur noch fünf Kilogramm heben“, sagt er. Denn über das Auge wird sehr viel Druck abgeleitet. Hält er sich nicht daran, kann sich der Splitter doch noch lösen und abwandern. „Jetzt ist der Splitter verkapselt“, sagt er. Fünf Kilogramm ist nicht viel - ein Sechserpack Bierflaschen bringt gut 4,5 Kilogramm auf die Waage.

Mittlerweile kann sich Thomas Koppermann auch wieder bücken, ebenso darf er den Kopf nach hinten beugen. Schon jetzt steht jedoch fest: Rotierende Geräte wie Motorsense, Freischneider oder Rasentraktor bleiben für ihn tabu. Ebenso das Leitersteigen. „Ich muss auch Stress vermeiden“, sagt er. Am Computer kann er nur eingeschränkt arbeiten, Lesen ist kaum möglich.

Er ist immer noch krankgeschrieben – und will endlich wieder arbeiten

Wittstocks Stadtsprecher Jean Dibbert sagt auf MAZ-Nachfrage: „Im Allgemeinen sind wir natürlich daran interessiert, Mitarbeiter nach längerer Krankheit wieder in den Arbeitsprozess einzugliedern. Der Zeitpunkt und Ablauf richten sich nach der Einschätzung des behandelnden Arztes. Über die weitere Vorgehensweise wird gemeinsam mit dem Mitarbeiter und der Berufsgenossenschaft entschieden.“

Und Thomas Koppermann sagt: „Ich möchte arbeiten, denn jeden Tag wird es hell für mich. Doch abends, wenn ich alleine zu Hause bin, die drei Kinder schon schlafen und meine Frau im Spätdienst arbeitet, wird es manchmal schwierig“, räumt er ein. Dennoch weiß er: „Ich bin zu jung, um die Flinte ins Korn zu werfen.“

Von Christamaria Ruch

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