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Wittstock/Dosse Enkel blättert im Tagebuch des Opas ab 1945
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse Enkel blättert im Tagebuch des Opas ab 1945
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14:10 28.02.2019
Wertvolles Geschichtsdokument: Walfried Fromhold-Treu hielt den Dorfbrand am 2. Mai 1945 in Sewekow auf einem Bild fest. Quelle: Christamaria Ruch
Sewekow

Die Bilder sind schon 74 Jahre alt, doch sie bauen bis heute Brücken. Gemeint sind die Zeichnungen von Walfried Fromhold-Treu, der Anfang 1945 mit seiner Familie aus Lettland kam. Nach einer kurzen Zwischenstation in Wulfersdorf zog er nach Sewekow weiter und blieb dort bis 1956.

Jetzt besuchte dessen Enkel Michael Fromhold-Treu erstmals die Mitglieder der Arbeitsgruppe Heimatgeschichte im Heimatverein Sewekow. Denn der 64-Jährige entdeckte im Internet einen MAZ-Bericht von Juli 2017 über seinen Großvater und dessen Bilder.

„Ich finde das schön, dass meine Vorfahren hier nicht in Vergessenheit geraten sind“, sagte er in Sewekow. Mehr als drei Stunden stand er im Gespräch mit den 15 Frauen und Männern. Er sprach von seiner Hoffnung im Vorfeld des Besuchs, weitere Unterlagen von seinen Vorfahren in Sewekow zu finden.

Erwartungen übertroffen

„Meine Erwartungen sind übertroffen“, sagte er später. Damit meinte er auch das Tagebuch seines Großvaters, in dem dieser ab 1945 minutiös Beobachtungen und Begebenheiten aus Sewekow notierte. „Ich wusste nicht, dass so etwas existiert“, sagte er. Weitere Begegnungen und Gespräche zwischen ihm und dem Heimatverein sind geplant.

Michael Fromhold-Treu wohnt im mecklenburgischen Tessin, ist Maschinenbauingenieur, Medizintechniker und Praxismanager in der Hausarztpraxis seiner Frau. „Ich hatte nach dem MAZ-Bericht Kontakt mit Frau Schäfer aufgenommen, denn ich wusste nicht, dass meine Familie auch in Wulfersdorf war“, sagte er.

Bei Heidi Schäfer als der Vorsitzenden des Heimatvereins Sewekow löste sein Anruf zunächst Missverständnisse aus. „Ich dachte, er möchte jetzt alle Bilder wieder zurück haben“, sagte sie.

Doch Michael Fromhold-Treu konnte die Zweifel aus dem Weg räumen. „Die Bilder hat mein Vater Eberhard dem Heimatverein geschenkt, daran möchte ich nicht rütteln.“

Vielmehr möchte er in Zukunft die Arbeit am Familienarchiv fortsetzen. „Da gibt es Nachholbedarf, denn mein Vater hat das nicht gemacht, die Gründe habe ich nicht erfahren“, sagte er.

Vorfahren aus dem Baltikum

Michael Fromhold-Treus Vorfahren stammten aus dem Baltikum – sie waren Baltendeutsche mit Ursprung in Pommern. Seit 350 Jahren existiert der Doppelname.

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges im Jahre 1939 „wurde die Familie in die ganze Welt verstreut: Kanada, USA, Frankreich gehören dazu. Walfried Fromhold-Treu galt als Sprachgenie und beherrschte sieben Sprachen; er war Lehrer mit theologischer Ausbildung. Er widmete sich in Lettland der Heimat- und Familienforschung.

„Jedes seiner Hobbys hätte mein Großvater zum Beruf machen können“, das weiß er von seinem Vater Eberhard. Und: „Es ist so viel Ehre, über seine Vorfahren so viel Gutes zu hören.“

Michael Fromhold-Treu lernte bei seiner Großmutter Russisch. Bis heute profitiert er davon: „Wenn Flüchtlinge aus diesen Regionen in die Praxis meiner Frau kommen, kann ich weiterhelfen.“ Damit schließt sich für ihn ein Kreis, denn so wie seine Vorfahren als Flüchtlinge in Sewekow gut aufgenommen wurden, baut er nun Brücken zu den Flüchtlingen in der Gegenwart.

Sewekower erinnern sich

Bis heute können sich Sewekower an die Familie Fromhold-Treu erinnern. Dabei tauchten am Dienstag viele Begebenheiten auf. Als Lehrer, Krankenschwester und Hebamme hinterließ die Familie Spuren.

Heidi Schaefer, Kai-Uwe Stockfisch und Heidrun Lück (v.l.) standen mit Michael Fromhold-Treu beim Heimatverein in Sewekow im Gespräch. Quelle: Christamaria Ruch

Adelheid (Heidi) Schäfer hat ihren Vornamen Adelheid Fromhold-Treu zu verdanken, einer Tante von Michael Fromhold-Treu. „Sie kamen als Flüchtlinge 1945, das war nicht freiwillig. Aber sie haben mit ihren Dokumenten eine Spur in der Welt hinterlassen“, sagte Ortsvorsteher Martin Schäfer. Er sieht in den Tagebuchaufzeichnungen und Bildern einen Gewinn für die Region.

Kostbarkeiten für Dorfchroniken

„Das sind Kostbarkeiten für unsere Dorfchroniken und vervollständigen das Bild über diese Zeit. Das ist sehr ehrenhaft, dass uns das auf Dauer überlassen wird“, sagte Schäfer. Michael Fromhold-Treu erhält nun Kopien von den einzelnen Unterlagen und Bildern.

Wo hat die Familie gewohnt?

Auch die Wulfersdorfer Ortschronisten Heidrun Lück und Kai-Uwe Stockfisch sind erleichtert, dass die Zeichnungen von Wulfersdorf bei ihnen bleiben können. Eine Frage ist laut Lück noch ungeklärt: „Wo hat die Familie Fromhold-Treu bei ihrem kurzen Aufenthalt in Wulfersdorf gewohnt?“ Es besteht die Vermutung, dass es sich um den Hof Kohlmetz handelt.

„Vielleicht kann sich jemand aus Wulfersdorf daran noch erinnern“, sagte Heidrun Lück. „Es ist gut, dass die Bilder von Wulfersdorf auch vor Ort der Öffentlichkeit zugängig gemacht werden“, sagte Michael Fromhold-Treu. Er sieht darin einen größeren Nutzen, als wenn die Zeichnungen im Familienarchiv liegen würden.

Von Christamaria Ruch

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