Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Wittstock/Dosse Der schwere Weg der Sinti und Roma
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse Der schwere Weg der Sinti und Roma
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:34 08.11.2018
Tobias von Borcke während seines Vortrages im Todesmarschmuseum im Belower Wald. Quelle: Björn Wagener
Belower Wald

Schon die Wortwahl klingt beklemmend: „Runderlass zur Bekämpfung der Zigeunerplage“ oder „Rassenhygienische Forschungsstelle“. Doch sie macht die Gesinnung der nationalsozialistischen deutschen Gesellschaft gegenüber sogenannten Zigeunern deutlich. Was mit Ausgrenzung begann, gipfelte im Zweiten Weltkrieg in einem Völkermord, dem europaweit rund 500.000 Menschen zum Opfer fielen.

Tobias von Borcke ist Soziologe und in der historisch-politischen Bildungsarbeit tätig. Er referierte am Mittwochabend im Todesmarschmuseum im Belower Wald vor knapp 20 Besuchern über diese Verbrechen, was sie für die Sinti und Roma bedeuteten und wie diese seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges um ihre Anerkennung kämpfen.

Das Zigeuner-Buch von 1905

Schon 1899 sei bei der Münchner Polizei eine „Zigeuner-Zentrale“ gegründet worden. Dort liefen Daten von sogenannten Zigeunern zusammen, die unter Generalverdacht gestellt worden waren. Der Leiter der Zentrale, Alfred Dillmann, erstellte 1905 das „Zigeuner-Buch“, in dem 3350 Personen erfasst waren. Es diente als Fahndungsgrundlage.

In der Weimarer Republik der 1920-Jahre habe eine Radikalisierung im Polizeiapparat eingesetzt, die ab 1933 noch stärker vorangetrieben wurde. Von Borcke zitierte Aussagen eines damals zwölfjährigen Zeitzeugen: „1935 setzte uns der Lehrer ans andere Ende des Klassenraumes. Es hieß plötzlich: Ein deutsches Kind braucht nicht mit einem Zigeuner an einem Tisch zu sitzen.“ 1939 habe es einen „Festsetzungserlass“ gegeben, wonach „Zigeuner“ an jenem Ort verbleiben mussten, an dem sie sich gerade befanden.

Die meisten Opfer durch Erschießungen

1940 folgte die erste große Deportation ins besetzte Polen. Es wurden Zigeunerfamilienlager eingerichtet. „Doch die meisten Opfer gab es bei Erschießungen“, sagte von Borcke.

Nach 1945 hätten in den Ämtern oft jene Leute über Entschädigungszahlungen entschieden, die bereits im Krieg Nationalsozialisten waren. Deshalb seien für die Zeit bis 1943 kaum Entschädigungen gezahlt worden. 1971 fand der erste Welt-Roma-Kongress in London statt, bei dem der Begriff „Roma“ statt Zigeuner geprägt wurde. 1982 wurde der Zentralrat der Sinti und Roma in Deutschland gegründet. Seit Mitte der 1990er Jahre gelten sie nicht mehr als Randgruppe, sondern als nationale Minderheit.

Von Björn Wagener

Gleich zweimal hintereinander hat es am Donnerstagmorgen bei Wulfersdorf gekracht. Eine Wildschweinrotte hatte plötzlich die Fahrbahn überquert.

08.11.2018

Mit ihrem Vortrag über die Ursachen und Behandlungsmethoden von Depressionen haben Kasha Piepenstock und Sonja Bagge am Mittwochabend das Interesse vieler Wittstocker geweckt. Die Praxis der Heilpraktikerinnen war gut besucht.

08.11.2018

In der Reihe „Mein unbekannter Nachbar“ stellte sich am Mittwoch der Inhaber des Seehotels Ichlim, Verlando Konschak, den Sewekower Senioren vor. Dabei erfuhren die Zuhörer, dass der Hotelier eigentlich mal was ganz Anderes gelernt hatte.

07.11.2018