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Wittstock: Freiheit für aufgepeppelte Raubvögel

Wilde Zöglinge weggeflogen Wittstock: Freiheit für aufgepeppelte Raubvögel

Entkräftet waren die drei jungen Turmfalken und ein Sperber, als Bürger sie in die Wildtierauffangstation in Struck vermittelten. Nach gut drei Monaten konnten sie gestern in Wittstock wieder in einen dekorativ bewölkten Himmel frei gelassen werden. Aufgepäppelt in der Station und beringt für eine einfache Wiedererkennung starteten die Raubvögel schnell durch.

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Das junge Turmfalkentrio vor der Freilassung.

Quelle: Claudia Bihler

Wittstock. Am Ende ihrer Kräfte waren die drei jungen Turmfalken, als Bernd Franke sie Ende Juni auf der Wittstocker Ringstraße fand. Am Mittwoch nun konnten sie wohlauf wieder in die Freiheit entlassen werden. Viel Aufforderung war nicht nötig, dann starteten die jungen Greife in einen passend dekorativ bewölkten Himmel durch.

Viel zu viele Totfunde

Turmfalken sind Kulturfolger und leben häufig in der Nähe der Menschen. Sie gehören mit einer Flügelspannweite von etwa 75 Zentimetern zu den kleineren Greifvögeln. Sperber leben dagegen bevorzugt im Wald. Eigentlich ist die Population der Turmfalken vergleichsweise stabil in der Wittstocker Region.

Es gibt mehrere Brutplätze, unter anderem einen auf dem Krono-Gelände in Heiligengrabe, aber auch Stellen im Stadtgebiet.

Wer für die Wildtierauffangstation spenden möchte, wendet sich am besten zunächst an die Betreiber Angieund Uwe Löblich unter 0162/6026761. Direkt spenden kann man auf das Konto Wildtierhilfe Prignitz e. V., DE63 1606 0122 0004 1560 48.

Dabei waren die Turmfalken schon gute Bekannte, die aus einer sechsköpfigen Brut stammen. Das wusste der Umweltanalytiker Jürgen Kaatz genau, da sie erst kurz zuvor mit Schülern des Wittstocker Gymnasiums mit Ringen ausgerüstet und gleich darauf wieder in die Freiheit entlassen werden sollten. Während drei Geschwister offenbar kräftiger waren, blieb dem Wittstocker Tierschützer an diesem Tag nichts anders übrig, als die anderen drei seiner Findelkinder an die Wildtierauffangstation in Struck in der Prignitz zu vermitteln. Dort wurden sie nicht nur gut aufgenommen, sondern auch für dreieinhalb Monate aufgepäppelt und mit allem versorgt, was junge Raubvögel benötigen. Täglich gab es Eintagsküken oder Mäuse – Fleisch ist für das Wohlbefinden der jungen Falken ebenso wichtig, wie für den nun halbwüchsigen Sperber, der ebenfalls zu Gast in Struck war.

Kurzer Rundblick, dann startet der Vogel aus Uwe Löblichs Hand

Kurzer Rundblick, dann startet der Vogel aus Uwe Löblichs Hand.

Quelle: Bihler

Nur zu den Fütterungszeiten hatten die Tiere in den drei Monaten Kontakt zu Menschen. Angie Löblich von der Auffangstation: „Das ist schon alleine darum wichtig, damit sie sich nicht an die Menschen gewöhnen.“ Das Konzept, so Jürgen Kaatz, gehe auf: „Wir haben noch keinen der Vögel aus Struck wieder gefunden, ebenso wenig, wie es Totfunde gab. Das weist darauf hin, dass keine Prägung auf den Menschen stattfindet“ Dabei wäre ein Wiederauffinden durchaus möglich, denn bevor die Tiere in die Freiheit entlassen werden, erhält jedes von ihnen einen Ring zur Identifikation.

Mit neugierigen und nur wenig schüchternen Blicken beobachteten die drei Turmfalken ihre Umgebung, in die sie bald darauf entlassen werden sollten: Für Erstaunen sorgte bei den Anwesenden, wie gelenkig die Jungvögel sind. Um 180 Grad können Turmfalken ihren Kopf drehen und so genießen sie einen hervorragenden Rundumblick. Nach einem flotten Fototermin ließ sich das Trio nicht lange bitten und verschwand im Spiralflug in die Lüfte.

Für den jungen Sperber mit den knackig-gelben Augen hieß es dagegen noch, ein paar Minuten länger zu warten. Er bekam erst noch seinen Ring angelegt, was er jedoch sehr entspannt hinnahm. Dann hob Uwe Löblich von der Station auch ihn auf die Hand, gab ihn frei. Nach einem kurzen Überblick entschied auch dieser Jungvogel, dass die Fläche gegenüber der Rheinsberger Siedlung in Wittstock mehr Verlockungen zu bieten hat als seine gepolsterte Transportbox: Er hob ab und war gleich darauf verschwunden. Mehrere hundert Wildtiere nimmt Familie Löblich in Struck pro Jahr auf: Wildvögel vor allem, unter ihnen Störche, Schwäne, Klein- und Raubvögel, aber auch Säugetiere. Ein guter Teil von ihnen braucht mehr Betreuung und bleibt auch über den Winter in Struck, in diesem Jahr werden es wohl 100 Wintergäste sein. Dringend benötigt werden Futterspenden _ Fleisch für Raubvögel, Getreide und Mais für die anderen. „Viele spenden für Hunde und Katzen, aber kaum jemand ist bereit, für Wildtiere etwas zu tun. Wir würden uns vor allem auch über dauerhafte Patenschaften freuen“, sagt Angie Löblich.

Von Claudia Bihler

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