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Wittstock treibt es bunt

Zu Besuch im Kostümfundus Wittstock treibt es bunt

Das Papst-Kostüm ist gerade unterwegs. Aber für Partygänger, schräge Vögel und Veranstalter historischer Feste gibt es noch genug zu holen im Wittstocker Kostümfundus. Die kunterbunte Kleiderkammer macht Feste und Märkte in der Prignitz und in Ostprignitz-Ruppin bunter.

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Rainer Dittmann hat gerade im Wittstocker Kostümfundus ein rotes Rüschenhemd anprobiert. Es passt – er ist zufrieden.

Quelle: B. Wagener

Wittstock. Kurz mal übergeworfen – passt. Das rote Rüschenhemd sitzt perfekt. So soll es sein. „Das nehmen wir“, sagt Rainer Dittmann. Am 11. Juli will er damit eine Hippie-Party in Wittstock noch ein bisschen bunter machen. Vielleicht noch eine Perücke dazu? Aber nein, die sieht ihm zu sehr nach Spaßmacher Atze Schröder aus. „Ich habe noch eine Perücke mit langen Haaren zu Hause. Die passt besser dazu.“ Es bleibt also bei dem Hemd. Zettel mit der Ausleihzeit angeheftet, fertig.

Als Party-Ausstatter dient der Kostüm-Fundus der Wittstocker Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft (WBQG) in Wittstock eigentlich eher selten. Normalerweise ist er überall dort gefragt, wo es historisch wird, etwa bei Dorffesten oder Stadtjubiläen. Dann feiert überall ein bisschen Wittstock mit. „Wir haben hier rund 2000 Kostüme“, sagt Sibylle Sackreuter, die aus jedem Durchschnittstypen einen Ritter, einen Soldaten von anno dazumal oder sogar einen Papst machen kann – buchstäblich im Handumdrehen.

Der Kostümverleih hat sich in der Region längst herumgesprochen. Erst kürzlich zur Tour de Prignitz wurden Kinder bunt ausstaffiert, um an der Strecke Eindruck zu machen. Gerade habe Wildberg angefragt: 15 Kostüme für die 700-Jahr-Feier? Bitteschön! 25 bäuerliche Kostüme gehen außerdem demnächst nach Kerzlin bei Neuruppin. Wer sich für ein oder mehrere Gewänder interessiert, sollte sein Begehr möglichst rechtzeitig vor der Anprobe anmelden, damit Sybille Sackreuter eine zum Thema passende Vorauswahl treffen kann. Das spart Zeit. Durchschnittlich würden pro Fest 15 bis 20 Kostüme ausgeliehen. 15 Euro kostet das pro Stück, egal, ob mit Hut, Schal oder sonstigen Accessoires. Mit Schuhen werde es schwierig. „Da haben wir nur Holzpantinen anzubieten. Aber sonst ist alles da. Das geht durch sämtliche Epochen.

Sybille Sackreuter in ihrem Kostümfundus

Sybille Sackreuter in ihrem Kostümfundus.

Quelle: B. Wagener

Das Papst-Kostüm ist viel unterwegs. Aber wir haben auch ein sehr gefragtes Ritterkostüm“, erzählt Sibylle Sackreuter und präsentiert das gute Stück. Getoppt werde es aber noch vom Burgfräulein. Das Kleid, das seine Trägerin in historisches Rot hüllt, ist ein wahrer Renner. „Fünfmal wurde es in diesem Jahr schon ausgeliehen, aber kein Problem, es ist gut waschbar.“ Der nächste Einsatz steht am 7. Juli bevor. Natürlich sind auch prignitztypische Kleider im Bestand. Manche wurden nicht nur selbst genäht, sondern auch der Stoff in Handarbeit gewebt. Wie lange das dauert? „Für sechs Zentimeter Stoff am Webstuhl braucht es 15 Minuten“, erzählt die Herrin der Kleider, die auch auf diesem Gebiet bereits Erfahrungen gemacht hat.

Die größte Herausforderung für den Kostümfundus ist und bleibt aber ein Heimspiel – der Sagenhafte Abendspaziergang in Wittstock. Dann lebt die Stadthistorie regelmäßig wieder auf, und zwar in vielen nachgestellten Bildern, die historische Begebenheiten darstellen. Dann würden rund 300 Kostüme auf einen Schlag gebraucht.

Ein großes Fest war einst auch der Startschuss für den Kostümfundus der WBQG. 1998 wurde er anlässlich der 750-Jahr-Feier Wittstocks angelegt. Neue historische Exemplare kämen heute aber eher selten hinzu, weil schlicht die Zeit fehle, sie herzustellen.

Doch ganz gleich, ob großes Stadtfest oder kleine Fete: Maximal eine Woche darf sich der Besitzer oder die Besitzerin auf Zeit wie ein Ritter, Papst, Edelmann, Burgfräulein oder eine Magd fühlen. Dann muss das Kostüm spätestens wieder zurückgegeben werden. Abhanden gekommen sei bislang so gut wie nichts. „Vielleicht mal eine Mütze oder so.“ Auch Beschädigungen seien eher selten, berichtet Sybille Sackreuter. Natürlich könne es vorkommen, dass mal ein Knopf abreißt oder ein Ketchup-Fleck auf dem Zwirn landet. Dann setzt sie sich an die Nähmaschine und bringt die Sache wieder in Ordnung. Gewaschen werden die Kleider ebenfalls vor Ort, teils per Hand, teils in der Waschmaschine. Arbeit gibt es genug.

Das rote Rüschenhemd, für das sich Rainer Dittmann entschieden hat, wird auch die Hippie-Party hoffentlich gut überstehen – bis zum nächsten Fest.

Von Björn Wagener

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