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Wittstock: Plattdeutsch in der Pflege

Alte Sprache neu belebt Wittstock: Plattdeutsch in der Pflege

Sieben Pflegefachkräfte aus drei Unternehmen absolvierten in den vergangenen Monaten einen Grundkurs in Plattdeutsch. Das Vokabular war dabei besonders auf den Pflegebereich zugeschnitten. Das soll den Mitarbeiterinnen helfen, noch besser auf Patienten einzugehen, die mit Platt aufgewachsen sind.

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Anette Greisert (l.) von der Volkshochschule überreichte die Teilnahmebescheinigungen an die Kursteilnehmerinnen.

Quelle: Björn Wagener

Wittstock. „Spöölen Se gern Koorden, tum Biespööl Romme orrer leever Wörpeln?“ Mit plattdeutschen Sätzen wie diesem finden Pflegekräfte mitunter schneller Zugang zu Patienten, als wenn sie sie hochdeutsch aussprechen würden. Denn für viele, vor allem ältere Menschen, die mit Platt aufgewachsen sind, ist diese alte Sprache ein Stück Heimat.

In den Wittstocker Pflege- und Gesundheitseinrichtungen Arbeiterwohlfahrt, KMG und „Pusteblume“ könnten Patienten vom Personal jetzt häufiger auf Platt begrüßt werden. Sogar kleine Unterhaltungen sind möglich. Denn sieben Mitarbeiterinnen erhielten am Dienstagabend beim Wittstocker Stammtisch der Niederdeutschen Sprache ihre Bescheinigungen, dass sie am Kurs „Platt in der Pflege“ teilgenommen haben – Andrea Heller, Nadine Pelzer, Kathrin Barthel, Kordula Bohnsack, Petra Wegener, Monika Boldt und Karino Horn.

Sprachhemmungen abbauen

Sie alle fanden sich seit dem 27. Oktober in 14-tägigem Rhythmus in der Kreisvolkshochschule in der Rheinsberger Straße ein, um das Plattdeutsche so weit kennenzulernen, dass Begrüßungen und einfache Unterhaltungen machbar sind. „Es ging vor allem darum, Hemmungen beim Sprechen abzubauen“, sagt Heidi Schäfer vom Stammtisch. Gemeinsam mit anderen Mitgliedern hatten die Freunde des Plattdeutschen einen Kurs erarbeitet, der speziell auf den Pflegebereich abgestimmt war. Unter dem Titel „Platt helpt – Platt hilft“ wurden insgesamt fünf Lektionen mit dem passenden Vokabular erarbeitet – von „Begrüßung, Wünsche und Fragen“ über „Essen und Trinken“, „Pflege“ und „Krankheit/Gesundheit“ bis hin zu „Interessen und Beschäftigungen“. Bei der Zusammenstellung der Lektionen zogen alle Stammtisch-Mitstreiter an einem Strang, einen besonders großen Anteil daran hatten aber Heidi Mohrling und Ingrid Meckelburg. Letztere gilt in der Runde als versierteste Plattsprecherin. „Ich bin mit Platt groß geworden, spreche es heute noch mit meiner Mutter“, sagt sie.

Wörterbuch soll folgen

Demnächst will der Stammtisch ein Wörterbuch herausbringen, das die gängigsten Worte und Redewendungen im hiesigen Platt beinhaltet. Ob das möglich ist, hänge jedoch davon ab, ob es dafür eine Förderung gibt. Heidi Schäfer ist aber jetzt schon froh über den Erfolg des „Versuchsballons“, wie sie den Kurs „Platt in der Pflege“ bezeichnet. Damit sei es endlich gelungen, Platt „aus der Brauchtumsecke herauszuholen“ und in den Alltag zu integrieren. Dieses Ziel verfolgt auch Ruth Schurbaum, die oft im Evangelischen Kindergarten Bienenkorb in Wittstock zu Gast ist, um die alte Sprache der nächsten Generation näher zu bringen.

Das Projekt „Platt in der Pflege“ könnte bald auch in andere Regionen getragen und von dortigen Freunden der Plattdeutschen Sprache nach Wittstocker Vorbild umgesetzt werden. Laut Heidi Schäfer wolle der Stammtisch das forcieren und Erfahrungen weitergeben.

Von Björn Wagener

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