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„Wittstock bekennt Farbe“ in Überzahl

Asylgegner zogen vorzeitig ab „Wittstock bekennt Farbe“ in Überzahl

Die Asylgegner waren am Sonnabend in Wittstock zahlenmäßig leicht unterlegen und hielten auch nicht so lange durch wie erwartet. Die 35 Demonstranten vor dem Rathaus – vor das Bürgermeister Jörg Gehrmann bezeichnenderweise gleich die Kehrmaschine hatte stellen lassen, zogen vorzeitig ab und überließen das Feld dem Aktionsbündnis „Wittstock bekennt Farbe“.

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Bunte Vielfalt: Die Mitglieder von „Bühne 11“ spielten Weltmusik auf dem Markt in Wittstock.

Quelle: Christamaria Ruch

Wittstock. Wenig Durchhaltevermögen zeigten gut 35 Asylgegner am Sonnabendvormittag auf dem Marktplatz in Wittstock. Das unter dem Namen bekannte Aktionsbündnis „Bürger Wittstocks“ hatte eine Veranstaltung für zwei Stunden angemeldet – doch schon vor Ablauf der erlaubten Frist rückten die Demonstranten ab und zogen nach Rheinsberg weiter. Außer lauter Musik und einer platten Rede entpuppte sich der Auftritt als sprichwörtlich heiße Luft.

Die Asylgegner demonstrieren vor dem Rathaus, vor das Bürgermeister Gehrmann eine Kehrmaschine hatte deponieren lassen

Die Asylgegner demonstrieren vor dem Rathaus, vor das Bürgermeister Gehrmann eine Kehrmaschine hatte deponieren lassen.

Quelle: Ruch

Polizisten der Hundertschaft aus Oranienburg sowie aus dem Gebiet der Polizeidirektion Nord kamen zum Einsatz. „Das ist heute eine gute 1:1-Betreuung“, sagte Polizeikommissar Stefan Rannefeld von der Pressestelle aus Neuruppin. Die Veranstaltung lief störungsfrei ab. „Die nutzen das Grundrecht der freien Meinungsäußerung und es läuft alles geordnet ab“, kommentierte Gerhard Richter vom Aktionsbündnis „Wittstock bekennt Farbe“ sachlich. Richter hatte als Versammlungsleiter eine Gegenveranstaltung von „Wittstock bekennt Farbe“ angemeldet – mehr als 50 Mitglieder und Wittstocker Bürger zeigten dabei Flagge gegen die Asylgegner. Vor allem der Auftritt der Band „Bühne 11“ mit Liedern aus Serbokroatien, einem Medley aus Israel sowie jiddischen Volksliedern setzte hörbare Zeichen für eine Vielfalt im Zusammenleben. Außerdem lief ein Waffeleisen sprichwörtlich heiß und versorgte die Besucher. „Wir zeigen, dass man Waffen auch als Waffeleisen verwenden kann“, so ein Mitglied von „Wittstock bekennt Farbe“. Auch das Storchenkostüm mit der Flagge „Tolerantes Brandenburg“ zeigte, wie bunt Wittstock ist. „Das ist eine friedliche Stadt“, sagte Richter. Und: „Flüchtlinge brauchen Unterstützung und viele helfen dabei mit und greifen unter die Arme.“ Für Richter ist wichtig: „Jeder soll sich seiner eigenen Angst vor dem Fremden und Neuen stellen und darüber sprechen.“

Angst ist für ihn ein normales Gefühl und wer Flüchtlingen beim Einleben in Wittstock hilft, kann dabei auch seine Angst überwinden. Mit Blick auf die Asylgegner sagte Gerhard Richter: „Es ist gemein, wenn diese Leute andere pauschal verunglimpfen.“ In diesem Fall ist es ratsam, lieber bei den Flüchtlingen nachzufragen und sie kennen zu lernen. „Das ist besser, als seine Angst zu pflegen.“ Dafür erntete Richter viel Beifall von allen Seiten.

Bürgermeister Jörg Gehrmann zeigte ebenfalls Flagge gegen den Aufmarsch der Asylgegner. Standesgemäß hatte er dafür gesorgt, dass die Kehrmaschine vom Bauhof direkt vor dem Rathaus postiert wurde. Unmittelbar davor standen die Asylgegner. „Wir kehren nachher wieder symbolisch den Aufmarsch weg“, so Gehrmann. Er zeigte sich „froh, dass die Gemeinschaft in Wittstock so gut aufgestellt ist und die Bürgergesellschaft Position gegen diesen Aufmarsch bezieht.“ Jeder kann seiner Meinung nach ein Signal setzen und mit dem persönlichen Erscheinen gegen Aufmärsche dieser Art Position beziehen.

Auch die Stadt setzt weiter Zeichen für Asylsuchende: Ab Januar kommenden Jahres sollen dort drei Stellen nach dem Bundesfreiwilligendienst (Bufdi) besetzt werden. Diese Leute unterstützen dann inhaltlich und organisatorisch die Integration von Flüchtlingen in Wittstock. Derzeit leben 63 Asylsuchende im Wittstocker B3-Center und fünf Familien sind in dezentralen Wohnungen untergebracht. Außerdem ist das Schullandheim in Schweinrich seit Anfang des Monats Erstaufnahmestelle für bis zu 25 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. „Heute ging es auch klar darum, wer das letzte Wort hat“, sagte Gerhard Richter mit Blick auf die Asylgegner auf der anderen Seite des Marktes. „Wichtig ist, dass es zu keinem Zusammenstoß kam und wir einander respektiert haben.“

Von Christamaria Ruch

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