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Ostprignitz-Ruppin Jugendliche auf Spuren des Holocaust
Lokales Ostprignitz-Ruppin Jugendliche auf Spuren des Holocaust
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19:51 29.03.2018
25 Jugendliche besuchten über DGB-Jugendbildungsstätte die Lager Auschwitz und Birkenau. Quelle: privat
Wittstock

Im Geschichtsunterricht behandeln sie gerade das Mittelalter oder die Zeit des Absolutismus. Mit dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust, also der millionenfachen Ermordung von Juden, hatten die 25 Wittstocker Jugendlichen, die vergangene Woche an einer Exkursion nach Auschwitz teilgenommen haben, bisher weniger Berührung. „Wir waren mit der Schule schon mal im Belower Wald“, berichtete die 13-jährige Alina Müller. In die dortige Gedenkstätte Todesmarsch“ führte es die Jugendlichen auch vor ihrer viertägigen Reise nach Polen hin. Quasi als Vorbereitung auf die Erlebnisse, die sie in dem Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau erleben würden.

Eine Bildungsexkursion führte 25 Jugendliche aus Wittstock für vier Tage nach Auschwitz. Dort besichtigten sie das Konzentrationslager und tauchten tief in ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte ein.

„Eigentlich wollten wir die Exkursion schon im Oktober machen, das hatte sich dann aber verschoben“, erklärte Manja Jungbluth von der Jugendbildungsstätte des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) in Flecken Zechlin, über die die Reise organisiert worden war. „Eine so lange Bildungsreise haben wir vorher noch nicht unternommen“, berichtete ihre Kollegin Uta Lauterbach. Weil sie aber so „positiv überrascht“ über das Interesse der Jugendlichen gewesen wäre, seien künftig auch weitere mehrtägige Bildungsreisen durchaus denkbar.

Dokumente des Verbrechens durchforstet

Am ersten Tag hatten die Jugendlichen das Stammlager Auschwitz I besucht. „Dort waren die Häftlinge untergebracht“, erklärte Paula Schönfeld. Die 13-Jährige war bei dem Besuch des Lagers sehr bewegt, wie sie sagte. In einer Ausstellung hätten die Jugendlichen Habseligkeiten ermordeter KZ-Häftlinge gesehen.

Im Jugendclub C60 sprachen sie am Donnerstag darüber. Quelle: Christian Bark

Am zweiten Tag sei es in das Vernichtungslager Birkenau gegangen. „Wir haben die Gleise für die Züge gesehen, mit denen Menschen aus ganz Europa hergefahren worden sind“, sagte der 17-jährige Sven Lippke. Er sei erschrocken über die „perfekte Organisation“ des Tötens gewesen. Der dritte Tag der Exkursion war geprägt von drei Workshops. Einmal zum Thema „Dokumente als Beweise des Verbrechens“, dann zur Ermordung von „Sinti und Roma“ sowie zu „Kindern und Jugendlichen im Konzentrationslager“. Der 13-jährige Justin Wunderlich erinnerte sich dabei an die Geschichte einer Familie, wobei allesamt – Mutter, Vater und Kinder – an Ort und Stelle erschossen worden seien. Selbst das Baby hätte einen Kopfschuss erhalten.

Oskar Schindlers Fabrik in Krakau besichtigt

Etwas Entspannung hatten die Jugendlichen bei einer Shoppingtour durchs nahegelegene Krakau. Doch auch dort ließ sie die Vergangenheit nicht zur Ruhe kommen. Neben prächtigen Schlössern und Bürgerhäusern der polnischen Stadt sahen sie auch das ehemalige jüdische Ghetto sowie die Emaillewarenfabrik des deutschen Unternehmers Oskar Schindler, der während des Krieges hunderte Juden vor der Deportation und Vernichtung bewahrt hatte. „Den Film Schindlers Liste habe ich mal in Teilen gesehen“, sagte die 14-jährige Leoni Schrinner. Das Ganze aber so hautnah mitzuerleben, sei schon etwas anderes gewesen.

„Zu DDR-Zeiten war es für uns Pioniere Pflicht, die Konzentrationslager in Sachsenhausen und Buchenwald zu besuchen“, erinnerte sich Sozialarbeiter Matthias Stock. In Auschwitz hätten ihm Gedenkstättenmitarbeiter aber berichtet, dass das an vielen deutschen Schulen schon nicht mehr zum Programm gehöre. In Wittstock scheint es noch zum Programm zu gehören, wie die Jugendlichen berichteten. Zumindest bei ihnen würde künftig noch eine Tagesexkursion nach Sachsenhausen anstehen, damit die Erinnerung an die Vergangenheit wach bleibt.

Von Christian Bark

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